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Bautzen

So will die Citymanagerin das Bautzener Zentrum beleben

Viele Geschäfte in der Innenstadt haben in letzter Zeit geschlossen. Yvonne Tatzel hat Ideen, wie sich das ändern kann.

Yvonne Tatzel hat Gunhild Mimuß abgelöst. Seit zweieinhalb Monaten ist sie Bautzens neue Citymanagerin.
Yvonne Tatzel hat Gunhild Mimuß abgelöst. Seit zweieinhalb Monaten ist sie Bautzens neue Citymanagerin. © Steffen Unger

Bautzen. Das Licht ist aus, ein Schild prangt an dem leeren Schaufenster: zu vermieten. Immer wieder sieht man dieses Bild in Bautzen. Dramatisch sei die Lage aber nicht, findet Bautzens neue Citymanagerin Yvonne Tatzel. Neue Ideen hat sie trotzdem.

Frau Tatzel, etwa 70 Läden in Bautzens Innenstadt stehen leer. Wie wollen Sie wieder mehr Händler motivieren, in die Innenstadt zu kommen?

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Ich helfe und unterstütze gerne, aber ich kann den Händlern natürlich nicht die Arbeit abnehmen. Die Sache ist, dass es sich für Händler lohnen muss, ein Geschäft zu eröffnen. Nicht alle leer stehenden Objekte sind attraktiv für neue Händler. Zum Beispiel die Äußere Lauenstraße. Die Lage ist gut sichtbar. Jedoch sind die Geschäfte wild plakatiert und sehen als Mietobjekt nicht ansprechend aus.

Das klingt, als hätten Sie Teile der Innenstadt aufgegeben?

Natürlich nicht, im Gegenteil. Ich sehe es jetzt als meine Aufgabe an, rostende Zahnräder in Bewegung bringen. Es fehlte eine Zeit lang an Kommunikation, aber wir wollen jetzt die Entscheider an einen Tisch bringen. Ihre Aussage klingt, als würde die ganze Innenstadt leer stehen – aber so ist es ja gar nicht. Wir haben viel, das funktioniert; das sich bewegt. Zum Beispiel beim Kickerbau auf der Tuchmacherstraße. Da geht es darum, ein Projekt mit Schulen zu starten – einen Gestaltungswettbewerb für die neunten und zehnten Klassen. Sie können Ideen für Lichterbögen entwickeln, die besten setzt der Tischler André Mirtschink mit ihnen gemeinsam um.

Sie haben gesagt, dass Sie mehr die Leute aus dem Umland motivieren wollen, zum Einkaufen nach Bautzen zu kommen – auch aus Dresden. Dort gibt es doch alles. Wie wollen Sie das tun?

Wir haben bereits jetzt viele Besucher aus Dresden, auch aus Berlin. Die Dresdner kommen meistens am Wochenende, weil die dem Trubel und der Reizüberflutung entfliehen wollen. In Bautzen gibt es eine gute und qualitativ-hochwertige Auswahl. Bei uns in Bautzen steht Werbung für Dresdner Einkaufszentren. Es ist nicht die Aufgabe des Innenstadtvereins, in Dresden zu werben – aber wir machen die Händler durchaus darauf aufmerksam, dass sie beispielsweise in Dresden werben können.

Ladenleerstand ist gerade zum Beispiel auf der Goschwitz-, Seminar- und der Karl-Marx-Straße zu finden. Wie kann man mehr Leben in diese Teile der Stadt kriegen?

In der Goschwitzstraße, zwischen dem Hotel und der Bar Wohnzimmer, hat vor Kurzem eine Werbeagentur eröffnet. Das Bistro Auszeit heißt in Zukunft ab dem Nachmittag „Die Burgerzeit“ und hat länger geöffnet. Es regt sich jede Menge in den Straßen, man muss nur mit offenen Augen durch unsere schöne Stadt gehen. Auch darf nicht vergessen werden, dass viele Läden nur leer geworden sind, weil sich das Geschäft, das sich dort befand, vergrößert hat und in den nächstgrößeren Laden gezogen ist. Das ist doch eine gute Entwicklung. So zum Beispiel der Optiker Lenz auf der Reichenstraße. Auch Toms Babywelt hat sich vergrößert und Arleta Fashion ist von der Karl-Marx-Straße ins Kornmarkt-Center umgezogen. Es ist nicht so, dass die Läden immer nur schließen und weg sind.

