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So will Meißen Unesco-Weltkulturerbe werden

Das alte Thema Porzellan wird neu aufgewärmt. Allerdings vielleicht mit einem ganz neuen Dreh.

Der „Willkomm“ genannte Porzellanschlüssel der Meissener Manufaktur wird gern als Gastgeschenk verwendet. Kann Meißens Porzellanerbe der Stadt auch den Titel Unesco-Weltkulturerbe erschließen?
Der „Willkomm“ genannte Porzellanschlüssel der Meissener Manufaktur wird gern als Gastgeschenk verwendet. Kann Meißens Porzellanerbe der Stadt auch den Titel Unesco-Weltkulturerbe erschließen? © Claudia Hübschmann

Die zerbrechlichen, weißen Scherben sind der Schlüssel. Meißen möchte einen neuen Anlauf wagen, um in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Mit lediglich zwei Stimmen Enthaltung hat dies der Stadtrat jetzt beschlossen. Bestimmendes Thema auch für die zweite Kandidatur soll das Porzellan sein.

„Es waren keine inhaltlichen Gründe, die 2012 dazu geführt haben, dass die Stadt nicht als sächsischer Bewerber ausgewählt wurde“, sagt der Kunsthistoriker und SZ-Autor Matthias Donath, welcher in Niederjahna wohnt. Schon beim ersten Anlauf hatte er den Prozess begleitet.

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Seinen Angaben zufolge sei Meißen vor acht Jahren gescheitert, da der damalige Geschäftsführer der Porzellanmanufaktur Meissen Christian Kurtzke nicht hinter der Kandidatur gestanden habe. Dies sei den Verantwortlichen im Freistaat zu heikel gewesen, so Donath vor den Stadträten.

Verwundern kann dies nicht. Kurtzke und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Biedenkopf (CDU) verfolgten das erklärte Ziel, den Porzellanhersteller in ein international in der ersten Liga agierendes Gemischtwarenhaus für Luxus aller Art zu verwandeln. Die Konzentration auf Porzellan hätte dem nur im Wege gestanden.

Zuspruch von der Staatsregierung

Dieses Mal allerdings sitzt die Manufaktur mit im Boot. Und das gleich in doppelter Hinsicht: Sowohl die Stiftung für das Kulturerbe als auch die produzierende Gesellschaft sind nach Angaben Donaths eingebunden. Das treffe gleichfalls für die Albrechtsburg und die Staatlichen Schlösser und Gärten zu.

Die Chancen, dass Meißen sich im sächsischen Vergleich als Bewerber für die Vorauswahl-Liste des Bundes qualifiziert, stehen dem Publizisten zufolge nicht schlecht. Bezüglich der Kandidaten von 2012 seien mittlerweile erhebliche Zweifel aufgekommen. Möglicherweise besäßen weder die Gartenstadt Hellerau noch die Hallenhäuser in Görlitz das Potenzial, den begehrten Weltkulturerbetitel zu erringen.

Der Freistaat sucht deshalb intensiv nach weiteren, aussichtsreichen Anwärtern. Als Katalysator dürfte sich das erfolgreiche Projekt der länderübergreifenden Montanregion Erzgebirge erwiesen haben. Die Landschaft in Böhmen und Sachsen hatte vergangenes Jahr im Juli den Titel zuerkannt bekommen.

„Die Staatsregierung ist jetzt dazu übergegangen, selbst erfolgreiche Aspiranten anzusprechen“, so Donath. Es gebe das sehr deutliche Signal an Meißen, das Vorhaben von 2012 zu überarbeiten, weiter zu qualifizieren und anschließend anzutreten. Innerhalb der nächsten elf Monate soll dazu das von 2012 vorliegende Konzept überarbeitet werden. Insbesondere geht es darum, den Kontakt mit der Unesco zu suchen, um deren aktuelle Kriterien und Prioritäten zu erkunden.

Es muss gefragt werden, welche geografische Region ins Rennen geht. Sollte zum Beispiel Dresden einbezogen werden, wo Johann Friedrich Böttger und seine Mitstreiter das erste Porzellan herstellten. Wie würde sich der Weltkulturerbe-Titel auf Meißen auswirken? Wie viel Geld müsste für eine Kandidatur ausgegeben werden?

Matthias Donath spinnt den Faden weiter. Geprüft werden sollte zudem, ob möglicherweise erstmal eine transkontinentale Bewerbung in Frage käme. Warum sollten nicht die Porzellanstätten von China, Japan und Meißen gemeinsam kandidieren?

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Aus den Fraktionen des Stadtrates kommt für den Neuantrag ein durchweg positives Feedback. Für die Bürger für Meißen merkt Stadträtin Ute Czeschka an, den Bogen nicht zu überspannen. Zunächst sollte das Material von 2012 überarbeitet und angepasst werden. Ingolf Brumm bringt für die Linke ein, das Thema nicht auf Porzellan zu reduzieren, sondern um Keramik zu erweitern.

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