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So wird das Heizen in DDR-Blöcken günstiger

Dafür sorgt in Kodersdorf moderne Gasbrennwerttechnik. Die Altmieten bleiben, nur Neumieten steigen geringfügig an.

Martin Urban ist Hausverwalter der Neubaublöcke gegenüber der Kodersdorfer Schule. In den beiden Gebäuden werden in diesem und im nächsten Jahr die Heizungsanlagen ausgetauscht. Damit sollen sich die Heizkosten der Mieter ganz erheblich verringern.
Martin Urban ist Hausverwalter der Neubaublöcke gegenüber der Kodersdorfer Schule. In den beiden Gebäuden werden in diesem und im nächsten Jahr die Heizungsanlagen ausgetauscht. Damit sollen sich die Heizkosten der Mieter ganz erheblich verringern. © André Schulze

Rein äußerlich sind sie nicht unbedingt die Hübschesten. Der Farbanstrich ist in die Jahre gekommen, die Form der Gebäude datiert ihr Entstehen auf die 1980er Jahre. Jene Zeit, in der fast jedes Dorf in der DDR die Fürsorge des Arbeiter- und Bauernstaates zu spüren bekam, der mit großen Blöcken neuen Wohnraum für seine Bürger schuf. Diesem Erbe müssen sich Eigentümer und Hausverwalter heute mehr denn je stellen, will man die aktuelle Lehrstandsquote von rund 40 Prozent perspektivisch verbessern. „Hauptargument von Interessenten, sich dann doch nicht fürs Wohnen in den beiden Neubaublöcken gegenüber der Oberschule zu entscheiden, ist die momentane Heizsituation“, hat Martin Urban in vielen Gesprächen herausgehört. Deshalb soll sich daran in den nächsten beiden Jahren Entscheidendes ändern. „Wir werden die alten Nachtspeicheröfen ausbauen und durch moderne Gasbrennwerttechnik ersetzen lassen“, sagt der Mann von der Görlitzer Firma FT-Immobilien, die sich im Auftrag des Besitzers – eines Großinvestors, der seine Zelte mittlerweile auch in der Neißestadt aufgeschlagen hat – um beide Gebäude kümmert. Damit kommt jetzt eine Variante zum Zuge, die sich von der zweitbesten zur besten Lösung entwickelt hat. Martin Urban: „Wir waren noch im vergangenen Jahr mit der Gemeinde im Gespräch, weil wir beide ein neu zu bauendes Blockheizkraftwerk (BHKW) nutzen wollten – Kodersdorf für seine Oberschule, wir für die Wohnungen in den beiden Blöcken.“ Doch nach umfangreichen Berechnungen und Gesprächen mit dem Technikanbieter habe sich herausgestellt, dass ein BHKW in dieser Konstellation doch nicht wirtschaftlich genug zu betreiben ist.

Die Mieter in den Drei- und Vierraumwohnungen wird die vom Hausverwalter angekündigte Sanierung freuen, spüren sie die aktuelle Kälte doch auch in ihren eigenen vier Wänden. „Es stimmt schon, dass das Heizen mit Nachtspeicheröfen nicht ganz billig ist, bei falscher Bedienung auch richtig teuer werden kann. Die Bestandsmieter haben sich in all den Jahren an die Situation gewöhnt und sitzen meist nur bei 19 Grad in ihren Räumen“, erzählt Urban. Neue Mieter, die das Wechselspiel von nachts heizen und der Restwärmenutzung am Tage noch nicht richtig verinnerlicht hätten, „haben sich schon mal bei mir beschwert, dass sie am Jahresende 800 Euro Nachzahlung zu leisten hatten“. Dies werde es mit der neuen Gasheizung nicht mehr geben. Laut Beispielrechnungen sei mit Heizkostenersparnissen von 40 bis 50 Prozent zu rechnen. Wenn die Raumtemperatur künftig bei 21 Grad liege, dann vielleicht mit 30 Prozent.

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Die Umrüstung soll im Laufe der Jahre 2019 und 2020 erfolgen. In diesem Jahr sind die Wohnungen in den Eingängen 27 bis 30 an der Reihe, im nächsten jene mit den Nummern 31 bis 34. Dann geht es nicht nur um den Austausch der Heizungsanlage, sondern auch um die Strangsanierung von Kalt- und Abwasserleitungen. „Wir wollen im Frühjahr zwei oder drei Musterwohnungen bereitstellen, sodass sich Interessenten schon mal informieren können, wie es zukünftig aussieht. Andererseits werden wir damit so flexibel, dass wir bei Bedarf schnell reagieren können“, erläutert der Hausverwalter.

Aktuell werden schon in Leerwohnungen erste Arbeiten durchgeführt, richtig losgehen soll es dann im März. Alle belegten Wohnungen werden im bewohnten Zustand saniert. Für die Heizungsumstellung sind jeweils drei Baustellentage eingeplant, für die Strangsanierung jeweils zwei. 48 Stunden lang wird dann keine Wasser- und Toilettennutzung möglich sein. Insgesamt aber halten sich die Unannehmlichkeiten für die Mieter im Rahmen, da die Leitungen vom Keller aus in Schächten in die oberen Etagen durchgeschoben werden. „Alle entstehenden Schäden lassen wir hinterher natürlich beseitigen“, sichert Martin Urban seinen Mietern zu. Die übrigens keine Mieterhöhung zu fürchten brauchen. „Wir legen die Modernisierungsumlage nicht auf die Bewohner um. Nur bei Neuvermietungen werden wir die Quadratmetermiete geringfügig auf fünf Euro erhöhen.“ Doch auch das dürfte noch günstig genug sein, um Argumente zu haben für den von der Gemeinde immer wieder ins Gespräch gebrachten Wohnungsmangel im Ort.

Perspektivisch sollen die beiden Gebäude auch äußerlich noch verschönert werden. Die anstehende Fassadenreinigung ist laut dem Görlitzer Hausverwalter jedoch erst nach 2020 geplant.

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