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Wo der Sonnenacker wächst

Am Rande des Tagebaus Turów entsteht die niederschlesische Energie-Landschaft der Zukunft. Dafür fließt Geld der EU.

Zwischen Zgorzelec und Bogatynia in Polen werden in Neiße-Nähe immer mehr Solaranlagen errichtet. Sie sollen helfen, die Energiewende im Nachbarland voranzubringen. Im Hintergrund ist die Landeskrone zu sehen.
Zwischen Zgorzelec und Bogatynia in Polen werden in Neiße-Nähe immer mehr Solaranlagen errichtet. Sie sollen helfen, die Energiewende im Nachbarland voranzubringen. Im Hintergrund ist die Landeskrone zu sehen. © Arndt Bretschneider

Von Arndt Bretschneider und Janusz Grzeszczuk

Blaue Felder an der Neiße. Wo früher Bäume wuchsen, oder auch Getreide und Mais, wird seit einigen Jahren immer mehr Technik „angebaut“. Fotovoltaikanlagen entstehen auf weiter Fläche. Seit anderthalb Jahren tut sich was, jenseits der Lausitzer Neiße. Zwischen dem polnischen Krzewina Zgorzelecka (Grunau) und Bratków (Blumberg) laufen Aktivitäten auf 200 Hektar Fläche. An den sanften Hängen zwischen dem Grenzfluss und der Wojwodschaftsstraße 352, wo vor paar Jahren noch ein freilebendes Damhirschrudel zwischen lockerem Gebüsch (poln. krzewina) graste, rattern schwedische Planierraupen. Sie bereiten auch gegenwärtig Flächen vor für 250.000 moderne Solarmodule.

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Die sind so positioniert, dass Rasenpflege darunter und dazwischen maschinell erfolgen kann. Die Sonneneinstrahlung ist erfolgversprechend, die Böden von nur mäßigem Wert, und die geplante Energiegewinnung erfolgt lautlos und umweltfreundlich. Besonders vom Ostritzer Ortsteil Leuba ließ sich ohne Fernglas erkennen, dass hier auch während der dreimonatigen Grenzschließung ununterbrochen gearbeitet wurde. Investor ist ein im Jahre 2018 gegründetes privates Unternehmen, das sich „ZKlaster“ nennt. Dahinter steht eine Gruppe von polnischen Privatbetrieben und Gesellschaften mit Sitz in Zgorzelec, die sich der Erzeugung von „Grüner Energie“ widmen. Klaster ist die lautmäßige Schreibweise des englischen Begriffs „cluster“, der sich seit einiger Zeit für Gruppen eingebürgert hat, die sich mit wissenschaftlich-technischem Neuland befassen. Wenn man so will, sind es „Start-ups“ (kleine Firmenneugründungen) mit Verbindungen zu Hochschulen oder Universitäten, die dadurch effizienter unterwegs sind als im Alleingang.

Im Oktober 2019 unterzeichnete dieses Energiecluster sowohl Vereinbarungen über eine EU-Förderung für den Bau intelligenter Stromnetze mit Pilotcharakter als auch die Bildung eines Komitees. Dieser Ausschuss soll sich mit einer zukünftigen Umgestaltung der Braunkohlenverstromung hin zu einer alternativen Energiegewinnung befassen. Noch wird der polnische Energiebedarf zu knapp 80 Prozent aus fossilen Quellen gedeckt, vor allem aus Braun- und Steinkohle. Erneuerbare Energien machen etwas über 20 Prozent aus. Das Land ist der fünftgrößte Braun- und zehntgrößte Steinkohleförderer der Welt. Etwa 100.000 Jobs hängen direkt am Abbau der Kohle, vor allem in den armen schlesischen Revieren im Süden des Landes, so berichtete vor einer Weile der MDR. Die Regierungspartei setzt sogar auf den Ausbau der Kohleverstromung. Und dies, obwohl die Branche hochdefizitär ist. Im Jahr 2015 machte der polnische Bergbau fast 500 Millionen Euro Verlust. Allerdings hat die Europäische Union deutlich gemacht, dass sie ein „weiter so“ in dem Gebiet nicht mehr mitträgt. Deswegen sucht auch Polen neue Wege für die Stromerzeugung.

