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Sodexo will Essenspreis schon wieder erhöhen

Der Anbieter hat die Versorgung von Kitas und Schulen in Bautzen erneut gekündigt. Das hat die Stadt kalt erwischt.

© Thorsten Eckert

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Aufregung ums Kita- und Schulessen in Bautzen: Kaum hat die Stadt neue Verträge über die Versorgung der städtischen Kitas und Schulen mit Mittagessen abgeschlossen, kommt das Thema völlig unerwartet schon wieder auf den Tisch. Denn der Essenlieferant Sodexo hat seinen Vertrag bereits wieder gekündigt. Das bestätigt Thomas Groß, im Rathaus Amtsleiter für Bildung und Soziales.

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Nach seinen Angaben flatterte der Stadt mit Schreiben vom 10. September eine außerordentliche Kündigung ins Haus. Demnach will Sodexo die städtischen Einrichtungen nur noch bis Jahresende beliefern. Begründet werde die Kündigung mit der Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar 2015. Die neue gesetzliche Regelung mache „ein Festhalten an den bisherigen Bedingungen und damit der Vertragserfüllung nicht zumutbar“, argumentiert Sodexo laut Groß. Damit setzt der Großanbieter der Stadt Bautzen zum wiederholten Mal die Pistole auf die Brust. Bereits Ende vorigen Jahres hatte er mit Verweis auf gestiegene Kosten für Lebensmittel und Energie angekündigt, die Portionspreise erhöhen zu wollen. Weil die Stadt dieses Ansinnen aber nicht akzeptierte, hatte Sodexo zum Ende des vorigen Schuljahres gekündigt. Eigentlich sollte der Vertrag noch ein Schuljahr länger laufen und die Essenversorgung dann 2015 neu ausgeschrieben werden. Doch nun war die Stadt im Zugzwang und musste die Ausschreibung schneller organisieren.

Im Mai erfolgte dann die Vergabe – mit dem Ergebnis, dass alle städtischen Kitas und die meisten Schulen – insgesamt rund 1 600 Portionen – weiterhin von Sodexo versorgt werden. Allerdings zu einem höheren Preis. So zahlen die Eltern seit 1. September für das Essen in Kitas 21 Cent mehr pro Portion, an Grundschulen 44 Cent und an Oberschulen 64 Cent. Dabei sollte es nach dem Willen der Stadt in den nächsten beiden Jahren auch bleiben. Denn so lange sollte der neue, erst am 1. August unterzeichnete Vertrag gelten, inklusive der Option, ihn um ein Jahr zu verlängern. Doch nun muss die Stadt viel schneller aktiv werden, als ihr lieb ist und die Essenversorgung so rasch wie möglich neu ausschreiben, damit keine Lücke entsteht und die Einrichtungen ab Januar weiter mit Essen versorgt werden.

Einen Zeitplan für den genauen Ablauf gibt es im Moment noch nicht, so Amtsleiter Groß, aber spätestens Ende September soll er feststehen. Das Prozedere der Neuvergabe soll analog dem im Frühjahr ablaufen, teilt Groß auf Anfrage mit. „Das bedeutet eine beratende Mitwirkung von Einrichtungen und Eltern, wobei die Entscheidung selbst die Stadt trifft.“

Von der Neuvergabe nicht betroffen sind das Schiller- und das Melanchthon-Gymnasium. Die beiden Schulen bekommen das Essen aus der Küche der gegenüberliegenden Arbeitsagentur. Dort kocht der Dresdner Anbieter Viventus. Er hatte sich im Frühjahr für die Essensbelieferung der beiden Gymnasien beworben und den Zuschlag erhalten. Seit 1. September können Schüler und Lehrer nun aus drei statt zuvor zwei Gerichten wählen. Die Portion kostet 2,55 Euro und damit elf Cent weniger, als Sodexo zurzeit für ein Essen an den Oberschulen verlangt. Die Resonanz auf den Wechsel ist bisher überwiegend positiv. Das hat dazu geführt, dass jetzt viel mehr Schüler essen gehen als früher – und es dadurch zu den festgelegten Essenzeiten im Speiseraum eng wird.

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Am vertraglich festgelegten Preis wird sich laut Viventus-Geschäftsführer Frank Bloß auch 2015 nichts ändern – trotz Mindestlohn. „Dass der auf uns zukommt, haben wir gewusst.“ Und man habe extra bei der Stadt noch einmal nachgefragt, ob der Mindestlohn, der dann im August gesetzlich verbindlich wurde, bereits in den Preis einkalkuliert werden soll. Die Stadt habe ausdrücklich darum gebeten – eben weil der Vertrag und damit der Preis für mindestens zwei Jahre gelten soll.

Sodexo argumentiert jedoch, dass sein Preisangebot zu einem Zeitpunkt abgegeben wurde, als der Mindestlohn gesetzlich noch nicht galt. Und kündigt an, sich bei einer neuen Ausschreibung „natürlich“ wieder zu beteiligen.