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So war die erste Saison im Theaterzelt

41 Vorstellungen und 5.000 Zuschauer – die Landesbühnen ziehen eine positive Bilanz für Kurort Rathen. Die Planungen für 2021 laufen.

Schlussapplaus für die Sängerinnen und Sänger und die Elbland Philharmonie am Sonntag im Theaterzelt in Rathen.
Schlussapplaus für die Sängerinnen und Sänger und die Elbland Philharmonie am Sonntag im Theaterzelt in Rathen. © Sylvio Dittrich

Mit stürmischem Applaus und „Zugabe“-Rufen ging am Sonntag die erste Saison im Theaterzelt der Landesbühnen Sachsen in Rathen zu Ende. Das Publikum feierte die sieben Sängerinnen und Sänger des Opernensembles sowie die Elbland Philharmonie Sachsen unter der Leitung von Hans-Peter Preu für das Wunschkonzert „Die ganze Welt ist himmelblau“.

Was für ein Motto in dieser Zeit! Aber es passte mit seinem Optimismus und der Unbeschwertheit zum sommerlichen Schlussakkord am Elbufer des Kurortes. Immerhin war es der erste Auftritt des Orchesters seit März, als die staatlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie zu greifen begannen. Zwar hatten, um die Abstandsregeln zu wahren, nur 25 Musiker Platz auf der Bühne. „Aber immerhin konnten sie hier auftreten“, freut sich Intendant Manuel Schöbel. Überdies sei die Akustik im Zelt wider Erwarten hervorragend gewesen.

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Der Theaterchef registrierte die Begeisterung der Gäste mit einer gewissen Genugtuung. „Unsere Hartnäckigkeit wurde belohnt“, sagt er. Schöbel dankt allen Unterstützern, die das ehrgeizige Projekt auch in der Krise unterstützt und befördert haben, vor allem den Rathener Einwohnern und den Freunden des Reisetheaters. „Sie haben an uns geglaubt, und wir haben tragfähige Ideen entwickelt, um das Theaterzelt doch noch bespielen zu können.“

Allerdings fielen zunächst drei Premieren den Einschränkungen zum Opfer, die Musical „Peter Pan“, „Kiss Me Kate“ und „Annie Get Your Gun“. Mit den Märchenklassikern „Der gestiefelte Kater“ und „Der Frosch muss weg“ nach den Gebrüdern Grimm starteten die Landesbühnen endlich am 20. und 21. Juni in eine verkürzte Saison. Mit dem vom Landratsamt genehmigten Hygienekonzept reduzierte sich das Platzangebot im Zelt von ursprünglich 600 Personen auf rund 220.

Nur ein Ausfall – wegen Hitze

Die Nachfrage sei den Umständen entsprechend gut gewesen, resümiert Schöbel. Insgesamt kamen rund 5.000 Besucher zu den 41 Vorstellungen. Sie erlebten sechs Inszenierungen der Landesbühnen, darunter mit „Pettersson und Findus“, in der Hauptrolle Jürgen Haase, und den „Ritterliedern“ dann doch noch zwei Premieren. Auch die Gastspiele, unter anderem mit dem Zwinger-Trio und dem Lakomy-Ensemble, wurden sehr gut angenommen.

Der Vorteil des Zeltes ist, dass keine Veranstaltung wegen Regens ausfallen muss. Indes hilft das runde Dach nur bedingt gegen Wärme. Zwar sind ringsum Gebläse installiert, die den Luftaustausch bewerkstelligen. Allerdings nützt das wenig, wenn das Thermometer auf Rekordwerte steigt, eine Klimaanlage gibt es nicht. So kam es, dass Veranstaltungsmanager Andreas Gärtner, sonst der gute Geist der Felsenbühne, erstmals eine Vorstellung wegen extremer Hitze absagen musste. „Bei 45,6 Grad Celsius auf der Bühne ging am 9. August gar nichts mehr“, sagt er. Pettersson musste deshalb mit seinem Findus zu Hause bleiben.

Finanziell, räumt Schöbel ein, geht die Bilanz in Rathen nur deshalb auf, „weil wir sehr sparsam gewirtschaftet haben und weiterhin wirtschaften werden.“ Die fehlenden Einnahmen müssten an anderer Stelle eingespart werden. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Dinge einen anderen Wert bekommen“, sagt er. „Wir haben jetzt Erfahrungen gesammelt, um zu wissen, wie wir künftig Theater spielen.“

Das grün-weiße Theaterzelt, das die Firma des Dresdner Zirkusdirektors André Sarrasani in Italien nähen ließ und im Juni aufgestellte, ist eine Interimsspielstätte der Landesbühnen Sachsen für die Felsenbühne Rathen. Die historische Anlage im Wehlgrund bekommt derzeit für rund 14 Millionen Euro neue Funktionsgebäude und neue Technik. Die Wiedereröffnung soll im Frühjahr 2022 sein. Um nicht ganz aus dem Bewusstsein der Rathener zu verschwinden, und um dennoch eine Sommerbespielung in der Sächsischen Schweiz anbieten zu können, hatte Manuel Schöbel die Idee mit dem Theaterzelt.

Rathens Bürgermeister Thomas Richter war von Anfang an begeistert. „Wir sind froh, dass es den Landesbühnen gelungen ist, das Zelt aufzubauen“, sagt er. „Und die Menschen waren sehr dankbar, dass es in diesen schwierigen Zeiten dieses kulturelle Angebot gab.“ Er freue sich schon auf die nächste Saison, dann hoffentlich, wie er sagt, ohne „dieses Corona-Gespenst.“

Im Oktober will Manuel Schöbel den Spielplan für die Saison 2021 in Rathen vorstellen. Geplant sind erneut „Peter Pan“ und „Annie Get Your Gun“ als Premieren, „Kiss Me Kate“ soll zunächst in Radebeul auf die Bühne kommen und dann in Rathen laufen. Vieles bleibt Spekulation. „Ich weiß nicht, wie die Lage in vier Wochen ist und erst recht nicht, wie sie nächsten Sommer sein wird“, sagt Schöbel.

Aber er zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind nicht die Opfer und bloßen Empfänger von Regeln, wir werden das Leben unter den Bedingungen der Pandemie aktiv gestalten.“ Damit die ganze Welt auch nächstes Jahr himmelblau wird, wenigstens im Theaterzelt in Kurort Rathen.

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