Einer läuft über das Zgorzelecer Klaster. Dabei werde es eine enge Zusammenarbeit mit der zuständigen Europäischen Kommission geben, so heißt es. Der Rahmen hierzu werde die bereits existierende „EU-platform for coal regions in transition“ (Plattform zum Wandel ehemaliger Kohleregionen) sein. Dem Kreis Zgorzelec solle dabei eine Führungsfunktion in der Republik Polen zukommen. Zur Umsetzung dieser Vereinbarung gehört nicht nur die Solarstromerzeugung, sondern auch die aus Windkraft- und Biogasanlagen. Die baldige Installation von 500 Megawatt erneuerbarer Energie ist geplant für die nächsten fünf Jahre. Diese sollen zukünftig durch leistungsfähige Steuerung den lokalen Strom- und Wärmemarkt des gesamten Landkreises Zgorzelec versorgen, wie die SZ erfuhr. Es geht zunächst um zwei Maßnahmen: Die Unterstützung eines Projektes für Neubau und Wiederaufbau eines Anschlussnetzes zu EU-Energieerzeugern und gleichzeitig um den Aufbau intelligenter Netzwerke mit Pilotcharakter und Vorführ-Eigenschaften zu Schulungszwecken aus dem „Programm für Entwicklung von Infrastruktur und Umwelt 2014 bis 2020“.

Viele Millionen Zloty Fördergelder

Begünstigter ist die Firma Gepol (Grüne Energie Polens) von Ingenieur Jan Malinowski aus Zgorzelec, die auf die stattliche Summe von fast 34 Millionen Zloty (knapp acht Millionen Euro) hoffen kann. Ein Schwerpunkt ist der Bau eines Umspannwerkes und ein dazugehöriges 110-Kilovolt-Verteilernetz. Ein Punkt war die Installation eines 60 Tonnen schweren Transformators. Damit soll eine Verbindung zu einem bereits existierenden 21-Megawatt-Solarfeld in der Gemeinde Bogatynia (Reichenau) geschaffen werden; Erdkabellänge: 13,5 Kilometer. Weitere Technik soll helfen, Netzverluste zu begrenzen und die Kapazität zu erhöhen.

Die Gesamtförderung für das Projekt beläuft sich auf knapp 84 Millionen Z³oty für 76 Megawatt Solarstrom aus dem schon bestehenden Solarpark I und dem im Bau befindlichen Solarpark II. Knapp 50 Millionen davon kommen der Firma OZE Holding in Zgorzelec zugute. Unlängst besuchte der stellvertretende polnische Klima-Minister, Ireneusz Zyska, diesen größten Solarpark Polens und unterstrich die allmähliche Abkehr von der Nutzung fossiler Energiequellen. Klaster-Präses Albert Gryszczuk aus Zgorzelec bezog ebenfalls Stellung. Er sagte: „Diese Investitionen in erneuerbare Energien werden dazu beitragen, das erkennbare Ende der Braunkohlenverstromung abzufedern im südwestlichsten Zipfel der Republik Polen, dem sogenannten ,Bogatyniaer Sack‘.“ Nutznießer würden die Menschen in den ländlichen und städtischen Kommunen von Bogatynia bis Wêgliniec (Kohlfurt) sein, einschließlich der Städte Zgorzelec und Zawidów (Seidenberg).

Das sind zukunftsträchtige Worte. Allerdings gibt es auch Rückschläge – so kam es Ende Juni/Anfang Juli dieses Jahres zu Paneldiebstählen, weshalb eine Belohnung zur Ergreifung der Täter ausgelobt und eine erhebliche Geldsumme für Sicherheitseinrichtungen eingeplant werden musste.  (mit ihg)

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