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Nach Unfall auf S148: Solidarität für Kekila

Zwei Mitarbeiter der Saftkelterei aus Lauba wurden unschuldig in den Unfall verwickelt und verletzt. Warum löste ein Airbag nicht aus?

Bei dem Frontalzusammenstoß auf der S148 bei Kottmarsdorf gab's am Dienstagnachmittag acht Verletzte.
Bei dem Frontalzusammenstoß auf der S148 bei Kottmarsdorf gab's am Dienstagnachmittag acht Verletzte. © Lausitznews.de/Philipp Mann

Aus noch ungeklärter Ursache prallte am Dienstagnachmittag auf der S148 bei Kottmarsdorf ein tschechischer Kia-Fahrer in den Gegenverkehr. Acht Menschen wurden verletzt. Unschuldig beteiligt: Zwei Mitarbeiter der Fruchtsaft-Kelterei Kekila aus Lauba, die gerade auf dem Rückweg in die Firma waren.

Es war kurz nach 16.30 Uhr, als Kekila-Chefin Kathleen Kitsche einen Anruf ihres Mitarbeiters bekam. Es sei ein Unfall passiert und er und sein Kollege verletzt. "Ich bin sofort zur Unfallstelle gefahren, weil ich mich natürlich um meine Mitarbeiter gesorgt habe", erzählt Kathleen Kitsche. Dort eingetroffen, sah sie das ganze Ausmaß des Frontalzusammenstoßes. Die Insassen des unfallverursachenden Kia waren schwer verletzt und wurden teils mit dem Rettungshubschrauber in die Kliniken Ebersbach, Görlitz und Zittau gebracht. Die Sprecherin des Klinikum Oberlausitzer Bergland, Jana-Cordelia Petzold, bestätigte auf SZ-Nachfrage, dass zwei dieser Patienten nach wie vor auf den Intensivstationen der Standorte Zittau und Ebersbach behandelt werden. Ein weiterer sei ins Görlitzer Klinikum ausgeflogen worden.

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Der Kekila-Mitarbeiter, der am Steuer des Mercedes Sprinter gesessen hatte, konnte seiner Chefin gestern noch berichten. "Er hat mir erzählt, dass er noch versucht hat auszuweichen, als der andere plötzlich auf seine Spur kam", schildert sie, "man sieht ja auch, dass der Sprinter ganz rechts am Straßenrand steht." Dass es sich bei dem Unfall um ein missglücktes Überholmanöver gehandelt habe, schließt Kathleen Kitsche aus: "Mein Mitarbeiter hat gesagt: ,Da war kein anderes Auto zum Überholen'."

Auch Anwohner berichten der SZ, dass sie sich die Ursache des Unfalls nicht erklären können: "An der Stelle hat es bislang noch nie gekracht, eher weiter unten an der Kreuzung nach Dürrhennersdorf", sagt eine Anwohnerin. Eigentlich sei die Strecke kurz vor dem Kottmarsdorfer Ortseingang gerade und gut einzusehen, Tempo 100 ist hier erlaubt. "Wir sind zehn Minuten vor dem Unfall dort noch entlang gefahren und haben dann erst gesehen, was passiert ist, als wir am frühen Abend nach Hause kamen", erzählt eine Kottmarsdorferin.

Der Kekila-Fahrer liegt nun mit Prellungen in der Klinik in Görlitz. Den Kollegen auf dem Beifahrersitz hat es schlimmer erwischt. "Er liegt mit Rippenbrüchen und Prellungen in Bautzen", sagt Kitsche. So bald wie möglich will sie die Mitarbeiter in der Klinik besuchen. Der Grund für die schweren Verletzungen des Beifahrers ist rätselhaft. "Der Airbag auf der Beifahrerseite hat nicht ausgelöst", erzählt Kitsche. Dabei sei der Sprinter ein brandneues Fahrzeug, erst seit Mai dieses Jahres in Betrieb. "Ich habe einen Automechaniker gefragt, der konnte sich das nicht erklären", erzählt Kathleen Kitsche. Das Auto sei noch von der Polizei beschlagnahmt und stünde in Löbau - mitsamt der Fracht.

Kathleen Kitsche hat durch den Unfall ihrer Mitarbeiter mitten in der Hauptsaison ein Problem. Doch ihre Geschäftspartner zeigen Solidarität.
Kathleen Kitsche hat durch den Unfall ihrer Mitarbeiter mitten in der Hauptsaison ein Problem. Doch ihre Geschäftspartner zeigen Solidarität. © SZ-Archiv / Steffen Scholz

Und damit hat Kathleen Kitsche jetzt auch ein betriebliches Problem. Gerade mal sechs Mitarbeiter hat die kleine Kelterei. "Wenn auf einen Schlag zwei Mitarbeiter und ein Fahrzeug ausfallen, ist das natürlich schon schwer." Denn in der Kelterei ist gerade Hochsaison. Viele Menschen bringen ihr Obst direkt zum Versaften nach Lauba. Aber zusätzlich betreibt Kekila einige Sammelstellen, von denen Mitarbeiter das Obst abholen. "Die beiden kamen gerade von der Sammelstelle in Seifhennersdorf und waren auf dem Weg, rund 300 Kilo Äpfel hier abzuladen", erzählt Kathleen Kitsche. Nicht nur, dass es in dieser Saison ohnehin wenig Obst gebe - jetzt fallen ihr auch noch Transport-Kapazitäten weg. Aber Kathleen Kitsche hat bereits Solidarität in der Not erfahren: "Die erste Sammelstelle hat heute ihr Obst selbst angeliefert, um uns zu entlasten."

Die bearbeitende Polizeidirektion Görlitz hat indes auch noch keine weiteren Hinweise auf die Unfallursache. "Es wird noch geklärt, ob Alkohol oder andere berauschende Substanzen im Spiel waren", sagt Pressesprecherin Anja Leuschner auf SZ-Anfrage. Noch habe man auch nicht alle Unfallbeteiligten vernehmen können.

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