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Söhne führen das Erbe fort

Läden, die über Generationen von einer Familie geführt werden, sind selten. Die SZ stellt einige vor. Heute Folge II: Uhren Schaller.

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Von Josephine Kotsch

Fast hätten die Brüder Schaller den 40. Geburtstag ihres Uhren- und Schmuckgeschäftes vergessen. Aber Manfred Kuge, Obermeister der Uhrmacherinnung, dachte daran und stand plötzlich zum Gratulieren im Geschäft.

Bereits 1966 hatte Hans Schaller (Senior) das Uhrengeschäft gegründet und schon früh stand fest, dass seine beiden Söhne es einmal weiterführen. „Natürlich gab es auch noch andere Berufe, die mich interessiert hätten. Aber mein Vater legte mir den Beruf des Uhrmachers ans Herz“, sagt Hans Schaller (Junior). Es ist die Vielseitigkeit, die den 37-jährigen Uhrmachermeister an seiner Tätigkeit fasziniert.

Sein drei Jahre jüngerer Bruder Gert hingegen wollte schon immer Uhrmacher werden. Später absolvierte er zusätzlich eine Ausbildung im Goldschmiedebereich. „Ich kann mir nicht vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten. Besonders gefällt mir die Genauigkeit, die beide Tätigkeiten erfordern“, sagt er. Aber auch die geschäftliche Seite liegt Gert Schaller. Daher trifft man ihn meistens hinter der Ladentheke an, während die Werkstatt das Reich seines Bruders Hans ist.

Der Vater ist ihr Vorbild, geben beide einstimmig zu. Noch heute hilft der 67-Jährige ab und zu im Laden aus, macht zum Beispiel die Buchhaltung. Im Sommer 2002 übergab Hans Schaller (Senior) die Leitung des Geschäfts an seinen Sohn Gert. Kurz darauf kam die Flut. „Der Schaden war enorm. Nur durch die finanzielle Unterstützung vom Staat haben wir es geschafft, zwei Wochen vor Weihnachten wieder zu eröffnen“, sagt Gert Schaller.

Reparatur ist gefragt

Der Laden in der Neugasse ist eine ruhige Insel: gedämpftes Licht, dunkle Mahagonitäfelung, links das Schmucksortiment, rechts die Uhren. Nach wie vor kommen sehr viele, um ihre Uhr reparieren zu lassen. „Es wäre uns natürlich am liebsten, wenn unsere Kunden mehr neue Uhren kaufen würden, denn von der Reparatur allein können wir ja nicht leben“, sagt der Inhaber. Neben mechanischen und digitalen Uhren führen die Schallers auch Quarz- und Funkuhren im Sortiment. Aber auch Taschenuhren seien immer noch gefragt. „Die mechanischen Uhren gefallen mir aber am besten“, sagt Hans Schaller (Junior), „bei denen sieht man noch etwas von der Handwerkskunst“.

In Zukunft wollen die Schallers auch Lehrlinge ausbilden. Seine Kinder hat Gert Schaller aber noch nicht gefragt, ob sie das Geschäft einmal weiterführen möchten: Sie sind erst ein und drei Jahre alt.