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Sogar Gräber sind vor Dieben nicht sicher

In Pulsnitz stahlen die Täter Figuren und weiteren Schmuck. Es ist kein Einzelfall.

Von Reiner Hanke

Blumen über Blumen stehen auf dem Grab von Rodrigo Braun auf dem Pulsnitzer Friedhof. Es ist noch frisch und liebevoll gepflegt. Ein Schmetterling steckt in der Erde. Daneben aber auch ein Schild: „Achtung! Dieses Grab wurde bestohlen. Die Anzeige ist erfolgt.“ Fast jeden Tag gehe er zum Grab, sagt Johannes Schäfer. Sein Enkelkind ist hier beerdigt, und er fragt sich: „Wer macht so etwas Pietätloses?“ Der Schmerz durch den Verlust eines geliebten Menschen sei doch schon schlimm genug. 23 Jahre war der Polizeimeister erst alt und auch in der Feuerwehr aktiv. Ein Hirntumor riss ihn aus dem Leben.

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Es gehe nicht um den materiellen Wert der Dinge: „So etwas tut man doch den Hinterbliebenen nicht an“, sagt Johannes Schäfer. Viele Leute würden am Grab stehen bleiben und seien bestürzt, sagt der Großvater. Mancher berichte auch von eigenen Erfahrungen mit Diebstählen. So würden immer wieder mal frische Blumen und Pflanzen gestohlen. Von Stadt zu Stadt ist das durchaus unterschiedlich. Dem Großröhrsdorfer Pfarrer Stefan Schwarzenberg ist derzeit nur ein Fall von Vandalismus im Gedächtnis. Dabei wurden Grabsteine beschädigt. Und auf dem Hauptfriedhof in Kamenz habe es schon jahrelang keine Vorfälle dieser Art gegeben, so Pfarrer Jörg Naumann. „Darüber sind wir sehr froh. Überhaupt beweisen die Kamenzer eine hohe Achtung vor dem Sakralen.“

Diese fehlt offenbar im konkreten Fall in Pulsnitz, bemängelt Johannes Schäfer. „Es sind keine guten Menschen, die so etwas tun, sondern gewissenlose Leute.“ Die den Angehörigen noch mehr Leid bringen. Er glaube auch nicht, dass dies ein Dummejungenstreich war. Eher könnten zwielichte Leute unterwegs sein, die gestohlene Dinge auf Trödelmärkten anbieten.

Polizeisprecher Thomas Knaup: „Die Bestürzung der betroffenen Angehörigen ist absolut verständlich. Es ist aus moralischer Sicht verwerflich, ein Grab zu bestehlen oder gar zu beschädigen.“ Ein Schwerpunkt in der kriminalistischen Arbeit sei das „Phänomen Diebstahl oder Sachbeschädigungen auf Friedhöfen“ gemessen an der Fallzahl nicht, aber es beschäftigt die Polizei schon. Immerhin sind im ersten Halbjahr 2014 der Polizei im Landkreis Bautzen zwölf Straftaten gemeldet worden, die auf Friedhöfen geschahen. Das beginnt bei Sachbeschädigungen über die Störung der Totenruhe bis hin zu Diebstählen. Oftmals werden Diebstähle von Grabschmuck oder Ähnlichem aber nicht angezeigt, schätzt der Sprecher ein.

Nur zwei der Fälle wurden aufgeklärt. Thomas Knaup: „Die entscheidende Frage ist immer, ob es Ermittlungsansätze gibt.“ Gibt es Zeugenhinweise? Wie ist die Spurlage? Die ist eben oft dünn. Hat die Polizei gute Ermittlungsansätze, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, eine Straftat aufklären zu können. Bleiben die entscheidenden Hinweise aus, sei es schwer für die Ermittler, Licht ins Dunkel zu bringen. Manchmal hilft der Kommissar Zufall – wie Anfang April auf dem Bautzener Michaelisfriedhof. Die Täter entfernten dort nicht nur Grabschmuck, sondern warfen auch Grabsteine um. Die Kripo ermittelte drei junge Männer. Einer der Rowdys hatte am Tatort seine Geldbörse mit Ausweis verloren.

So deutliche Spuren hinterlassen die Täter freilich selten. Ob sie im Fall des Diebstahls vom Grab des Pulsnitzers Rodrigo Braun gefunden werden können, bleibt offen. Auch der Pulsnitzer Feuerwehrmann Siegfried Garten trauerte am Grab seines ehemaligen Kameraden: Er schüttelt den Kopf und sagt über die Täter: „Es gibt leider Menschen, die haben nicht mal Respekt vor Toten.“