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Traumwohnung unterm Turnhallen-Dach

Der Basketballkorb hängt noch an der Wand, gleich daneben die Kletterstange. Wie aus einer Schulturnhalle in Neukirch ein besonderes Zuhause entstand.

Die Bauherren Andreas Bascha (links) und Edgar Lehmann stehen in einer der neuen Wohnungen, die sie in Neukirch in einer ehemaligen Turnhalle geschaffen haben. Sportgeräte wie der Basketballkorb wurden erhalten.
Die Bauherren Andreas Bascha (links) und Edgar Lehmann stehen in einer der neuen Wohnungen, die sie in Neukirch in einer ehemaligen Turnhalle geschaffen haben. Sportgeräte wie der Basketballkorb wurden erhalten. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch. Aufs Fitnessstudio können die Mieter dieser Wohnung verzichten: Sie haben die Sportgeräte mitten im Wohnzimmer: den Basketballkorb, der seit eh und je dort hängt, und links daneben die Kletterstangen. Wer will, kann sich noch jetzt an einer der Metallstangen vier Meter hochziehen. So wie es Hunderte Neukircher einst taten oder tun mussten, die Schüler an der Pestalozzischule waren. Rund  130 Jahre lang gab es die Schule, bis sie im Sommer 2010 geschlossen wurde. 

In deren Schulsporthalle wird jetzt nicht mehr beim Unterricht geschwitzt, sondern großzügig gewohnt. Andreas Bascha und Edgar Lehmann, die die  Schule 2016 von der Gemeinde kauften und zu einem Wohnpark umgestalteten, bauen seit August vergangenen Jahres auch die Turnhalle fürs Wohnen um.

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Die ersten Mieter – eine Familie mit drei Kindern – bekam vor wenigen Tagen die Wohnungsschlüssel. Die Nachbarwohnung wird bis Ende April, eine weitere kleinere Wohnung bis Ende Mai fertig. Beide sind noch zu haben.

Die Sporthalle der ehemaligen Pestalozzischule wurde saniert und umgebaut. Der Denkmalschutz stimmte zu, dass für die beiden großen Wohnungen Balkone angebaut werden dürfen.
Die Sporthalle der ehemaligen Pestalozzischule wurde saniert und umgebaut. Der Denkmalschutz stimmte zu, dass für die beiden großen Wohnungen Balkone angebaut werden dürfen. © SZ/Uwe Soeder

Vierte Mieterin  ist die Physiotherapeutin Madlen Lohse. Sie bezog bereits vor drei Jahren mit ihrer Praxis eine der drei Gewerbeeinheiten im Wohnpark. Jetzt erweitert sie die Praxis. Das Sportlehrerzimmer und ein Geräteraum wurden für sie umgebaut. Madlen Lohse nutzt diese Räume zusätzlich für Kurse.

Die eigentliche Turnhalle wurde mittels Trennwand geteilt, um zwei 190 Quadratmeter große Wohnungen zu schaffen. Acht Meter ist die Halle hoch. Die Bewohner leben auf drei Ebenen: unten ein großes Wohnzimmer mit Küche, ein WC und im hinteren Bereich das Schlafzimmer der Eltern, darüber ein Zwischengeschoss mit einer Galerie fürs Wohnen, einem Badezimmer mit Dusche und einem begehbaren Kleiderschrank für die Eltern. Unterm Dach befinden sich drei große Kinderzimmer und ein Wannenbad.

Die Nachbarwohnung bietet die gleichen Räume. Und doch ist sie anders. Auffallend ist die Galerie am Giebel, die nach den Auflagen des Denkmalschutzes in den Originalfarben erhalten bleibt. Damit sie von den künftigen Bewohnern problemlos erreicht werden kann, hat sich die Architektin Cornelia Würz-Lehmann eine kleine Brücke einfallen lassen. „Hinter der Galerie kann man sich zum Beispiel einen ruhigen Heimarbeitsplatz schaffen“, sagt sie. „Oder einen Rückzugsraum für eine gesellige Männerrunde“, ergänzt ihr Mann Edgar Lehmann. 

Die Galerie der Sporthalle wurde in eine Wohnung integriert. Sie in der Originalfarbe zu erhalten, war eine Forderung des Denkmalschutzes.
Die Galerie der Sporthalle wurde in eine Wohnung integriert. Sie in der Originalfarbe zu erhalten, war eine Forderung des Denkmalschutzes. © SZ/Uwe Soeder

Die Holzbalken in der Halle wurden originalgetreu erhalten. Die Außenwände wurden gedämmt, die Innenwände in Holzständerbauweise errichtet. Die dritte Wohnung umfasst 60 Quadratmeter. Sie wird barrierefrei. 650.000 Euro investieren Edgar Lehmann und Andreas Bascha. Mieter zahlen für den Quadratmeter rund 6,50 Euro kalt.

Die Bauherren, zwei befreundete Unternehmer, haben lange getüftelt, wie sie die Sporthalle nutzen können. Die Idee, darin Wohnungen einzurichten, die aus dem Rahmen fallen und die man wohl eher im Szeneviertel einer Großstadt als in einer Landgemeinde erwarten würde, war schon „etwas verrückt“, bekennen sie.

Vielleicht so verrückt, wie die Anfangsidee, die Schule zu kaufen und sie zum Wohnpark umzubauen. Im Schulhaus gibt es zwölf Wohnungen. Die Eigentümer mussten nicht lange werben, um Mieter zu finden. Integriert in das Bauensemble  wurden drei Sozialeinrichtungen: eine Tagespflege, eine Physiotherapie und eine Ergotherapie. Auch hinsichtlich der Außenanlagen wird der Wohnpark seinem Namen gerecht: Jeder Mieter kann ein Stückchen Garten nutzen. Man sieht Spielgeräte. Zu den meisten Wohnungen wird eine Garage angeboten.

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Mit der sanierten Sporthalle würden sich die Bauherren  an einem Wettbewerb beteiligen, sollte sich diese Möglichkeit bieten. Mit dem umgebauten Schulhaus haben sie im vergangenen Jahr bereits einen Preis geholt. Beim Sächsischen Landeswettbewerb Ländliches Bauen bekamen sie eine Anerkennung. Von 153 Bewerbern schafften sie es unter die ersten 20. „So etwas motiviert. Wir tun es ja auch für Neukirch, damit unser Ort noch schöner wird“, sagt Andreas Bascha.  

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