Und doch gibt es auch diese Läden – die zumachen, und, wie Sie sagen, weg sind. Was werden Sie also unternehmen, um neue Händler zu motivieren?

Wir vom Innenstadtverein wollen die Straßen beleben. Dafür wollen wir Feste veranstalten. Wir müssen allerdings auch im Blick behalten, wie lukrativ das alles ist. Ich kann natürlich nicht jede Woche ein Fest veranstalten, wo die Menschen von außerhalb sich dann in unserer Stadt bewegen und danach ist alles wie vorher. Schritt für Schritt und beständig, das ist das Motto.

Was für Feste meinen Sie?

Ich möchte das, was altbewährt ist, beibehalten. Auch für mich stehen die Romantica und das Herbstfest im Fokus. Wir wollen außerdem ein neues Straßenfest organisieren, das für das Frühjahr geplant ist. Die Unternehmer können sich mit ihren Nachbarn zusammentun. Dazu gehört natürlich Musik, vielleicht ein Flohmarkt – jeder kann Ideen einbringen. Beim nächsten Fest ist dann ein anderes Viertel dran.

Werden Sie das Konzept Testshops weiterführen?

Einen Testshop wird es demnächst auf der Reichenstraße geben. Für das einstige Bäckereigeschäft steht mittlerweile fest, wer dieses in Zukunft beleben wird. Um wen es sich handelt, kann ich noch nicht verraten.

Sie selber haben vor anderthalb Jahren ein Geschäft eröffnet und eigene Erfahrungen gesammelt. Wollen Sie das Konzept Testshop beibehalten, wie es ist?

Ich weiß, wie das Konzept gedacht ist – und wir werden es weiterentwickeln. Eine Zeit lang dachten viele Leute, dass auch mein Brautmodengeschäft auf der Seminarstraße ein Testshop sei. Das stimmte zwar nicht, aber ich habe so erfahren, was das bedeuten kann. Denn während ich hinter abgehangenem Fenster renovierte, hörte ich Vorbeigehende. Oft hörte ich diesen Satz: „Ach, das wird hier so ein Testshop. Der ist nach drei Monaten sowieso wieder weg.“ Das ist nicht schön – vor allem für die Person, die sich da die Mühe macht. Das Konzept soll weiterentwickelt werden – eventuell unter neuem Aufhänger.

Was ist also Ihr Ansatz?

Ich kenne zwei Damen, die beide eine gute, ähnliche Idee haben für einen Laden. Sie trauen sich aber nicht richtig in die Selbstständigkeit. Viele haben da Angst, denn das ist ja kein leichter Schritt. Ich habe die beiden miteinander bekannt gemacht und vorgeschlagen: Macht es doch zusammen. Dann trägt jeder nur die Hälfte des Risikos. Da sehe ich meine Aufgabe – ich bringe die Leute zusammen und berate sie aus meiner Erfahrung heraus. Wir wollen deshalb auch Workshops organisieren, die die Händler selbstbewusster machen. Die ihnen Tipps geben, wie sie Kunden binden. Als kleiner Unternehmer hat man solche Möglichkeiten oft nicht, da wollen wir ansetzen. Ein anderes Beispiel, was ich mit Verknüpfen meine: Neulich kam ein Unternehmer zu uns, der fragte, wie er Kunden gewinnen könne. Da kamen wir auf die Idee eines Gutscheins. Nun wird auf einer Zeitung ein Sammelgutschein erscheinen, mit anderen Unternehmern gemeinsam.

Ein Gutschein, ein paar Workshops – warum ist Ihnen das so wichtig?

Dabei entsteht eine Dynamik – und wenn diese da ist, dann sagt ein neuer Unternehmer viel eher: Ich gehe jetzt nach Bautzen. Und vor allem auch: Um gesehen zu werden, muss ich nicht auf die Flaniermeile, die Reichenstraße, gehen. Ich werde auch auf den rundumliegenden Straßen entdeckt und wahrgenommen. So ein Gefühl entsteht, aber nicht von heute auf morgen.

Schilder, wie dieses in einem Geschäft auf der Karl-Marx-Straße, begegnen einem häufiger in Bautzen. Das ist kein Grund zur Sorge, wenn man Yvonne Tatzel fragt. 
Schilder, wie dieses in einem Geschäft auf der Karl-Marx-Straße, begegnen einem häufiger in Bautzen. Das ist kein Grund zur Sorge, wenn man Yvonne Tatzel fragt.  © Steffen Unger

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