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Bautzen

So wirkt Corona hinter Gittern

Auch in der Justizvollzugsanstalt Bautzen ist in diesen Tagen vieles anders als sonst. Aber an einer Sache wird nicht gerüttelt.

Das Gefängnis in Bautzen - auch dort ist derzeit vieles anders.
Das Gefängnis in Bautzen - auch dort ist derzeit vieles anders. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Auch gelbe Mauern und Stacheldraht könnten das Virus nicht aufhalten. Aber bis jetzt hat Corona die Bautzener Justizvollzugsanstalt nicht erreicht – und für deren Leiter Frank Hiekel könnte das auch so bleiben. „Bisher sind keine infizierten Gefangenen bekannt“, sagt der Leitende Regierungsdirektor.

Dennoch seien vorsorglich Möglichkeiten zur Quarantäne geschaffen worden. Die Räume haben sich dafür praktisch von selbst ergeben. Denn derzeit würden, von zwingenden Einzelfällen abgesehen, keine Gefangenen zum Antritt einer sogenannten Ersatzfreiheitsstrafe aufgenommen.

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Eine solche Ersatzhaft muss zum Beispiel absitzen, wer etwa zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, diese aber nicht abzahlen kann oder will. „Auch die Vollstreckung von Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren wird im Regelfall vorerst aufgeschoben, sofern es sich nicht um schwerwiegende Verbrechen handelt“, berichtet Frank Hiekel. So kommt es, dass derzeit im Bautzener Gefängnis „nur“ 400 Personen einsitzen. Platz wäre theoretisch für 460. Kommen doch neue Gefangene, wird bei ihnen zunächst die Körpertemperatur gemessen. Und sie werden gefragt, ob sie Kontakt zu Infizierten hatten oder sich in letzter Zeit in Risikogebieten wie Südtirol aufgehalten haben.

Behandlung im Gefängnis nicht möglich

Doch bisher war das zur Erleichterung von Frank Hiekel und seinen 212 Mitarbeitern in der Bautzener Anstalt noch nicht der Fall. Sollte ein Gefangener ernsthaft erkranken, könnte er im Gefängnis nicht behandelt werden. Er müsste dann in ein Krankenhaus gebracht werden, natürlich unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

Corona sorgt aber nicht nur für weniger Insassen in der Bautzener Justizvollzugsanstalt, sondern auch für weitere Einschränkungen. So dürfen die Gefangenen seit Montag dieser Woche vorerst keinen Besuch mehr empfangen. Das betrifft auch Angehörige und sonstige nahestehende Personen. Über notwendige Ausnahmen entscheidet im Einzelfall die Anstaltsleitung – wenn zum Beispiel ein dringender Besuch eines Verteidigers ins Haus steht.

Es gibt Pandemiepläne

Diese Einschränkungen betreffen nicht nur Bautzen, sondern alle zehn sächsischen Justizvollzugsanstalten. Wie das sächsische Justizministerium mitteilt, gibt es für alle Anstalten Pandemiepläne. Diese seien an Corona angepasst worden. Auch hinter Gittern gelten jetzt Sicherheitsabstände. „Diese werden sowohl von den Bediensteten als auch von den Gefangenen eingehalten“, versichert der Bautzener Anstaltsleiter. „Türklinken, Telefone und Ähnliches werden regelmäßig, also mehrmals am Tag, desinfiziert.“

Keine Besuche, weniger neue Gefangene, größere Sicherheitsabstände – die Einschränkungen verändern den Alltag in der Anstalt. Doch an einer Sache will Frank Hiekel nicht rütteln: an den Jobs für die Gefangenen. Sie arbeiten zum Beispiel in der Gefängnistischlerei, die unter anderem Möbel für Sachsens Gerichte herstellt. Aber hinter den Mauern werden etwa auch Zulieferteile für die Fahrzeugbranche produziert. „Die Arbeitsmöglichkeiten für die Gefangenen sind nicht eingeschränkt worden“, betont Frank Hiekel. „Ebenso ist die Beschäftigung der Gefangenen in der Freizeit erforderlich.“

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