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So war der Frankfurter Tatort

Gegen hessische Novemberkälte halfen im jüngsten „Tatort“ dicke Pullover und heiße Liebe. Gestorben wurde trotzdem.

Wie ein Ölbild sieht das beige Wohnzimmer der Witwe Röhrig aus. Die Bildästhetik im neuen Hessen-„Tatort“ sprüht nur so vor Retro-Charme.
Wie ein Ölbild sieht das beige Wohnzimmer der Witwe Röhrig aus. Die Bildästhetik im neuen Hessen-„Tatort“ sprüht nur so vor Retro-Charme. © hr

Bei so viel Mord und Totschlag, wie er derzeit über die Mattscheiben flimmert, wächst ab und an die Sehnsucht nach einer rührigen Liebesgeschichte. Wie gut, dass im aktuellen „Tatort“ der von den Gazetten als „Zyklopenkiller“ betitelte Mörder keine Schwarze Witwe, sondern eine weiße Braut ist.

Die liebt ihren Hajo mit solcher Inbrunst, dass sie auch vor profimäßig durchgeführten Morden nicht zurückschreckt, um die eheliche Harmonie und den gemeinsamen Familienbetrieb zu retten. Da wird geturtelt und getäubelt, da kocht sie ihm Falschen Hasen mit Buttermilch und kriecht zu ihm ins Krankenbett. „Nothing gonna change my love for you“ tönt nach dem Schuss zwischen die Augen von Sicherheitsmann Jürgen Röhrig so laut aus dem Autoradio, dass man nicht umhin kommt, diesen treusorgenden Todesengel irgendwie rührig zu finden.

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Aber auch Jürgen hatte seine Liebesgeschichte. Die geht zwar hintergründiger, aber sogar noch tiefer ans Herz. Das ist anfangs kaum zu ahnen, zeigt doch seine namenlose Witwe beim Besuch der Kommissare in ihrem sepiagetönten Wohnzimmer ähnlich reduzierte Regungen wie die unzähligen Deko-Teddys. Wie soll sie auch wissen, dass der Mann, den sie kaum zu Gesicht bekam, einen Neuanfang plante und nur durch dummen Zufall seiner Mörderin statt seiner alten Liebe in die Arme lief?

Derlei krude Liebesgeschichten gibt es viele in „Falscher Hase“. Sei es jene zwischen dem Kleinkriminellen Rick und der pelztragenden Ehefrau seines großen Bruders – so man das eine Liebe nennen will. Oder aber jenes zarte Gefühls-Pflänzchen, dass der verquere Staatsanwalt für Hauptkommissarin Jannecke zu entwickeln scheint. Diese Verbandelungen zu bewerten überlässt Regisseurin Emily Atef gänzlich dem Zuschauer. Der fragt sich unweigerlich: Gibt es denn keine normale Beziehung in diesem nebelhaften Ort, der so völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint?

Wer unbedingt will, der findet sie im eingespielten Kommissaren-Duo, beide ewig fröstelnd im Strickpullover, aber stets in Humor und Harmonie vereint. Wie gut, dass Janneke und Brix sich die Last romantischer Gefühle nicht ans Bein binden, denn so sind sie schließlich doch noch imstande, in der ewig sanften Biggi die wahre Schützenkönigin zu erkennen. „The power of love“ hin oder her.


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