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So viele Wanderfalken wie noch nie

In der Sächsisch-Böhmischen Schweiz brüten so viele Falken wie seit 100 Jahren nicht. Sie werden besonders geschützt.

Von Heidi Körner

Das ist Rekord: 20 Brutpaare des Wanderfalken in der Sächsischen Schweiz und zehn Brutpaare in der Böhmischen Schweiz. So viele haben Spezialisten der Nationalparkverwaltungen jetzt auf beiden Seiten der Grenze gezählt. Seit Beginn der Erfassungen in den 1920er-Jahren bis zum Aussterben der Art 1972 durch den Einsatz des Pestizids DDT in der Landwirtschaft gab es in der Sächsischen Schweiz maximal zehn, im gesamten Elbsandsteingebirge 16 Brutpaare des Greifvogels.

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Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr brüteten 17 Wanderfalken-Paare in der Sächsischen Schweiz und elf Paare in der Böhmischen Schweiz. Eine Ursache für die seit Gründung des Nationalparks erfolgreiche Wiederbesiedlung liegt auch darin, dass die meisten Kletterer und Wanderer die zeitlich und räumlich eng begrenzten Sperrungen der Brutplatzumgebung einhalten, so die Naturschützer. Seit 2001 bewachen zusätzlich Freiwillige des Sächsischen Bergsteigerbundes besonders gefährdete Horste. Auf diese Weise können viele Störungen vermieden werden.

Anders auf tschechischer Seite. Dort gibt es dieses dichte Netz an Helfern noch nicht. Erst vor wenigen Wochen war am Gabriela-Felsen in der Kernzone des Nationalparks eine zerstörte Wanderfalken-Brut entdeckt worden. Offenbar waren Bergsteiger aus Deutschland der Nisthöhle zu nah gekommen. Vermutlich haben sie beim Bofen die brütenden Vögel gestört, die gaben ihre Eier auf (SZ berichtete).

Das Beispiel zeigt, wie wichtig der strengste Schutz der brütenden Wanderfalken ist. Die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz bittet alle Besucher, die im Gelände ausgeschilderten Horstschutzzonen zu respektieren und gekennzeichnete Wege nicht zu verlassen. Das dient nicht nur den Wanderfalken, sondern auch vielen anderen Tierarten, die derzeit mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind.

Eine besondere Freude für die Naturschützer war die Entdeckung, dass zwei Wanderfalken-Brutpaare bisher nicht genutzte Plätze in den Felsmassiven neu besiedelt haben. Auch in der Böhmischen Schweiz war das an einem Platz der Fall. Es seien mindestens drei Jahre alte, erfahrene Vögel, die sich die neuen Brutplätze ausgewählt haben. Und: Erstmals seit 1955 gibt es wieder eine zweite Brut im Bielatal.

Nach dem Verbot von DDT in der Landwirtschaft startete die Nationalparkverwaltung in der Sächsischen Schweiz 1989 ein Wiederansiedlungsprogramm für Wanderfalken. Mit der Hilfe von Züchtern aus Deutschland und Tschechien wurden in luftiger Höhe am Lilienstein bis 1996 insgesamt 77 Falken ausgewildert. Die Nachkommen dieser Falken sind bis heute die Basis der Population. Bis aus Südfrankreich wurde der Nationalparkverwaltung mitgeteilt, dass Falken aus der Sächsischen Schweiz gesichtet wurden.

Aber nicht nur in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ist in diesem Jahr die Zahl der Brutpaare so hoch. Auch die von früher bekannten Reviere im Böhmischen Mittelgebirge, im Lausitzer Gebirge, im Erzgebirge und im Riesengebirge sowie in den Aderspacher und Weckelsdorfer Felsen sind in diesem Jahr optimal wiederbesiedelt, sagt Ulrich Augst von der Nationalparkverwaltung. Er vermutet, dass „die milden Temperaturen der vergangenen Monate dazu beigetragen haben, dass mehr Falken den Winter überlebten“.