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Der Niedergang des "Edlen Zittauers"

Vor 175 Jahren eröffnete die Societätsbrauerei. Einst ein guter Tropfen, ließ sich Qualität zu DDR-Zeiten nach. Und mit der Wende kam das Ende.

Das geschlossene Tor der Societätsbrauerei an der Bahnhofstraße kündete bereits in den 1990er Jahren vom Niedergang des Zittauer Bieres.
Das geschlossene Tor der Societätsbrauerei an der Bahnhofstraße kündete bereits in den 1990er Jahren vom Niedergang des Zittauer Bieres. © Jens Böhme

Zittau könnte in diesem Jahr ein süffiges Jubiläum feiern. Denn im Sommer 1845 wurden die Weichen für den Bau einer Großbrauerei gestellt. Wie der Olbersdorfer Tino Fröde in seinem "Zittauer Stadtlexikon" berichtet, hatten sich vom 7. bis 9. Mai 1845 brauberechtigte Bürger versammelt, um über die Gründung einer "Societätsbrauerei" zu beraten. Das Ansinnen stieß überwiegend auf Zustimmung.

Nun musste ein geeigneter Standort gefunden werden. Dazu gibt es im Stadtarchiv eine dicke, in altertümlicher Kurrentschrift abgefasste Akte mit Namen: "Nota die inneren Verhältnisse der hiesigen Societäts Brauerei betreffend". Aus dieser geht hervor, dass ein gewisser Christian Gottfried Wenzel sein "vor dem Budissiner Thore" gelegenes Grundstück nebst des dazu gehörigen Obst-, Küchen- und Grasgartens an die brauberechtigten Herren Christoph Conte und Gottlieb Scholze verkaufte. Der Preis betrug "drei Tausend und zwei Hundert Thaler". Der Vertragsabschluss erfolgte am 27. Juni 1845.

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Die Eröffnung des Brauhauses der Societät (Gesellschaft) brauberechtigter Bürger erfolgte am 6. April 1847. In einem "Commun-Brauhaus" wurde mit dem Bierausschank begonnen. Aus den vorhandenen Unterlagen geht hervor, dass schließlich am 16. Dezember 1890 die Eintragung der "Actiengesellschaft Societätsbrauerei" mit einem Grundkapital von 308.000 Mark in das Handelsregister erfolgte. Zu den Anteilseignern gehörte nun auch die Stadt Zittau, die als Besitzerin mehrerer Bierhöfe 32 der insgesamt 308 Aktien erworben hatte. Nun ging es aufwärts. Das erste Bier nach Pilsener Art wurde 1900 gebraut. Zunächst wurde es nur als Fassbier verkauft, doch bereits vier Jahre später konnte man es auch in Flaschen erwerben. Caramel-Bier braute man ab 1912. Es muss dereinst ein guter Tropfen gewesen sein, das "Edle Zittauer".

11,5 Prozent Stammwürze

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die Eigentumsverhältnisse der Brauerei. 1950 übernahm das Ministerium der Finanzen der DDR die Verwaltung, ab September 1951 die VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) der Brau- und Malzindustrie Potsdam. Ein Jahr später erfolgte die Umfirmierung in "Societäts-Brauerei zu Zittau Schnitter & Co". Ab 1957 braute man Vollbier mit einem Stammwürzegehalt von 11,5 Prozent. Den höchsten Ausstoß verzeichnete die Geschäftsführung 1958 mit einem Ausstoß von 35.000 Hektoliter. An der Löbauer Straße, unweit vom heutigen ATU (Autoteile Unger), wurde im August 1975 eine Produktionsanlage für alkoholfreie Getränke in Betrieb genommen. Deren Ausstoß betrug bis zu 90.000 Hektoliter pro Jahr. 

Inzwischen wurde die Brauerei in der Art eines Kombinates geführt. Sie gehörte nun zur Landskron Brauerei Görlitz und nannte sich 1978 sperrig "Brauerei Zittau im VEB Landskron Brauerei Görlitz im VEB Dresdner Brauereien". Dieser Name konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Qualität des schäumenden Gerstensaftes wegen fehlender Rohstoffe immer schlechter wurde.

Ein wertvolles Zeitdokument der Brauereigeschichte ist dieses um 1980 aufgenommene Bild des letzten Böttchers (links). Als die Bierwelt noch in Ordnung war, wurde der Gerstensaft auch großzügig beworben: Bockbier-Reklame im November 1958 (rechts).
Ein wertvolles Zeitdokument der Brauereigeschichte ist dieses um 1980 aufgenommene Bild des letzten Böttchers (links). Als die Bierwelt noch in Ordnung war, wurde der Gerstensaft auch großzügig beworben: Bockbier-Reklame im November 1958 (rechts). © Frank Winkler, SZ-Archiv

Mit der Wende begann das Ende einer über 700 Jahre alten Brautradition in Zittau, die einst von König Ottokar II. begründet worden war. Daran änderte auch die Übernahme durch die niederbayrische Röhrl-Bräu GmbH Frontenhausen nichts. 1991 wurde Zittaus Brauerei geschlossen. Das Jahr 1998 schien nochmal hoffnungsvoll für die Zittauer Brauereigeschichte zu werden. Am 25. März 1998 kam es zum symbolischen ersten Spatenstich für einen Brauerei-Neubau auf einer Fläche zwischen Gerhart-Hauptmann-Straße und Neiße. Am 5. Mai wurde sogar der Grundstein gelegt. Aber das war es dann auch schon. 

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