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So will das Rathaus die Kita-Krise lösen

Es fehlen Erzieher. Höhere Löhne sollen Lohmen helfen, genug Bewerber zu finden. Erste Erfolge gibt es bereits.

Bürgermeister Jörg Mildner (CDU), Hauptamtsleiterin Katrin Hofmann. Im Lohmener Rathaus hofft man, bald wieder genug Erzieher gefunden zu haben.
Bürgermeister Jörg Mildner (CDU), Hauptamtsleiterin Katrin Hofmann. Im Lohmener Rathaus hofft man, bald wieder genug Erzieher gefunden zu haben. © Daniel Förster

Die Gemeinde Lohmen versucht alles, um die Kinderbetreuung baldmöglichst wieder vollständig gewährleisten zu können. In der jüngsten Gemeinderatssitzung kochte das Thema stundenlang wieder auf. Auch Einwohner waren zu der Sitzung gekommen, vor allem wegen dieses Themas. Ein Vater beschwerte sich über die verkürzten Öffnungszeiten: „Ich arbeite acht Stunden, dazu kommt eine halbe Stunde Pause und dann fahre ich insgesamt eine Stunde mit dem Auto zur Arbeit und zurück. Das macht neuneinhalb Stunden Betreuungszeit für mein Kind, die Lohmen nun nicht mehr anbietet. Was soll ich tun?“ Dem Vater wurde vom Gemeinderat erklärt, dass die Zehn-Stunden-Verträge zwar auf neun Stunden reduziert wurden, die Betreuerinnen aber dennoch neuneinhalb Stunden da seien, um genau diese Fälle abdecken zu können.

Dennoch ist der Erziehermangel derzeit ein großes Problem. Drei Mitarbeiter hatten ziemlich zeitgleich gekündigt. Die Gründe seien plausibel, sagt Bürgermeister Jörg Mildner (CDU). Dazu befinden sich drei weitere Betreuerinnen im Krankenstand. Vermutet wurde, dass Lohmen schlecht bezahlen würde, trotz bestehender Tarifvertragsbindung. Nun stimmten die Gemeinderäte einem Antrag der CDU-Fraktion zu, welcher eine höhere Gehaltsstufe innerhalb der Tarifverträge für die Mitarbeiter der Gemeinde fordert.

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Ab Januar 2020 könnten somit auch die entsprechend qualifizierten Kindergärtner/innen nach der Tabelle für den Sozial- und Erziehungsdienst innerhalb des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst entlohnt werden. Zuvor muss aber eine Stellenbewertung für jeden einzelnen künftigen und bereits eingestellten Mitarbeiter erfolgen. Darin werden alle Tätigkeiten erfasst und nach ihrer Wertigkeit beurteilt. Danach kann erst eine Gehalts-Eingruppierung erfolgen.

Die Durchführung dieser Stellenbewertung ist jetzt vom Gemeinderat gebilligt worden. Derzeit erhalten Erzieherinnen in Lohmen im sachsenweiten Vergleich zwischen kommunalen und freien Trägern ein Gehalt im Mittelfeld, sagt der Bürgermeister.

In der Gemeinderatssitzung wurde auch bekannt, dass Einzelfälle der Eltern derzeit geprüft würden, um unter bestimmten Voraussetzungen eine Betreuung der Kinder trotz der fehlenden Erzieher zu ermöglichen. So könnten Kinder verschiedener Altersgruppen, die länger bleiben oder besonders früh abgegeben werden, eventuell in kurzen Zeiten zusammengelegt werden. „Das ist zwar für die Kinder nicht so schön, aber für die Eltern und deren Arbeitszeiten schon“, sagt der Bürgermeister. „Die Situation ist schwierig. Früher hatten wir 50 Bewerbungen vorliegen, jetzt müssen wir Erzieherinnen abwerben“, erklärt er. Er sieht aber einen Hoffnungsschimmer: „Wir haben jetzt neben einer neuen Erzieherin auch eine Sozialassistentin zur Unterstützung der Erzieher eingestellt. In der nächsten Woche finden zwei weitere Bewerbungsgespräche mit zwei Erzieherinnen statt und wenn diese zusagen, sind die Elternbriefe, die wir schreiben mussten, Geschichte und alles läuft wie bisher“, hofft Mildner. Außerdem fordert er bessere Rahmenbedingungen: „Es ist doch verwunderlich, dass ein Lkw-Fahrer, wenn er das möchte, eine Ausbildung zum Erzieher machen kann, aber wenn eine fünffache Mutter, die zehn Jahre als Sozialassistentin gearbeitet hat, zusätzlich noch eine Ausbildung machen muss, und nicht einfach stundenweise arbeiten kommen kann.“ Zudem fordert er auch, zu prüfen, ob nicht auch Eltern vorübergehend Kinder insbesondere im Frühhort, beaufsichtigen könnten, bis sich die Situation entspannt hat.

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Seit dem 19. August haben Kinderkrippe und Kindergarten nur noch von 6.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Die Hortbetreuung findet nur von 11 bis 16 Uhr statt. Der Frühhort fällt zunächst bis Ende September komplett weg, könnte aber nun im begründeten Einzelfall ab 6.30 Uhr über die Kita erfolgen. Geplant ist aber, den Frühhort so schnell wie möglich wieder regulär und für alle Kinder ab 6 Uhr zu gewährleisten. Eltern von insgesamt 33 Hortkindern sind von diesen Einschränkungen betroffen. Darüber hinaus wurden in einem Schreiben alle Eltern gebeten, ihre Zehn-Stunden-Verträge auf neun Stunden Betreuungszeit zu reduzieren. In den beiden kommunalen Lohmener Kindertagesstätten Krümelkiste und Storchennest werden derzeit 113 Kinder und im Hort 106 Kinder betreut.

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