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Löbau

So lief der Schulstart

Mit Maske und vielen Regeln dürfen wieder alle in die Schule. An normalen Unterricht ist noch nicht zu denken. Ein Besuch unter besonderen Umständen im Oberland.

Schlange stehen am Morgen: Nur einzeln dürfen die Kinder ins Schulhaus. Wartebereiche mit genügend Abstand sind mit Kreide auf das Schulhof-Pflaster aufgezeichnet.
Schlange stehen am Morgen: Nur einzeln dürfen die Kinder ins Schulhaus. Wartebereiche mit genügend Abstand sind mit Kreide auf das Schulhof-Pflaster aufgezeichnet. © Rafael Sampedro

Mit Mundschutz auf dem Gesicht empfängt Thomas Drosky jeden Schüler an der Pforte zum Schulhof. "Ohne Einlasskontrolle geht es nicht", sagt der stellvertretende Schulleiter der Andert-Oberschule in Ebersbach. Denn aufs Schulgelände darf niemand, der nicht gebraucht wird, um den Schulbetrieb abzusichern. 

Und für die Schüler heißt es erst einmal: Mundschutz aufsetzen und in die Schlange stellen. Vor den Treppen zum Eingang postieren sie sich in einer Reihe. Damit genügend Abstand eingehalten wird - mindestens 1,50 Meter - hat der Hausmeister mit Sportplatzkreide Kästchen auf das Pflaster gemalt. Die Markierungen ziehen sich in einer Schlange über den ganzen Schulhof. 

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"Wir sind ja schon eingespielt", sagt Drosky. In den vergangenen Wochen hatte er bereits 100 der insgesamt 380 Mädchen und Jungen in der Schule. Nämlich diejenigen, die in wenigen Tagen ihren Schulabschluss machen werden, sowie die Vorabschlussklassen. Die Kreide-Kästchen haben in der Zeit schon einige Regengüsse überstanden. Nur hier und da musste der Hausmeister ein bisschen nacharbeiten. 

Weiterhin wird auch zu Hause gelernt

So wie an der Oberschule in Ebersbach hat es am Montagmorgen an vielen Schulen ausgesehen. Dass alle Schüler ab dem 18. Mai wieder in die Schulen können - diese Nachricht löste bei Eltern und Familien erst einmal Erleichterung aus. Die Hoffnung auf ein wenig Normalität wuchs. Doch Normalität kann man das noch nicht nennen - so sehr sich die Schulen um ruhige Abläufe bemühen und alles akribisch organisiert haben. 

Denn, dass alle auf einmal wieder in die Schulen kommen, das ist schlicht nicht möglich. Die Pestalozzi-Oberschule in Löbau hat noch deutlich mehr Schüler, als die Ebersbacher  - rund 500. Die Hygieneregeln, die Kultusministerium und Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) vorschreiben, wären mit allen Schülern im Haus nicht umsetzbar, sagt der Löbauer Schulleiter Hans-Jürgen Gerk. 

Dazu gehören unter anderem die Mindestabstände, die - anders als in den Grundschulen - einzuhalten sind. Die sind in den Unterrichtszimmern nur zu gewährleisten, wenn die Klassen geteilt werden. So ist nun jede Klasse aufgeteilt in zwei Gruppen. "Maximal 14 in einer Gruppe", erklärt Schulleiter Gerk. Jede Gruppe ist eine Woche lang dran mit Unterricht in der Schule, dann bleibt sie eine Woche zu Hause und lernt wieder im Selbststudium. Derweil kommen die anderen eine Woche in die Schule. In diesem Wechsel geht es nun bis zu den Sommerferien. Außerdem: An den Prüfungstagen der Zehntklässler dürfen gar keine anderen Schüler in der Schule sein. Dann heißt es wieder: zu Hause lernen. 

In dieser Woche werden gestaffelt erst einmal die Gruppen aller Klassenstufen nacheinander in die Schule kommen. "Sie kriegen eine Einweisung in die Hygieneregeln und wie sie sich verhalten sollen", so Hans-Jürgen Gerk. Und die Klassenlehrer prüfen, auf welchem Stand die Schüler nach den vielen Wochen des Selbststudiums sind. 

So läuft es jetzt auch in Ebersbach. Erst einmal gibt es eine Einweisung. Wieder stehen die Schüler an markierten Linien auf dem Boden und warten im Foyer der Schule, dass sie mit Händewaschen und desinfizieren dran sind. Das "überwacht" ein Lehrer. Er fragt jeden, ob er gesundheitliche Beschwerden hat und hält eine große Pumpflasche mit Desinfektion bereit. Jeder, der rein will, muss sie benutzen. Und einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen.  

