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Soldatenopfer für die nationale Einigung

Vor 150 Jahren zog das 3. Infanterie-Regiment Nr. 102 Zittau in den Deutsch-Französischen Krieg. Als es zurückkehrte, hatte es über 100 Opfer zu beklagen.

Symbolbild
Symbolbild © dpa

Von Frank Brandt

Sommer 1870. Frankreich drängte vehement zum Krieg gegen Preußen, das Deutschland politisch und wirtschaftlich zu einem glänzenden Aufschwung führte. In vielen Extrablättern verkündeten schon am 16. Juli 1870 auch die Zeitungen der Oberlausitz die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen, die offiziell am 19. Juli 1870 erfolgte.

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Schon am 27. Juli führte Oberst Franz Friedrich von Rudorff, seit Mai 1869 neuer Regimentskommandeur in Zittau, das 3. Infanterie-Regiment Nr. 102 in den Deutsch-Französischen Krieg. Auch das in Bautzen stationierte 103. Infanterie-Regiment musste in diesen Krieg ziehen. Beiden Regimentern fehlte es an häufigen Alarmierungen nicht, die auch das 103-er aus Bautzen schon bald in zahlreiche Kampfhandlungen verstrickte. Kronprinz Albert, der die sächsischen Truppen am 18. August bei St. Privat zum Sieg führte, erhielt daraufhin als preußischer Feldmarschall den Oberbefehl der Maas-Armee.

Immer wieder veröffentlichte die Regionalpresse Soldatenbriefe von der Front, denn der Krieg zeigte seine hässliche Seite, tausende Verwundete wurden im Spätsommer per Bahn durch die Oberlausitz transportiert. Am 14. Oktober wurden die 2. und 3. Kompanie der 102-er, am 15. Oktober die 6. Kompanie und am 1. Dezember die 12. und 3. Kompanie in die Kampfhandlungen geschickt. Das überlegene deutsche Heer schlug das französische Militär in der entscheidenden Schlacht von Sedan. Es war ein Sieg, der zum Sturz Kaiser Napoleons III. führte.

König Wilhelm wollte weder Krieg noch Kaiserwürde

Die deutschen Mächte schlossen sich zusammen. Im Spiegelsaal des Schlosses in Versailles wurde am 18. Januar 1871 der preußische König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser ausgerufen. Auch Kronprinz Albert nahm gemeinsam mit seinem Bruder Georg für Sachsen an der Proklamation teil. Erhöht vor den Kriegsfahnen der Regimenter, die das geeinte Deutsche Reich versinnbildlichten, stand König Wilhelm von Preußen, der sich widerstrebend die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt setzen ließ, denn er wollte weder den Krieg gegen Frankreich noch die Kaiserwürde, er wäre viel lieber König von Preußen geblieben.

Es war dieser militärische Erfolg, der zur errungenen nationalen Einigung Deutschlands führte. Damit wurde aus einem Staatenbund ein Bundesstaat, gebildet durch den Zusammenschluss von 22 Fürsten und drei freien Reichsstädten, Bremen, Hamburg und Lübeck. Zehn Tage nach diesem Ereignis kapitulierte Paris. Es folgte der Waffenstillstand, der vom 28. Januar bis 2. März 1871 dauerte. Das Ruhen der Waffen wurde in Deutschland festlich begangen. Auch Zittau schmückte sich mit einem imposanten Fahnenschmuck. Der endgültige Friedensschluss mit Frankreich erfolgte am 19. Mai 1871 in Frankfurt am Main. Deutschland hatte gesiegt.

Rückmarsch am 1. Juni

Das 3. Infanterie-Regiment Nr. 102 trat den Rückmarsch nach Deutschland am 1. Juni an, um am 2. Juli unter der Führung des Kronprinzen Albert in Dresden einzutreffen. An der Spitze der Truppenaufstellung erschien König Johann und beauftragte den Divisions-Kommandeur, der Truppe zu verkünden, dass seine Majestät, der Kaiser, den Kronprinzen von Sachsen zum General-Feldmarschall ernannt habe. Der König überreichte persönlich seinem Sohn Albert den General-Feldmarschallstab, ebenjener Albert, der zwei Jahre später selber König von Sachsen wurde.

Festlich empfangen wurden die 102-er in ihrem Truppenstandort Zittau, als sie am 12. Juli 1871 einrückten. Ohne offizielle Aufforderung hatte sich die Stadt geschmückt. Vom Bahnhof aus marschierten sie auf den Markt, wo sie sich unter den Klängen der Regiments-Musik aufstellten. Auf der Tribüne vor dem Rathaus, begrüßte Bürgermeister Haberkorn die Offiziere und Soldaten vor vielen tausend Bewohnern der Stadt und Umgebung, mit einem herzlichen Willkommen.

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Oberst Rudorff bedankte sich für die rührenden Worte des Empfanges und forderte das Regiment zu einem Hoch für die Bürger der Stadt auf, in welches die Soldaten freudig einstimmten. Die Zittauer schmückten die Offiziere und Soldaten mit Blumen und Kränzen, als sie in die Kaserne und die angewiesenen Quartiere einrückten. Bei ihren militärischen Einsätzen hatte das 3. Infanterie-Regiment Nr. 2 zwei Offiziere und 109 Soldaten verloren.

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