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Soll Schubert noch im Dynamo-Tor stehen?

Sein Wechsel in die Bundesliga sorgt für heftige Reaktionen. Manche Fans fordern, der Torwart müsse sofort weg. Was Ralf Minge und Cristian Fiel denken, sagen sie heute.

Spiel zu Ende, Handschuhe aus. Noch dreimal wird dies Markus Schubert im Dynamo-Trikot tun - wenn er in den letzten Spielen dabei ist.
Spiel zu Ende, Handschuhe aus. Noch dreimal wird dies Markus Schubert im Dynamo-Trikot tun - wenn er in den letzten Spielen dabei ist. © Robert Michael

Die letzte offizielle Aussage ist genau eine Woche her. Punkt 15.30 Uhr verschickte Dynamo an jenem 25. April die Pressemitteilung 58/2019, nach der zumindest für Markus Schubert in Dresden nichts mehr so ist wie es lange Zeit war. Er wolle zu einem Bundesligisten wechseln, habe der Torwart den Verantwortlichen mitgeteilt und deshalb die letzte Frist zur Annahme des vorliegenden Vertragsangebotes verstreichen lassen. 

"Es fühlt sich wie eine Niederlage an, wenn man als Verein einen Spieler fast zehn Jahre lang ausbildet und ihn dann schon ganz am Anfang seiner Profi-Karriere verliert. (...) Dennoch müssen wir die Entscheidung akzeptieren", wird Sportgeschäftsführer Ralf Minge in der Mitteilung zitiert, die am Ende den Karriereverlauf des 20-Jährigen skizziert. Letzter Satz: "Bisher absolvierte Markus Schubert 39 Zweitliga-Spiele für die SGD."

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Nimmt man den überwiegenden Tenor in Fanforen und sozialen Medien zum Maßstab,  ist bereits Schuberts 40. Partie am vergangenen Freitag in Ingolstadt eine zu viel gewesen. Insbesondere die aktive Fanszene, die mehrheitlich aus den Ultras Dynamo besteht und im K-Block des Rudolf-Harbig-Stadions ihre Heimat hat, ist aufgebracht. Schubert, der Verräter, dürfe ab sofort nicht mehr im Tor stehen, wird gefordert.

Cristian Fiel ist anderer Meinung. Angesichts hochkochender Debatten, er würde oder müsse Ersatzmann Patrick Wiegers bringen, erklärt der Cheftrainer: "Zu den wilden Gerüchten kann ich nichts sagen. Das Einzige, was ich sagen kann: Markus Schubert hat sich entschlossen, den Verein zu verlassen. Mehr weiß ich auch nicht. Doch ich habe keinen Grund gesehen, ihn aus dem Tor zu nehmen." Mehr möchte Fiel nicht sagen, obwohl oder gerade weil die Schmähgesänge der Ultras und ihr Hassplakat für Schubert ("Spieler kommen, Spieler gehen, doch du bist die größte Hure") auch ihn sichtlich beschäftigen. "Alles, was ich jetzt noch dazu sagen würde, wäre nicht gut", meint er und erbittet sich Bedenkzeit. Eine Nacht wolle er darüber schlafen. 

Auch der Sportchef kommt zur Pressekonferenz

Öffentlich darüber reden wird er nun heute Mittag bei der Pressekonferenz im Hinblick auf Dynamos Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Freitagabend. Es ist sechs Tage nach Ingolstadt zugleich die erste offizielle Stellungnahme des Vereins, denn auch Sportchef Minge hat sich angekündigt.

Schubert selbst schweigt weiter. Bereits in der Pressemitteilung am vergangenen Donnerstag hat er nichts gesagt und später lediglich, dass sein neuer Verein nicht RB Leipzig heißen wird. Doch das spielt mittlerweile schon keine Rolle mehr, die Deutungshoheit haben alle Beteiligten verloren. Und die Fans sind maximal verärgert – was offenbar weniger mit der Entscheidung an sich zu tun hat, als vielmehr mit dem Zeitpunkt und den Umständen. Dass sich Schubert erst jetzt entschieden hat und Dynamo bestenfalls eine Ausbildungsentschädigung erhält, aber keine Millionenablöse.

In einer Erklärung mit der Überschrift "Nichts ist größer als der Verein" verteidigen die Ultras Dynamo die Vorfälle in Ingolstadt. Ausführlich wird darin die Personalie Schubert abgehandelt und dabei deutlich, dass offenbar nicht nur Minge mit Schubert verhandelt hat. „Diverse Vertragsangebote seitens des Vereins sowie persönliche Nachrichten und Gespräche von Fans aus dem K-Block sollten ihn zum Bleiben überreden“, schreiben die Verfasser. Sie betonen auch, dass sich die deutliche Kritik nicht allein gegen Schubert richtet. Dessen privatem Umfeld und Beratern wird unterstellt, mit dem Transfer des Torwarts „ordentliche Kasse“ zu machen.

Denn Schubert hätte ja, meinen sie, wie die in den vergangenen zwei Jahren von Dynamo gewechselten Marvin Stefaniak und Niklas Hauptmann seinen Vertrag noch einmal mit einer festen Ausstiegsklausel verlängern können. Dass dies sogar die Absicht des Torwarts gewesen sein könnte, hat Minge indes im November angedeutet. „Wir setzen natürlich alles daran, ihn noch paar Jahre hier zu halten, und wir hätten das gerne schon früher glattgezogen“, sagte er auf SZ-Nachfrage.

Doch die krankheitsbedingte Auszeit von Februar bis Juli 2018 kam dazwischen, und nur mit ihm als seine Vertrauensperson wollte Schubert verhandeln. Nach dem Saisonbeginn – und Minges Rückkehr – war es für eine Vertragsverlängerung aber zu spät, Schubert dann außerdem schon wieder die unangefochtene Nummer eins und vermutlich das erste ernsthafte Interesse aus der Bundesliga da. Warum also noch einen neuen Vertrag unterschreiben mit einer festgelegten Ablösesumme, die in der Sommerpause dann keiner bezahlen will? Das könnten Schuberts Überlegungen gewesen sein.

RB Leipzig scheidet aus. Aber wer noch?

Demnächst irgendwann wird auch er sich erklären, vermutlich zunächst mittels Pressemitteilung des neuen Vereins. Welcher das sein könnte, ist nach wie vor offen. Einfacher lässt sich die Frage beantworten, wo Schubert nicht hinwechselt.

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Neben RB Leipzig, was er via Bild-Zeitung selbst ausgeschlossen hat, dürfte auch Eintracht Frankfurt nicht infrage kommen. Die Hessen wollen den ausgeliehenen Kevin Trapp unbedingt wieder dauerhaft verpflichten, und er will das ebenfalls. Darüber hinaus scheint tatsächlich alles offen. Womöglich ist es ein Klub, der die Verpflichtung des Junioren-Nationaltorhüters jetzt nicht bekanntgeben möchte - weil der Klassenerhalt noch nicht perfekt ist oder die vorhandenen Torhüter nicht aufgeschreckt werden sollen oder oder oder. 

Fakt sind derzeit drei Dinge: Dass Schubert den Verein verlässt, es darüber hinaus viele Fragen gibt und noch mehr vorgefertigte Meinungen.