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So wird der Weinjahrgang 2020

Corona, Hitze und Frost: Welchen Einfluss hat das auf die Weinlese? Das erklären Winzer des Elblands.

Trotz Frostschäden: Gibt es dieses Jahr genügend Wein?
Trotz Frostschäden: Gibt es dieses Jahr genügend Wein? © Claudia Hübschmann

Elbland. Bald startet die Weinlese entlang der Elbe. Ein sonnenreicher Sommer hat sich gut auf die Weinreben ausgewirkt und fruchtige Trauben hervorgebracht. Allerdings beklagen viele Winzer Frostschäden an ihren Reben. Zudem ist die anhaltende Trockenheit momentan ein weiteres Problem. Ferner fehlen viele Einnahmen aufgrund des coronabedingten Lockdowns zwischen März und Mai. Welche Auswirkungen das auf den Weinjahrgang 2020 hat, erzählen Winzer aus dem Elbland.

Wie viel Ertrag wird es geben?

„Für verbindliche Aussagen ist es leider noch zu früh“, sagt Martin Junge. „Für uns Winzer gilt: Der Herbst macht das Weinjahr.“ Der Sprecher von Schloss Wackerbarth betont allerdings, dass die Weintrauben in einem guten Zustand sind. Frostbedingt wird es etwas weniger sein. Er gehe aber von einem guten Jahrgang aus, wenn die Sonne weiter so scheint. 

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Seit Jahren steigen die Temperaturen im Weinanbaugebiet Sachsen. Im Sommer und Herbst herrschen zeitweise kontinentale Wetterlagen mit langen Sonnenscheindauern. Dadurch können auch spätreife Rotweinsorten wie Blaufränkisch optimal wachsen, so Martin Junge.

Im Weinbaugebiet des Schlosses Proschwitz geht man hingegen von einem ähnlichen Ertrag wie im vergangenen Jahr aus, sagt Sprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe. „Erst in den nächsten Wochen können wir Genaueres dazu sagen.“

 Der Gesundheitszustand der Trauben sei jedoch gut. Ganz anders betrachtet es Thomas Herrlich. Als Inhaber des Meißner Weinguts Vincenz Richter weiß er in etwa, mit wie viel Ausfall er dieses Jahr rechnen muss. „Aufgrund der Frostschäden im Frühjahr werden wir wohl 25 Prozent verlieren.“

Welche Probleme gab es?

Besonders problematisch waren bei allen die Frostschäden im Frühjahr. Thomas Herrlich stellte teilweise einen Totalausfall auf seinen Weinbergen fest, stellenweise gar keine Schäden. Das ändere jedoch nichts an der Qualität des Weins, sondern nur am Ertrag. 

Auch die Weingüter der Schlösser Wackerbarth und Proschwitz litten an Frost. Laut Martin Junge konnte jedoch ein Totalausfall der Ernte verhindert werden. In sieben Nächten haben Winzer mit mehr als 200 Feuern gegen die Minustemperaturen angekämpft. „Der Spätfrost war für uns bitter, die genauen Schäden kennen wir noch nicht“, so die Sprecherin des Schlosses Proschwitz.

Ein weiteres Problem ist dieses Jahr erneut die Trockenheit wie in den vergangenen Jahren. „Zwar gab es bei uns geringfügig mehr Niederschläge, dafür war es jedoch zeitiger heiß“, erklärt Alexandra Prinzessin zur Lippe. Sie hoffe deshalb, dass der Stress der Trockenheit den Pflanzen nicht schadet. 

Um etwas gegenzusteuern, werden in den nächsten Wochen deshalb Nährstoffe zu den Weinpflanzen gebracht, mittels Blattdüngung. Ihre Weinböden halten zudem gut das Wasser, so die Sprecherin. Anders bei Thomas Herrlich: Ihm fehle der Niederschlag dieses Jahr. „Es ist schlimmer als in den vergangenen trockenen Jahren.“

Wann beginnt die Weinlese?

Das ist bei den Weingütern unterschiedlich. Während Thomas Herrlich eine erste Überprüfung der Trauben schon vorgenommen hat, startet das Schloss Wackerbarth damit erst in zwei Wochen. Trotzdem geht Martin Junge davon aus, dass die Weinlese Ende August beginnt.

 „Und damit eine Woche später als im Jahr 2019, jedoch immer noch eine Woche früher als im langjährigen Mittel“, so Martin Junge. „Die Weinlese der frühreifen Rebsorten Goldriesling und Frühburgunder beginnt dann voraussichtlich Anfang September.“

Die Weinlese des Weingutes Vincenz Richter startet voraussichtlich im letzten Drittel des Septembers – sonst wäre Mitte September typisch, so Thomas Herrlich. Er beginnt mit der Sorte Müller-Thurgau. Wann die Weinlese des Schlosses Proschwitz beginnt, wollte Alexandra Prinzessin zur Lippe nicht sagen. Dafür müssten erst die Weintrauben untersucht werden, so die Sprecherin. 

Was hat Corona angerichtet?

Bei allen drei Weingütern spiegelt sich das Coronavirus im Umsatz wider – wegen des landesweiten Lockdowns. „2020 ist kein gutes Jahr“, sagt Alexandra Prinzessin zur Lippe. Größere Veranstaltungen mussten ausfallen. Es konnten auch nicht alle verschoben werden, da das Schloss nur begrenzte Kapazitäten hat. 

Außerdem fehle der Weinverkauf in der Zeit von März bis Mai. „Trotzdem fand ich es schön, dass sich die Menschen während der Corona-Maßnahmen wieder auf die einfachen Dinge besannen.“ Also Wein zu trinken und die schöne Natur zu genießen.

Das Erlebnisweingut Schloss Wackerbarth ist stark von der Corona-Krise betroffen, wie Martin Junge mitteilt. „Von März bis Juni haben wir auf unserem Standort rund 25 Prozent der normalen Jahresumsätze im Eventbereich verloren.“ Mehr als 300 Veranstaltungen wurden storniert oder auf 2021 verschoben. 

Trotz des florierenden Onlinehandels, einer guten Verfügbarkeit in ost- und westdeutschen Läden: Das Schloss Wackerbarth könne seine Verluste im ersten Halbjahr 2020 nicht kompensieren. „Der Wein, der bisher nicht getrunken wurde, wird in den kommenden Monaten nicht nachgetrunken.“

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Bei Thomas Herrlich war es ähnlich. Zwar durfte er als Landwirtbetrieb dauerhaft öffnen, jedoch kamen keine Gäste. „Darauf mussten wir reagieren und verstärkten unseren Internethandel.“ Seit August hat das Weingut Vincenz Richter zudem täglich geöffnet, um die schlechten Monate etwas aufzufangen. Er sei dankbar für die bisher guten Jahrgänge und die teilweise subtropischen Bedingungen im Elbland.

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