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„So, wie es kam, war es perfekt. Für mich und Aue.“

Der frühere Dresdner Publikumsliebling Pascal Testroet über seinen Abschied bei Dynamo und millionenschwere Angebote.

Er hat gut lachen. Im Erzgebirge fühlt sich Pascal Testroet wohl, und erfolgreich ist der 28-jährige Stürmer auch.
Er hat gut lachen. Im Erzgebirge fühlt sich Pascal Testroet wohl, und erfolgreich ist der 28-jährige Stürmer auch. © dpa/Robert Michael

Was wäre, wenn... Pascal Testroet will darüber gar nicht nachdenken. Im Hier und Jetzt ist es gerade so schön. Vergangenen Samstag ist der 28-jährige Fußballprofi zum zweiten Mal Vater geworden, seine Frau Michelle brachte Tochter Paulina zur Welt. Und auch sportlich läuft es für den früheren Dresdner gut – bei Dynamos Erzrivalen aus dem Erzgebirge.

In Aue fühlt sich Testroet wohl. Im SZ-Gespräch sagt er, wieso ihn der Verein trotz eines millionenschweren Angebots aus der Bundesliga nicht verkauft hat und was von seiner Zeit bei Dynamo geblieben ist.

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Pascal, aufregende Tage liegen vor und hinter Ihnen. 0:4 in Hamburg verloren, die Geburt Ihrer Tochter, jetzt Dynamo. Wie ist Ihre Gefühlslage derzeit?

Mir geht es gut, richtig gut. Ich hatte großes Glück, dass ich bei der Geburt dabei sein durfte und dann einen Tag später auch spielen konnte. Bis auf das Ergebnis war alles perfekt.

Lässt sich mit dem privaten Glück so eine derbe sportliche Niederlage besser verarbeiten?

Ja, ganz klar. Wir haben das Spiel am Montag ausgewertet, danach sollte es sowieso abgehakt sein. Diesmal war das für mich natürlich noch mal leichter, weil ich direkt im Anschluss ins Krankenhaus gefahren bin zu meiner Frau und meinen Töchtern. Da denkt man wirklich nicht mehr darüber nach, was wir in der einen oder anderen Situation hätten besser machen können. Da ist die Familie wichtiger.

Ziemlich perfekt lief es für Sie vor allem zeitlich, so eine Spontan-Geburt lässt sich schließlich nicht planen. Wie haben Sie es geschafft, nach der Geburt am Samstag dann sonntags auf dem Spielfeld zu stehen?

Meine Frau hat mir am Freitag signalisiert, dass es vermutlich am Wochenende so weit sein könnte. Doch ich hatte absolute Unterstützung vom Verein. Samstagmorgen habe ich dem Trainer die Nachricht geschrieben, dass es jetzt losgeht, ich das Training wohl verpassen werde, aber am Abend im Mannschaftshotel sein könnte – wenn ich darf. Seine Antwort: „Ich wünsche euch viel Glück. Du darfst!“ Mit unserem Rehatrainer bin ich dann am Nachmittag nach Hamburg gefahren.

Hat Sie diese Reaktion überrascht? Ihr Trainer Dirk Schuster hätte Sie ja komplett ausplanen können – weil Sie mit dem Kopf nicht bei der Sache sind.

So gut kennt er mich nach seiner dreiwöchigen Amtszeit in Aue doch schon. Er weiß, dass ich für Familie alles tue, doch dass ich auf dem Platz immer zu hundert Prozent bei der Sache bin. Das habe ich auch in Hamburg wieder gezeigt – trotz der Niederlage. Und dennoch bin ich ihm sehr dankbar. Seine Reaktion war schon ein großer Vertrauensbeweis.

Unterm Strich bleibt das Ergebnis: 0:4 beim HSV. Und jetzt kommt Dynamo am Sonntag ins Erzgebirge. Besteht die Gefahr, dass Aue den guten Saisonstart verspielt?

Überhaupt nicht. Von sieben Spielen haben wir drei gewonnen, zwei Unentschieden gespielt und zwei verloren – in Bielefeld und eben in Hamburg. Das sind aber auch zwei andere Hausnummern. An einem perfekten Tag können wir uns mit denen messen, aber nur dann. Das Spiel jetzt wird richtungsweisend, klar. Doch mit Dynamo liegen wir auf Augenhöhe. Fakt ist: Holen wir einen bis drei Zähler, haben wir einen überragenden Saisonstart. Holen wir keinen, ist es immer noch ein guter Start. Wir liegen völlig im Soll.

Heimspiel gegen Dynamo – was bedeutet das für Sie persönlich?

Erstmal, dass ich bei dem Gegner pro Saison gefühlt zwei Heimspiele habe, also auch das Spiel in Dresden. Es ist wirklich etwas Spezielles für mich, auf das ich mich auch immer wieder ganz besonders freue. Die Emotionen sind dann doch um einiges größer, und zwar bei allen Beteiligten.

