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Leben und Stil

So werden Sie bei Naturkosmetik getäuscht

Nicht überall, wo Natur draufsteht, ist welche drin – im Gegenteil, beweisen Verbraucherschützer.

© 123rf.com

Viele kennen das: Es soll eine neue Gesichtscreme oder ein Duschbad sein, möglichst mit reinen, natürlichen Inhaltsstoffen. Denn diese sollen haut- und umweltfreundlicher sein als konventionelle Pflegeprodukte. Dafür sind Kunden auch bereit, mehr Geld auszugeben. 

Hersteller haben den Trend erkannt. Sie verpassen ihren Erzeugnissen durch grüne oder braune Fläschchen, mit Pflanzenbildern bedruckte Etiketten oder natürlich klingende Namen ein grünes Image. Die Auswahl im Laden ist riesig und die kleingedruckten Inhaltsangaben sind für Laien nicht zu verstehen. Doch wie viel Natur steckt tatsächlich in solchen Produkten?

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Die Verbraucherzentrale Hamburg hat jetzt die Etiketten von 16 verschiedenen Cremes, Lotions und Shampoos überprüft und darin oft flüssige Kunststoffe oder synthetische Zutaten wie Mineralölbestandteile, Parabene und Silikone gefunden. „Die haben in echter Naturkosmetik überhaupt nichts verloren und sind darin sogar verboten“, sagt Verbraucherschützerin Silke Schwartau. Zwar seien sie nicht gesundheitsgefährdend. Da die Produkte aber falsche Erwartungen wecken, würden Kunden mit System hinters Licht geführt. „Mit dem wachsenden Angebot gibt es immer mehr Trittbrettfahrer“, so Schwartau. Bio- und Naturkosmetik setzt auf natürliche und nachwachsende Rohstoffe. Meist sind sie pflanzlichen Ursprungs wie Mandel- oder Olivenöl oder natürlichen Ursprungs wie Tenside aus Zucker. Die konventionelle Kosmetik verwendet hingegen Mineralöl und synthetische Konservierungsstoffe. Allerdings ist der Begriff Naturkosmetik rechtlich nicht geschützt. Das bietet Spielraum. Zum Beispiel für die Firma Dr. Eckstein Biokosmetik, deren Collagen Supreme Facial Cream wegen vieler synthetischer Inhaltsstoffe den Naturkosmetikstandards nicht entspricht. Die Verbraucherschützer konfrontierten sie mit der Diskrepanz. Das Unternehmen antwortete: Da der Gesetzgeber den Begriff „nicht weiter reguliert, verwenden wir Biokosmetik seit 70 Jahren als Markenzeichen.“

Kunden bleibt der Unterschied zwischen Sein und Schein nicht verborgen. Die Beschwerden in der Verbraucherzentrale häufen sich. Zudem seien viele zunehmend orientierungslos. Das liegt auch an den mehr als 30 privaten Bio-Kosmetiksiegeln. „Wir müssen der Täuschung im Drogeriemarkt ein Ende setzen“, so Schwartau. Sie fordert ein unabhängiges, kontrolliertes Label sowie rechtsverbindliche Vorgaben für Naturkosmetik. „Das würde helfen, nicht auf die Maschen hereinzufallen.“


Die Maschen der Hersteller

Trick 1: Bio im Namen

© Verbraucherzentrale Hamburg

Obwohl bio im Produkt- oder Markennamen vorkommt, sind die Inhaltsstoffe nicht bio und auch nicht natürlichen Ursprungs. Im Marktcheck traf das auf folgende Produkte zu:

• Biotherm Blue Therapy multi-Defender SPF 25: Die Creme enthält flüssigen Kunststoff (Sodium Acrylates Crosspolymer-2) und synthetische Inhaltsstoffe wie Disodium EDTA und Chlorphenesin.

• Shiseido Advanced Super Revitalizing Cream Bio-Performance: enthält die synthetischen Stoffe Methylparaben, PEG-150 oder Disodium EDTA.

• Rosa Graf Bio Kur Ginseng Creme: enthält Phenoxyethanol, Butylphenyl Methylpropional oder PEG-8.

• Bio Relax Serum exquisit Hildegard Braukmann: flüssiger Kunststoff und synthetisches Dimethicone enthalten.

p Neogen Dermalogy Bio Peel Gauze Peeling Wine: synthetische Inhaltsstoffe wie Disodium EDTA enthalten.


Trick 2: Hinweise auf pflanzliche Inhaltsstoffe

© Verbraucherzentrale Hamburg

Grünliche Flaschen, angedeutete Blätter und Früchte, groß ausgelobte natürliche Pflegeöle sollen darüber hinwegtäuschen, dass viele synthetische Stoffe enthalten sind. Besonders beliebt: „frei von“-Deklarationen, die nur selten vollständig sind.

• Palmolive Naturals Olive & Milch: flüssiger Kunststoff (Styrene/Acrylates Crosspolymer) und viele weitere synthetische Stoffe wie Sodium Laureth Sulfate.

• CD Naturkraft Mizellen Volumen Shampoo: synthetische Inhalts- und Duftstoffe wie Sodium Laureth Sulfate.

• Nature Box Shampoo von Henkel: PEG-120 Methyl Glucose Dioleate und Sodium C14-16 Olefin Sulfonate.

• Dewytree Green Power Aloe Soothing Gel der All of nature GmbH: flüssiger Kunststoff und synthetische Stoffe.

• Kamill Hand & Nagelcreme Herbal mit Bio-Kamille: Dimethiconel und Phenoxyethanol.  


Trick 3: Greenwashing mit „natürlichem Wasser“

© Verbraucherzentrale Hamburg

Dank einer europaweiten Iso-Norm gilt Wasser seit 2017 als natürlicher Inhaltsstoff. Seither lautet die Devise vieler Anbieter: Mehr Wasser gleich mehr Natur.

• Vichy Aqualia Thermal Leichte Feuchtigkeitspflege: Von den 97 Prozent natürlicher Inhaltsstoffe sind 63 Prozent Wasser. Außerdem enthalten: flüssiger Kunststoff (Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer) und weitere synthetische Inhaltsstoffe.

• Hello Nature Shampoo Hanföl: „natürl. Inhaltsstoffe 97,2“ Prozent, synth. Stoffe wie Sodium Laureth Sulfate.

• Inecto- Naturals Argan Body Lotion: „natürl. Inhaltsstoffe 90 Prozent“; flüssiger Kunststoff, synthetische Stoffe.

• Caudalie mildes Gesichtspeeling: „natürl. Inhaltsstoffe 94 Prozent“, flüssiger Kunststoff trotz Hinweis „enthält keine Kügelchen aus Plastik“; synthetische Inhaltsstoffe.

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