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Dippoldiswalde

So wohnt es sich im alten Landratsamt

Die Handwerker arbeiten mit Hochdruck. In zehn Wochen will die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde 16 Wohnungen neu vermieten.

Moderne Technik in historischen Mauern. Falk Kühn-Meisegeier, Chef der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde, hält die Kabel einer modernen Medienstation, mit denen alle 16 Wohnungen im alten Landratsamt ausgestattet werden.
Moderne Technik in historischen Mauern. Falk Kühn-Meisegeier, Chef der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde, hält die Kabel einer modernen Medienstation, mit denen alle 16 Wohnungen im alten Landratsamt ausgestattet werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Wohnen am Schloss, unter diesem Motto vermarktet die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde die neuen Wohnungen, die gerade im ehemaligen Landratsamt auf der Dr. Friedrich-Straße entstehen. Derzeit muss es aber noch heißen: baggern, schrauben oder schleifen am Schloss. Denn die Handwerker sind im Endspurt, damit der 1. August als Termin für die Erstvermietung zu halten ist. 16 Wohnungen sind im Entstehen. Für acht davon sind die Mietverträge bereits fertig, informierte Falk Kühn-Meisegeier, Vorstand der Genossenschaft.

Er führt durch die Baustelle und zeigt die neuen Wohnungen. Das Haus kennen viele Einwohner aus dem früheren Landkreis Dippoldiswalde noch aus eigenem Erleben. Von 1990 bis 2008 war hier ein Teil des Landratsamts untergebracht, beispielsweise das Verkehrsamt mit der Kfz-Zulassung. Im Saalanbau tagte auch der Kreistag. Der Saal ist  inzwischen abgerissen. „Ein Erhalt oder Umbau wäre unwirtschaftlich gewesen“, sagt Kühn-Meisegeier. Und die Amtsstuben von früher sind auch nicht mehr wiederzuerkennen.

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Räume mit 3,50 Meter Höhe und Türbogen

Es gibt Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen, und jede ist anders gestaltet. Im Erdgeschoss haben zwei Parterrewohnungen einen Mietergarten davor. In den oberen Etagen führt jeweils eine Tür auf den Balkon. Die beiden Obergeschosse erinnern noch am ehesten an den früheren Bau mit ihren Deckenhöhen von 3,50 Meter und den alten Türbögen. 

Im Dachgeschoss sind die Zimmer nicht mehr so hoch. Dafür sind teilweise die Dachbalken in ihrem Urzustand erhalten geblieben und in die Räume integriert worden. „Das muss man mögen“, sagt Kühn-Meisegeier. Aber es ist auch ein individuelles Detail, wie es sonst in Mietwohnungen nicht alltäglich ist.

Kunstschmiedegitter Richtung Rumänien verschwunden

Auch andere Details bleiben erhalten, wie das alte Fenster in Richtung Schloss, von dem gar niemand mehr gewusst hat. „Das haben wir gefunden, als wir den Putz abgemacht haben“, sagt Kühn-Meisegeier. Das haben die Bauleute erhalten. Nur innen kam wegen der Wärmedämmung ein modernes Fenster dazu, aber das alte bleibt erhalten. Ebenso soll das Kunstschmiedegitter, das einst im Foyer vor dem Saal angebracht war, wieder einen Platz im Flur des Wohnhauses bekommen. „Das war schon über die Grenze Richtung Rumänien verschwunden. Aber wir haben den Abrissunternehmer vergattert, dass er es zurückbringt“, erzählt der Vorstand. 

Schließlich hat das Haus nicht nur einen markanten Standort direkt am Schloss, sondern auch seine eigene Geschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts ist es als königlich-sächsisches Finanzamt gebaut worden. Zu DDR-Zeiten hat hier die SED ihre Kreisleitung eingerichtet und dazu in den 1970er-Jahren einen Seitenflügel und einen Saal angebaut. Als deren Macht zu Ende war, wurde es Haus 2 der Landkreisverwaltung in Dippoldiswalde. Nach der Kreisreform zog der Landkreis hier wieder aus. Dann stand es leer, bis es die Wohnungsgenossenschaft kaufte und für ihre Zwecke umbaute. 

Wohnen mit Multimedia und Lift

Bei all den historischen Details sind die Wohnungen modern ausgestattet. Jede Wohnung hat eine Multimediastation. Dort wird eine Fritz-Box eingebaut, und die Mieter können über das eigene Glasfasernetz der Genossenschaft Daten, Telefon und Fernsehen bekommen. Auch für die Wärmeversorgung ist eine eigene Technik gewählt worden mit Wärmetauschern. Ein Lift bringt die Menschen ohne Barriere in die verschiedenen Etagen. Dachwohnungen haben eine Loggia mit einem Fensterband, das ungestörten Blick aufs Schloss oder ins Osterzgebirge bietet.

Die Kaltmiete reicht bis 8,50 Euro je Quadratmeter. „Das ist nicht billig. Aber für weniger wäre das Haus nicht zu sanieren gewesen“, sagt Kühn-Meisegeier. Andererseits kennt er ähnliche Häuser in Dresden, wo die Mieten bei zwölf Euro liegen. „Und von Dipps sind sie genauso schnell beispielsweise an der TU wie von manchen Ecken in Dresden aus.“ Er geht davon aus, dass die Wohnungen bis August alle ihre Mieter finden.

Bis dahin sind dann auch die Stellplätze am Haus mit den Grünanlagen fertig. Auch hier werden sich historische Details finden. Die Stufen, über welche die Bürger einst ins Amt gingen, werden jetzt als Abgrenzung der Parkplätze verwendet. Der Haupteingang wurde von der Straßenseite an die Rückseite des Hauses verlegt und verläuft jetzt ebenerdig. Sandsteine wurden gesammelt und werden beispielsweise für eine Mauer verwendet, welche die Mietergärten abgrenzt. Entlang der Grünanlage ist unterhalb der Schlossmauer wieder ein Weg geplant. Dann heißt es nicht nur „Wohnen am Schloss“, sondern auch Spazieren am Schloss. 

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