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Leben und Stil

Sollte ich Ibuprofen vorübergehend absetzen?

Bei vielen Sachsen herrscht Unsicherheit, was das Coronavirus angeht. Zwei Ärzte beantworten Leserfragen.

Leser fragen sich: "Kann man denn eine Corona-Infektion und einen normalen Infekt durch Abhören unterscheiden?"
Leser fragen sich: "Kann man denn eine Corona-Infektion und einen normalen Infekt durch Abhören unterscheiden?" © dpa

UPDATE, Donnerstag 16 Uhr. Die WHO hat am Dienstag bei Coronaverdacht von der Einnahme Ibuprofens abgeraten. Am Donnerstag zog sie die Warnung wieder zurück. Mehr dazu in diesem Artikel.

Die Nachrichten zur Corona-Krise überstürzen sich, jeden Tag erreichen uns neue Fragen. Hier beantworten zwei Mediziner aus Sachsen einige davon: Dr. Sylvia Krug, HNO-Ärztin in Leipzig, und Professor Reinhard Berner, Leiter der Kinderklinik am Dresdner Uniklinikum.

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In meinem Freundeskreis gibt es „normale“ Grippekranke, die wohl beim Arzt nur gefragt worden sind, ob sie vor der Erkrankung in einem Risikogebiet waren. Tests wurden keine durchgeführt. Ist die Dunkelziffer dann nicht viel höher?

Die Ärzte handeln nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Demnach wird ein Verdacht einer entsprechenden Infektion nur verfolgt, wenn die Personen in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hatten. Das hat nichts mit den Kosten zu tun, sondern mit dem öffentlichen Auftrag, Infektionsketten aufzuspüren. Grundsätzlich haben Sie aber natürlich recht. Um realistische Erkenntnisse über die Häufigkeit des Virus zu bekommen, müsste man alle Patienten mit Anzeichen einer Atemwegsinfektion untersuchen. Dazu reichen die derzeit verfügbaren Labormöglichkeiten leider bei Weitem nicht aus.

Zurzeit kursieren verschiedene Meldungen, dass die Einnahme von Ibuprofen mit Risiken bezüglich des Coronavirus verbunden ist. Sollte ich das Medikament vorübergehend absetzen?

Davon würden wir abraten. Bisher gibt es keine konkreten Hinweise, dass sich durch die Einnahme von Ibuprofen der Gesundheitszustand verschlechtert. (Anmerkung der Redaktion: Inzwischen rät die WHO bei Coronavirusverdacht kein Ibuprofen einzunehmen.

Wir sind vor zwei Wochen aus Bayern zurückgekehrt. Meine Tochter hat seit zwei Tagen trockenen Husten, aber kein Fieber. Die Ärztin hat sie abgehört und die Diagnose normaler Infekt gestellt. Kann man denn eine Corona-Infektion und einen normalen Infekt durch Abhören unterscheiden?

Nein. Bei Rückkehr aus einem formalen Risikogebiet (da gehörte Bayern vor zwei Wochen nicht dazu) und Zeichen der Atemwegsinfektion würde man die Entnahme eines Abstrichs empfehlen. Bis zum Ergebnis gilt dann häusliche Quarantäne. Sie müssen erst mal nichts unternehmen.

Was muss ich tun, wenn ich den Verdacht habe, infiziert zu sein?

Wenn Sie aus einem Risikogebiet kommen bzw. Kontakt zu einer bestätigt-infizierten Person hatten und keine Beschwerden haben: Nehmen Sie telefonisch Kontakt mit dem Gesundheitsamt auf. Falls Sie aus dem Risikogebiet kommen bzw. Kontakt hatten und Beschwerden haben: Stellen Sie sich beim Arzt nach vorheriger telefonischer (!) Kontaktaufnahme vor. Der Arzt wird Sie telefonisch über den Behandlungsablauf informieren. Erst danach erfolgen ein Abstrich und die Behandlung.

Kann man jetzt noch zur Physiotherapie oder zur Akupunktur gehen?

Wenn Sie eine Einzelbehandlung und keine Wartezeiten haben, aber eine dringende Indikation besteht, kann man daran festhalten. Im Grunde gilt aber auch hier, Kontakte möglichst einschränken.

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Corona?

Laut Robert-Koch-Institut beträgt die Inkubationszeit im Mittel fünf bis sechs Tage. In Einzelfällen können aber auch nur ein Tag oder bis zu 14 Tage vergehen, bis sich Krankheitssymptome zeigen.

Was können wir im gemeinsamen Haushalt tun, damit sich der andere nicht ansteckt? Sollten wir die Türklinken desinfizieren oder gar in getrennten Betten schlafen?

Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Tröpfcheninfektion. Laut Robert-Koch-Institut ist eine „Übertragung durch Schmierinfektion/Infektion durch kontaminierte Oberflächen prinzipiell nicht ausgeschlossen“. Das bedeutet: Auch bei einer Einschränkung der Sozialkontakte, der Einhaltung von Distanz zum Partner, der Einhaltung der Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion usw. besteht durch die räumliche Nähe die Gefahr, sich beim Partner anzustecken.

Wenn Corona nachgewiesen wurde: Wie lange dauert es eigentlich, bis die Krankheit überstanden ist? Wie lange ist man noch ansteckend?

Das Robert-Koch-Institut gibt die Dauer der Infektiosität mit vier bis acht Tagen an. Die Krankheitsdauer selbst ist sehr unterschiedlich und hängt von der Schwere der Erkrankung ab.

Meine Vierfach-Impfung soll im März 2020 aufgefrischt werden. Gehe ich dabei ein Risiko ein?

Nein, die Impfung ist kein Risiko. Angesichts der angespannten Situation wäre es dennoch ratsam, wenn Sie mit Ihrem Hausarzt klären, ob die Impfung noch um drei bis sechs Monate zu verschieben ist.

Seit einigen Jahren nehme ich unter ärztlicher Kontrolle Dekristol 20000. Bin ich damit gut versorgt in Bezug auf die Vorsichtsmaßnahmen? Ich bin 81 Jahre und treibe regelmäßig Sport.

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Notiert von Steffen Klameth.