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Geteilte Ernte frisch vom Feld

Susann Jande aus dem Neustädter Ortsteil Oberottendorf setzt auf Solawi. Ein Projekt, bei dem man nicht reich wird, aber die Natur schätzen lernt.

Susann Jande aus Oberottendorf bei Neustadt hat ihren perfekten Job gefunden.
Susann Jande aus Oberottendorf bei Neustadt hat ihren perfekten Job gefunden. © Tom Weber

Susann Jande ist glücklich. Das sieht man ihr an. Selbst wenn die morgendliche Sonne schon hoch über ihrem Gemüsefeld steht, kann sie noch Lachen, freut sich über die großen Möhren und die roten Rüben. "Die gedeihen dieses Jahr richtig gut", sagt sie. Und das alles ohne Spritzmittel und ohne zusätzliche Wassergaben. Eben nur das, was Mutter Natur so hergibt. Das was sie erntet, hat sie praktisch vom Samen, vom Korn oder von der Saatkartoffel an betreut. Die Ernte behält sie nicht für sich allein. Susann Jande betreibt eine "Solawi", also eine "Solidarische Landwirtschaft" in Oberottendorf bei Neustadt in Sachsen. In der Region ist es ein einmaliges Projekt. Ein weiteres gibt es in Struppen bei Pirna.

Doch wie ist sie auf die Idee gekommen, hier überhaupt so etwas zu gründen? "Ganz einfach. Ihr Vater hat nach der Wende mit Landwirtschaft angefangen, betreibt hier seit 20 Jahren auch Gemüseanbau für den Eigenbedarf. "Als ich mich nach anderen Einkommensmöglichkeiten in der Landwirtschaft umgeschaut habe, bin ich in einer Fachzeitschrift auf einen Artikel über Solawi gestoßen und fand die Idee toll, dass Gemüse auf diese Weise direkt vermarkten zu können", sagt die zierliche Frau. Mit Landwirtschaft wollte sie eigentlich schon immer etwas zu tun haben. Etwas mit den eigenen Händen produzieren, die Kraft der Natur spüren, mit ihr zu Leben.

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Das fängt im Frühjahr mit dem Säen der Samen an, geht weiter über Unkraut jäten, lockern, ernten. Und sie kann mit Fug und Recht von sich behaupten, dass jede der Pflanzen irgendwie durch Ihre Hände gegangen ist.

Ein paar Möhren hat sie inzwischen geerntet. "Die müssen jetzt raus, also zumindest die großen", sagt sie. Und im Kopf plant sie schon die Kartoffelernte. Alles per Hand auflesen mit einem Korb, gerodet wird mit der Maschine. Vier Wochenendeinsätze wird das wohl dauern, schätzt sie. Das Kraut hat noch Zeit. Und der Zuckermais muss auch noch wachsen. Den hat sie das erste Mal ausprobiert. "Ich versuch es immer mal mit etwa neuem. Nicht alles gelingt. Aber es macht auch Spaß zu sehen, wie manches hier richtig gut wächst", sagt sie. Bei den Gurkeneinlegern hat sie dieses Mal wohl kein Glück. Die sehen eher mickrig aus. Aber auch Durststrecken gehören beim Leben mit der Natur dazu. Bei den anderen Gemüsesorten auf dem Feld sieht es besser aus. In ihrem Eimer hat sie außer Möhren auch schon Bohnen. Die Buschbohnen sind zeitig dran. Auch die müssen jetzt geerntet werden. Der Blick schweift in Richtung Kohlabteilung. Gut sortiert, wie im Geschäft. Aber bei ihr kommt der Blumenkohl nicht von sonstwo, sondern gedeiht auf einem Feld in Oberottendorf, in Verbindung mit Rot- und Weißkohl, Grünkohl. Sellerie, Porree, Schwarzwurzel, Wurzelpetersilie, Spinat, Zwiebeln, Erbsen. Bewirtschaftet werden insgesamt 46 Hektar.

Susann Jande muss sich sputen. Ein paar mehr Möhren braucht sie schon noch. Und ein paar Zwiebeln wären auch noch gut. "Ich schau jetzt mal die Gemüsereihen durch, um zu sehen, was ich noch alles ernten kann", sagt sie. Am Ende müssen neun grüne Kisten bestückt werden.  

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Zahlreiche Gemüsesorten wachsen auf dem Solawi-Feld von Susann Jande in Oberottendorf..
Zahlreiche Gemüsesorten wachsen auf dem Solawi-Feld von Susann Jande in Oberottendorf.. © Tom Weber

Warum neun grüne Kisten? Das ist einfach erklärt. Für ihre Solawi hat sie derzeit neun Mitstreiter. Jeder bezahlt einen Monatsbeitrag von 70 Euro. Dafür bekommt er jeden Donnerstag eine Kiste mit frischem Gemüse, welches vor wenigen Minuten auf dem Feld geerntet wurde. "Wenn ich nicht viel ernten kann oder im Winter, dann ist mitunter nicht sehr viel drin. Aber es gibt dann auch wieder Zeiten, wo die Kisten richtig prall gefüllt sind. In der Natur ist das eben so", sagt sie. Und bei den Kartoffeln zum Beispiel können ihre Solawi-Mitglieder sich selbst die größten oder schönsten heraus suchen, wenn sie bei der Ernte mithelfen.

An ihr liegt es praktisch, die Ernte gleichmäßig zu verteilen. Wünsche kann sie da keine erfüllen. Jeder bezahlt den Monatsbeitrag und damit hat auch jeder ein Recht auf die Ernte und auf gleiche Behandlung. Und ein Blick in die Kiste ist dann eben auch für manchen wie ein Überraschungs-Ei.  Wer mit der Natur lebt und nur das verwendet, was die Jahreszeit hergibt, müsse umdenken. Da gibt es keine Einkaufsliste. "Die Leute müssen praktisch nehmen, was ich gerade ernten kann. Und dann müssen sie entscheiden, welche Gerichte sie daraus zaubern", sagt sie. Und das Positive sei, es gebe das ganze Jahr über gute Sachen. Über den Winter lagert sie zum Beispiel Kartoffeln, Möhren und Kraut ein. Das kommt eben dann in der spärlichen Jahreszeit in die Kiste. Ziel des Projektes ist es, regionale Betriebe zu unterstützen, Produkten wieder einen realen Wert zu geben und den Landwirten ein gerechtes und sicheres Einkommen zu verschaffen. Reich wird man dabei nicht. Und angesichts der zu bewirtschaftenden Fläche gehört auch jede Menge Enthusiasmus und Freude an der Arbeit mit dazu.

Das Prinzip Solawi besagt aber auch, dass diejenigen, die Zeit und Lust haben, auch selbst mit auf dem Feld helfen können. Das funktioniere ganz gut, auch wenn man sich nicht immer persönlich sehe. Das ist aber auf jeden Fall immer einmal im Jahr so, vor dem Buß- und Bettag. Da findet eine Mitgliederversammlung statt mit einem kleinen Erntefest. Da kann man sich austauschen, was gut gelaufen ist, was nicht. Dann wird eben besprochen, was im kommenden Jahr alles angebaut werden soll. Wenn irgendwie möglich, werden die Wünsche mit berücksichtigt. So hat sie zum Beispiel im letzten Jahr Porree angebaut.

Inzwischen füllen sich die Körbe mit dem Gemüse. Später wird Susann Jande noch im Gewächshaus nachschauen. Vielleicht kann sie ja ein paar Gurken, Tomaten oder Paprika ernten. Wer Lust bekommen hat, dem Gemüse beim Wachsen zuzusehen oder jeden Donnerstag in so ein "Überraschungspaket" zu schauen, kann sich anmelden, am besten am Ende des alten oder am Anfang des neuen Jahres. Etwas Planungssicherheit braucht auch sie. Ein paar Mitglieder könnte sie noch aufnehmen. Irgendwann wäre dann sicherlich auch bei ihr Schluss. "Es ist schon harte Arbeit. Aber es macht eben so richtig Spaß und der Austausch mit den Mitgliedern ist mir sehr wichtig", sagt sie. 

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