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So war der letzte "Tatort" mit Hannelore Elsner

Ein Jahr nach ihrem Tod tritt Hannelore Elsner noch einmal im "Tatort" aus Frankfurt auf – und rettet die Werte der Polizei.

Elsa Bronski (Hannelore Elsner, l) und Anna Janneke (Margarita Broich) stehen am Fenster - eine Szene aus dem "Tatort".
Elsa Bronski (Hannelore Elsner, l) und Anna Janneke (Margarita Broich) stehen am Fenster - eine Szene aus dem "Tatort". © HR/Degeto/dpa

Künstlerinnen leben länger. Weil auch nach ihrem Tod noch etwas bleibt, das sie mit Nachdruck an diese Welt zu binden vermag. Vielleicht nicht auf ewig, zumindest aber für ein paar Jahre noch. Doch nur selten ist das so eindrücklich zu erleben wie im Fall von Hannelore Elsner. Fast exakt ein Jahr ist es her, dass die Schauspielerin in München ihrem Krebsleiden erlag – und trotzdem flimmert sie dieser Tage wieder kraftvoll über die Fernsehschirme dieses Landes.

Ein Abschied, wie ihn nicht einmal ein Drehbuchautor planen kann. Und als wäre das noch nicht genug, kämpft Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen um nicht weniger als die Werte der Polizei. Denn die scheinen den Frankfurter „Tatort“-Kommissaren Anne Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) irgendwie abhandengekommen. 

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Zumindest bringen die beiden auf die Frage danach nicht mehr zustande als die Feststellung: „Wir vertreten das Gesetz. Basta.“ Dass die Sache nicht ganz so einfach liegt, sollen die Kommissare im Frankfurter „Tatort: Die Guten und die Bösen“ schnell erfahren. Von Beginn an versucht der aktuelle Fall, dessen Titel zu konterkarieren, die Guten plötzlich böse sein zu lassen, die Grenzen zu verwässern. 

Statt mit der Suche nach einem Mörder, beschäftigen sich die Kommissare mit der Frage nach dessen Schuld. Und wie sich diese womöglich mindern lässt. Ihr Kollege hat doch nur die Vergewaltigung seiner Frau gerächt. Da müssen sich doch irgendwelche Entlastungen auftreiben lassen. 

Und überhaupt: Was soll das mit der Strafe eigentlich?, fragen sich Janneke und Brix, während sie mit einem Mordskater von einer grotesken Baustellen-Szenerie in die nächste stürzen. Abschreckung? Sühne? Oder gar Gerechtigkeit? So wirklich schlau werden sie aus ihren philosophischen Ermittlungen am Ende nicht. Und ihre Antwort auf die entscheidende Frage fällt eher mager aus.

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Welche Werte hat ein Polizist? Hannelore Elsner ist die Einzige, die auf diese Frage nicht per Videobotschaft reagieren darf, und trotzdem die stärkste Antwort hat. Elsner verkörpert eine Kommissarin, die auch im Ruhestand noch nach der Wahrheit sucht, sich im Keller mühsam durch die alten Akten ackert und den Glauben an den Rechtsstaat weiterleben lassen will - während sich der Rest des Reviers nur neue Bürozimmer wünscht.

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