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Solide Zahlen mit Nachgeschmack

Die Döbelner WG Fortschritt legt ein gutes Ergebnis vor. Aber die Probleme werden größer. Dabei will sie nicht zuschauen.

Im Haus Blumenstraße 71 saß die Verwaltung der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt bis vor zwei Jahren. Jetzt wird das Haus umgebaut. Es entstehen sechs Wohnungen, darunter die größte, die die Genossenschaft anbieten kann.
Im Haus Blumenstraße 71 saß die Verwaltung der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt bis vor zwei Jahren. Jetzt wird das Haus umgebaut. Es entstehen sechs Wohnungen, darunter die größte, die die Genossenschaft anbieten kann. © Norbert Millauer

Döbeln. Das vergangene Jahr hat die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt wieder mit einem ordentlichen Gewinn abgeschlossen. Aber es wird auch klar: Das Wirtschaften wird für Döbelns zweitgrößten Wohnungsvermieter schwieriger. Ein zunehmendes Problem ist der im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen hohe Altersdurchschnitt von knapp 64 Jahren und der dadurch wieder steigende Leerstand. 

Bei der Genossenschaft standen Ende vergangenen Jahres 5,4 Prozent der Wohnungen leer. Das sind mehr als im Jahr zuvor. Etwa die Hälfte der Auszüge seien dadurch bedingt, dass Mitglieder ins Pflegeheim gehen oder versterben, sagte der kaufmännische Vorstand Tino Hütter. Das könne derzeit nicht durch Neuvermietungen ausgeglichen werden. 

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„Das ist ein Trend, der uns in den nächsten Jahren begleiten wird“, sagte Hütter. Mit verschiedenen Bonusaktionen will die Genossenschaft gegensteuern. Mieter bekommen eine Zeit lang eine Monatsmiete pro Jahr als „Urlaubsgeld“ erlassen oder einen Gestaltungsbonus, um sich ihre neue Wohnung mit ein bisschen mehr Luxus auszustatten.

Es gebe viele Leute, die im Alter vom Lande in die Stadt ziehen, sagte Vorstand Sven Viehrig. Auf der anderen Seite machten die günstigen Kredite das Bauen für junge Familien attraktiv, die dann aber keine Wohnungen brauchen.

 „Viele junge Leute bleiben auch so lange wie möglich bei ihren Eltern wohnen“, sagte Hütter. Mit einer Wohnungsaktion versucht die Genossenschaft, den „Mietanfängern“ und Pendlern ihre Einraumwohnungen schmackhaft zu machen. Ins Verhältnis gesetzt, stünden von diesen mehr leer als Mehrraumwohnungen, sagte Viehrig.

Wohnküchen bei jungen Leuten beliebt

Die Zuschnitte der Wohnungen, die die Genossenschaft in ihren Altneubauten anbietet, seien für junge Leute nicht unbedingt attraktiv, so Viehrig. Die kleinen Bäder und vor allem auch Küchen seien das Problem. Deshalb sollen mehr der kleinen Küchen mit den Wohnzimmern zusammengelegt werden.

 Dass das bei den jungen Leuten ankommt, hatte auch das Projekt „Junges Wohnen“ ergeben, das die Genossenschaft zusammen mit Schülern des Lessing-Gymnasiums realisiert. „Dabei kam heraus, dass Wohnküchen sehr begehrt sind“, sagte Katja Näther, die das Projekt betreut. In den beiden Projektwohnungen an der Bertolt-Brecht-Straße sollen Küche und Wohnzimmer zusammengelegt werden.

Knapp 740.000 Euro Gewinn hat die Genossenschaft im Jahresabschluss 2019 ausgewiesen. „Ich denke, dass wir das Maximale herausgeholt haben“, sagte Tino Hütter. Besonders erfreulich: Dieses Ergebnis sei fast komplett aus der Hausbewirtschaftung erzielt worden. 

Irgendwelche Sondereffekte wie in vergangene Jahren habe es nicht gegeben. 2019 hatte die Genossenschaft rund 2,3 Millionen Euro in Modernisierung und Instandhaltung von Wohnungen gesteckt. Die Instandhaltungsaufwendungen waren komplett aus Eigenmitteln finanziert worden.

Sechs Wohnungen in ehemaliger Verwaltung

Nach Millioneninvestitionen in den Wohnpark in Döbeln Ost, in die Stadtvillen auf den Sonnenterrassen und in die neue Verwaltung bäckt die Genossenschaft jetzt wieder kleinere Brötchen. Aktuell läuft gerade der Umbau der alten Verwaltung im Haus Blumenstraße 71, wo sechs Wohnungen entstehen.

 Darunter eine Etagenwohnung mit 144 Quadratmetern – die größte, die die WG im Bestand hat. An den Häusern Blumenstraße 53 und 55 werden die Fassaden saniert, Balkone angebaut, ein Dach und die Heizungen erneuert.

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In den nächsten Jahren will die Genossenschaft dann wieder das Wohngebiet Döbeln Ost II ins Visier nehmen. An den Häusern am oberen Ende der Unnaer Straße sollen in Etappen Aufzüge angebaut werden, um den Leerstand in den obersten Etagen zu reduzieren, sagte Viehrig.

Mehr Informationen aus der Region Döbeln und Mittelsachsen finden Sie hier.

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