Ertappen Sie sich manchmal beim Gedankenspiel, was wäre, wenn ... Also wenn Sie vor gut einem Jahr nicht gewechselt wären?

Ganz klar, nein. Ich lebe nicht in der Vergangenheit. So, wie es kam, war es perfekt. Für mich und Erzgebirge Aue. Damit sind wir hier alle sehr zufrieden. Wenn ich mir im Zuge des Wechsels einen Verlauf hätte wünschen können, dann genau diesen.

15 Tore haben Sie vergangene Saison für Aue erzielt, fünf Treffer vorbereitet. Allein die Zahlen sprechen für sich. Haben Sie eine Erklärung, dass es auf Anhieb so gut geklappt hat?

Gegenfrage: Wann hat es denn mal nicht geklappt, wenn ich regelmäßig auf dem Platz stehen durfte? Da fällt mir nur die Zeit nach dem Zweitliga-Aufstieg mit Dynamo ein, als ich zwar nach sechs Spielen ein Tor und eine Vorlage verbuchen konnte, aber nicht so regelmäßig getroffen habe. Ansonsten habe ich in Dresden dauerhaft meine Tore gemacht. Es ist doch immer eine Frage von Einsatzzeit, Vertrauen und wie man in das Spielsystem eingebunden wird. Da ich in Aue faktisch immer auf dem Platz stehe, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ich Tore erziele. Und ich habe natürlich hier auch gute Jungs um mich herum, die mich in Szene setzen.

In dieser Saison hat es für Sie aber noch nicht geklappt: sechs Spiele, null Treffer. Woran liegt das?

Ja, bislang war ich mehr der Vorlagengeber. Ich hatte in zwei, drei Szenen aber auch ein bisschen Pech. Ein Ball wurde auf der Linie gerettet, ein Kopfball ging knapp über das Tor. Da sprechen wir über Nuancen. Deshalb mache ich mir gar keinen Kopf. Dass ich Fußball spielen und in der zweiten Liga Tore schießen kann, sollte inzwischen keinem verborgen geblieben sein. Am Ende ist ohnehin entscheidend, dass wir gewinnen.

Was ist an den Wechselgerüchten in der Sommerpause dran gewesen? Stimmt es, dass Erstligisten Sie haben wollten?

Es gab Anfragen, ganz konkrete sogar. Aber für unseren Präsidenten Helge Leonhardt gab es bei dem Thema überhaupt keinen Spielraum. Ich habe mich bei ihm telefonisch erkundigt, und er hat eine stolze Ablösesumme genannt. Beim zweiten Telefonat hat er die dann noch mal erhöht. Eine Summe, die vermutlich niemand für einen 28-jährigen Stürmer bezahlt. Das war ein klares Signal – auch an mich.

Stattdessen haben Sie inzwischen Ihren Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Warum?

Man sollte immer wissen, wo und warum es einem gutgeht. Deshalb habe ich mich nach der knallharten Ansage des Präsidenten auch nicht mehr mit anderen Dingen beschäftigt, und wir sind sehr schnell auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Dass die Verantwortlichen bei den Angeboten nicht mal gezuckt, sondern gesagt haben, dass sie mich brauchen, habe ich als große Wertschätzung empfunden. Wenn ich in Aue nicht wirklich zufrieden wäre, hätte ich meinen Vertrag auch nicht verlängert. Ich bin hier ein wichtiger Mann, das wird mir immer wieder gezeigt. Anerkennung und Unterstützung sind mir sehr wichtig, und die bekomme ich.

Ist das der entscheidende Unterschied zu den letzten Monaten bei Dynamo vor Ihrem Wechsel?

Das lässt sich gar nicht vergleichen. Es ist ja nicht so gewesen, dass ich in Dresden bleiben sollte. Deshalb ist doch auch klar, dass man dann anders mit mir spricht. Insofern ist das schon alles ordentlich gelaufen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit bei Dynamo und noch guten Kontakt zu einigen Leuten. Ich freue mich auch riesig, dass Moussa Koné jetzt wieder trifft. Er hatte eine schwierige Zeit. Aber es gibt immer neue Wege im Leben. Es passt schon so.

Vergangene Saison haben Sie mit Aue in Dresden 1:1 gespielt und in der Rückrunde 1:3 verloren. Lassen Sie sich eine Kampfansage für das Wiedersehen am Sonntag entlocken?

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Nein, warum sollte ich das tun? Es gibt keine Kampfansage. Dynamo hat eine gute, eine sehr interessante, junge Mannschaft. Wir haben dagegen mehr Erfahrung. Ich werde am Sonntag alles geben, meine Mitspieler auch – und alle auf Dynamos Seite ebenfalls. Es ist ein Derby, in dem auch diesmal der Bessere gewinnt. Und das werden hoffentlich wir sein.

Das Interview führte Tino Meyer.

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