merken
PLUS Görlitz

Kein grüner Strom für Marktkauf

Der Neißepark-Betreiber wollte eine Photovoltaikanlage neben dem Einkaufszentrum bauen. Aber der Stadtrat sagt dazu nein.

So wie hier die Solaranlage im Gewerbegebiet Ebersbach bei Klingewalde hätte es in der Nähe des Neißeparks aussehen können.
So wie hier die Solaranlage im Gewerbegebiet Ebersbach bei Klingewalde hätte es in der Nähe des Neißeparks aussehen können. © nikolaischmidt.de

Klingt eigentlich gut: Marktkauf im Neißepark will sich selbst mit Strom versorgen. Dazu soll eine Photovoltaikanlage gebaut werden, in der Nachbarschaft des Neißeparks. Aber das Vorhaben ist gescheitert, zunächst jedenfalls. Der Stadtrat Görlitz sagt dazu nein.

Das hatte die Marktkauf GVG Görlitz GmbH & Co KG geplant: Der Betrieb von Marktkauf im Neißepark sollte Kohlendioxid-neutral werden. 750 Kilowatt, so die Planung, sollte die Photovoltaikanlage dafür hergeben. Rund 356 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, so die Berechnungen der Planer, könnten damit vermieden werden. Die gesamte Anlage passt auf eine Fläche von reichlich zwei Hektar. 

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Marktkauf sollte eigenen Strom produzieren

Überschüssiger Strom sollte als Eigenstrom für technische Anlagen genutzt oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Aber die Stadträte taten sich schwer mit der Entscheidung. Dabei lagen die unterschiedlichsten Gutachten vor. 

Die geplante Photovoltaikanlage befindet sich in unmittelbarer Nähe des Neißeparks. Sie grenzt im Süden daran. Im Westen befindet sich ein Garagenkomplex, im Osten der Florinusweg, im Norden ein Acker. Die Fläche ist seit Jahren unberührt, und das ist offensichtlich auch das Problem. 

Umweltgründe sorgten für Nein im Stadtrat

Mike Altmann von Motor Görlitz äußert sich zu den Gründen zur Ablehnung des Projektes. " Grund sind Bedenken des Naturschutzamtes, die das wertvolle Grün erhalten will, zumal es auf dem Marktkaufgelände bereits ausreichend versiegelte Flächen gibt, auf denen man die PV-Anlagen bauen könnte"", so der Mann von Motor Görlitz auf Facebook.  Die Fraktion sei für Photovoltaik "aber nicht an dieser Stelle und zu Lasten der Natur". 

Insgesamt, zu diesem Schluss kommt der Artenschutzfachbeitrag, zum Beschluss des Stadtrates,  brüten auf derFläche insgesamt  - möglicherweise - 28 Vogelarten. Darunter befindet sich der Neuntöter. Er soll am Nordrand des Areals zu finden sein. Der Gelbspötter wiederum ist  als "ungünstiger Erhaltungszustand" in Sachen gelistet. Er soll in den noch bestehenden Büschen auf der Fläche sein Zuhause haben. Zwei weitere Arten, der Bluthänfling und der Star, werden auf der bundesweiten Roten Liste geführt, auf der sächsischen Roten Liste steht zudem der Gartenrotschwanz. 

Keine Eidechsen auf der Fläche gefunden

Ob es weitere schützenswerte Tiere auf der Fläche gibt, bleibt unklar. So ist in den Unterlagen zur Beschlussbegründung für den Stadtrat zwar immer wieder von der Zauneidechse die Rede. Aber bei einer Begehung konnten keine Tiere gefunden werden. "Ob Reptilien, unter anderem Zauneidechsen, vom Planvorhaben betroffen sind, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden, da bei der Flächenbegehung keine Individuen festgestellt wurden", heißt es in einem Gutuachten des Ingenieurbüros Richter + Knaup.

Alternativen, wie es Mike Altmann von Motor Görlitz für einen Standort vorschlägt, wurden ebenfalls untersucht. Das Ingenieurbüro Richter + Knaup nahm sich der Sache an. Ergebnis: Eine Photovoltaikanlage  auf Parkflächen und ähnlichem, etwa dem Parkdeck, ist nicht möglich. Unter anderem wäre der bauliche Aufwand sehr groß. 

Hamburger Pläne bleiben noch unklar

Nachdem der Görlitzer Stadtrat nun abgelehnt hat, liegt der Ball in Hamburg. Die Marktkauf GVG Görlitz GmbH & Co. KG hatte den Antrag an die Stadt gestellt. Diese wiederum gehört zu einem ganzen Firmengeflecht, an dessen Spitze Edeka steht. CEV Hamburg, ebenfalls ein Edeka-Ableger und mit Einkaufszentren groß im Geschäft, hatte den Neißepark neu auf die Beine gestellt. Bei den Verantwortlichen vor Ort  in Görlitz weiß man nichts über die künftigen Aktivitäten in Sachen Photovoltaik an der Neiße. Und auch in der Hafencity Hamburg ist man nach dem hiesigen Stadtratsbeschluss eher noch zurückhaltend.  Christian Albrecht,  CEV-Chef, kann in Sachen Görlitz jedenfalls nicht weiterhelfen, sagt er gegenüber der SZ. Ein Projektbetreuer wiederum schildert: Ja, es gibt Pläne für Görlitz. Wie diese aussehen, will er aber noch nicht verraten.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz