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Vertrocknen unsere Bäume?

In der Region Döbeln hält die Wärme an. Darunter leiden auch Pflanzen. Was Kommunen dagegen machen - und wie Anwohner helfen können.

Helfried Baran mit dem neuen Bauhof-Fahrzeug. Das verfügt über einen 1.000 Liter fassenden Gießwassertank. Damit hat die Stadt Leisnig in heißen Sommern jetzt die doppelte Bewässerungskapazität.
Helfried Baran mit dem neuen Bauhof-Fahrzeug. Das verfügt über einen 1.000 Liter fassenden Gießwassertank. Damit hat die Stadt Leisnig in heißen Sommern jetzt die doppelte Bewässerungskapazität. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. In Leisnig ist das Gießen sogar Thema im Stadtrat gewesen. Eines, das die Räte durchaus bewegt, wie die Diskussion zeigte. Michael Heckel (SPD) findet zum Beispiel, dass bestimmte Bäume wie die Platane vor der Kulturscheune Börtewitz ein wenig mehr Wasser vertragen könnten.

Angesichts der zurückliegenden heißen Sommer hat die Stadt Leisnig mittlerweile ein neues Fahrzeug mit einem 1.000 Liter Wasser fassenden Tank angeschafft. Damit können die Bauhofmitarbeiter nunmehr die doppelte Menge Gießwasser auf Rabatten und an „dürstende“ Straßenbäume verteilen.

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Alle zwei Tage rücken die Gießteams schon morgens um 5 Uhr aus, damit sie „rundrumkommen“. Bislang hat Leisnig jedes Jahr 120.000 Liter Wasser vergossen. Nun dürfte es einiges mehr werden.

Leisnig: Mit neuem Wasserwagen und Hilfe der Bauern

Dem Trinkwasser wird das nicht entzogen. „Wir können glücklicherweise ein Reservoire der Polkenberger Agrargenossenschaft nutzen“, sagen Bauhofchef Ralf Herrmann und Bürgermeister Tobias Goth (CDU) übereinstimmend.

Manche Landwirte helfen auch so, indem sie zum Beispiel im Zuge der Flurneuordnung neu angepflanzte Bäume mit bewässern. Der Landwirtschaftsbetrieb Löffler aus Nicollschwitz pflegt unter anderem eine solche „Patenschaft“, für die es nicht einmal einer vertraglichen Regelung bedarf, wie Eckhard Löffler (Freie Wähler) erzählte.

Waldheim: Gießen derzeit nur mit Leitungswasser

Der Großteil der Bäume und Pflanzen auf öffentlichem Gebiet bewirtschaftet in Döbeln ebenfalls der Bauhof. Wie Baudezernent Thomas Hanns erklärt, laufen die Bewässerungsmaßnahmen mittlerweile täglich. Durch die große Hitze und den wenigen Niederschlag sei es notwendig, zumindest an den wichtigsten Stellen in der Stadt zu gießen.

Beachtet werden dabei vordergründig junge Bäume, die ohne Unterstützung wohl nicht überleben würden, und große Pflanzflächen. „Vor allem die neu angelegten, damit sie auch über den Sommer reichen“, sagt Hanns.

Ähnlich sieht das in Waldheim aus. Wie Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) erklärt, wüssten die Mitarbeiter des Bauhofes genau, welche Flächen in Schuss gehalten werden müssen.

Zum Gießen muss die Stadt auf Leitungswasser zurückgreifen, da derzeit die Entnahme aus oberirdischen Flächen nicht erlaubt ist. Das Stadtoberhaupt freue sich auch sehr über engagierte Bürger, die bei der Bewässerung von Rabatten und Bäumen vor dem eigenen Grundstück helfen. 

Laut dem Vorsitzenden des Verschönerungsvereins in Waldheim Gerd Pfeifer sei die Pflege der städtischen Pflanzen in den letzten Monaten sehr gut. „Ich staune immer wieder, wie die Mitarbeiter der Gärtnerei das alles schaffen“, so Pfeifer.

Roßwein: Zu wenig Personal im Bauhof

In Roßwein werden in den Sommerwochen täglich knapp 6.000 Liter Wasser gebraucht, um alle wichtigen Blühstandorte zu befeuchten. Mit einem Auto ist der städtische Bauhof mittlerweile nicht mehr drei Mal, sondern fünf Mal in der Woche unterwegs, um diese Tätigkeit zu erfüllen. 

„Es ist derzeit wirklich Arbeit am Limit“, erzählt Leiterin Monika Weigel. „Zumindest mit dem knapp bemessenen Personal.“ Das Team versuche, Tag für Tag den größten Teil der Pflanzen zu retten. Doch ob das gelingt, weiß sie nicht.

Über die Hilfe aus der Bevölkerung ist sie sehr froh. „Wenn sich Leute finden, die vor ihrem Haus gießen würden, wäre uns sehr geholfen“, sagt die Bauhof-Leiterin. Dabei gibt die Fachfrau einen Tipp: Lieber zwei große Gießkannen und einen Tag Pause, als jeden Tag eine kleine Gießkanne. „Denn sonst gewöhnen sich die Pflanzen daran und können im Notfall nicht überleben.“ 

Auch der Bauhof würde diese Methode so befolgen. Zwar gebe es in der Stadt bereits sogenannte „Rabatten-Patenschaften“, bei denen sich Anwohner um Unkraut und ähnliches in den Bepflanzungen kümmern, aber gegossen werde eher selten, meint Monika Weigel.

Hartha: Arbeiten werden für Bewässerung geschoben

Auch Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) würde sich über Hilfe aus der Bevölkerung sehr freuen. Natürlich sei es Aufgabe des Bauhofes, sich um die Bewässerung der städtischen Pflanzen zu kümmern, jedoch seien diese „Lebensqualität“ für alle Harthaer.

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„Für das Gießen wurden im Bauhof derzeit andere Arbeiten geschoben, damit ausreichend Zeit für die Bewässerung bleibt“, sagt der Bürgermeister. Die Stadt habe aber Glück, da es eigene Brunnen gibt, die auch weiterhin Wasser hätten. 

Sollte die Hitze jedoch weiter anhalten, könnte es problematisch werden. Vor allem in Bezug auf alte Bäume im Stadtgebiet Hartha sieht Ronald Kunze dann schwarz.

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