Stellvertreter Thomas Drosky hat seine Augen scheinbar überall. "Bitte Abstand halten", ruft er einer Gruppe Jungs zu, die über den Gang schlendert. "Das ist die falsche Richtung", erklärt er einem anderen Jungen, der etwas irritiert im Schulflur unterwegs ist. Er hat die Einbahn-Regelung nicht beachtet. Schilder mit Pfeilen markieren im ganzen Schulhaus, wo es langgeht. Linksrum nach oben, rechts herum wieder nach unten. Das dient dazu, dass sich möglichst niemand auf dem Gang entgegen kommt. "Da muss man sich selbst als Erwachsener konzentrieren, dass man sich auch daran hält", sagt Drosky. 

Nur alleine aufs Klo

Französischlehrerin Ilona Herzog hat vor den Toiletten im ersten Stock ihren Beobachtungsposten bezogen. Mit der SZ und einigen Lehrbüchern hat sie sich an einem Tisch eingerichtet. Sie passt auf, dass jeweils immer nur ein Schüler in die Sanitärräume geht. Eine Etage weiter unten übernimmt diesen Dienst ein Freiwilliger. Normalerweise hilft er in der Andert-Schule bei der Hausaufgabenbetreuung. Jetzt eben bei der Toilettenwache. "Es sind so viele Bereiche abzusichern. Da sind wir auf Unterstützung angewiesen", sagt Thomas Drosky. 

Die Vorgaben besagen auch, dass jeder Schüler eine Maske dabei haben muss. Bei Experimenten, zum Beispiel im Chemieunterricht, wenn die Schüler nah beieinander sind, müssen sie getragen werden. Sonst entscheidet der Lehrer, wann es nötig ist. In jedem Fall immer dann, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. 

Wenige Tage vor dem Start wurde bekannt, welche Hygieneregeln an den Schulen einzuhalten sind. Wie sie die umsetzen, müssen die Schulen selbst regeln und organisieren. "Es läuft gut", schätzt Thomas Drosky ein. "Die Kinder sind sehr diszipliniert." 

Sonderregelung für Prüfungen

Aber sind die Lernziele für das Schuljahr überhaupt noch zu schaffen? Klassenleiter Enrico Probst hat gerade seine fünfte Klasse begrüßt. Das heißt, die knappe Hälfte davon. Wo sonst 28 Kinder sitzen, sind es jetzt nur zwölf - wegen des Abstandsgebots. Er wird heute mit Mathe anfangen und die Aufgaben mit den Schülern besprechen, die sie in den letzten acht Wochen zu Hause erledigt haben. "Da werden die Ergebnisse natürlich ganz unterschiedlich ausfallen." Seine Aufgabe und die seiner Kollegen wird es jetzt sein, alle wieder auf ein Level zu bringen. 

Auch Schulleiter Gerk in Löbau ist guter Dinge, dass alle den Anschluss bekommen. "Wir konzentrieren uns jetzt auf die wichtigsten Dinge." So gebe es in den Lehrplänen Inhalte, die dringend gelehrt werden müssen. "Prozentrechnung in der siebenten Klasse, das muss unbedingt sein", nennt er ein Beispiel. 

Und die Prüfungen? Am Montag geht es los mit Englisch. Dann folgen Deutsch und Mathe und nach Pfingsten die Naturwissenschaften. Sind die Schüler nach der langen Zeit des Selbststudiums jetzt ausreichend darauf vorbereitet? Wie der Löbauer Schulleiter erklärt, gibt es da dieses Jahr einen Sonderweg. Normalerweise ist es so, erläutert er, dass auch er die Prüfungsaufgaben nicht vorher kennt. "Ich bekomme sie in einem Umschlag und der wird erst vor den Schülern am Prüfungstag geöffnet." Er erhalte lediglich vorab eine Information, wenn irgendwelche Utensilien bereit gestellt werden müssen, zum Beispiel für Experimente in den Naturwissenschaften. 

Das wird diesmal anders sein. Der Schulleiter darf gemeinsam mit seinen Kollegen schon am Morgen des Prüfungstages den Umschlag öffnen. "Wenn Aufgaben dabei sind, wo wir den Stoff noch nicht behandelt haben, gibt es Alternativen. Daraus können wir dann auswählen und Aufgaben austauschen." 

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