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Irritation ums Rothenburger Sommerfest

Eigentlich soll es abgesagt werden. Doch die Stadträte wehren sich gegen den Beschluss. Aus einem bestimmten Grund.

Anzumelden gibt es in diesem Jahr nichts beim Rothenburger Sommerfest. Doch auch wenn die Stadträte den Beschluss zur Absage nicht fassten, fällt es aus.
Anzumelden gibt es in diesem Jahr nichts beim Rothenburger Sommerfest. Doch auch wenn die Stadträte den Beschluss zur Absage nicht fassten, fällt es aus. © Archiv/Rolf Ullmann

Die Beschlussvorlage war eigentlich klar formuliert, und auch der Inhalt unzweifelhaft: Das traditionelle Sommerfest sollte abgesagt werden. Dafür hätte ein Beschluss vom November 2019 aufgehoben werden müssen, der dem Spektakel am ersten August-Wochenende - lange vor der Corona-Krise - noch grünes Licht gegeben hatte. Doch es kam alles ganz anders.

Das Votum, der wegen der Abstandsvorgaben diesmal im Audimax der Polizeihochschule tagenden Stadträte, war letztlich eindeutig: Elf Räte stimmten mit Nein, nur vier mit Ja, einer enthielt sich der Stimme. Damit war der Aufhebungsbeschluss zur Durchführung des Sommerfestes abgeschmettert. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Das Sommerfest findet statt. Eigentlich. Denn so wird es nicht kommen. Der Bund hat alle Großveranstaltungen bis Ende August untersagt. Das gilt zweifellos auch für das Spektakel in der Neißestadt, zu dem in jedem Jahr eine fünfstellige Besucherzahl erwartet wird. Sachsens Sozialministerin Petra Köpping hatte in einer am 21. April eingegangenen Antwort auf die entsprechende Frage der Rothenburger Verwaltung noch einmal mitgeteilt, dass nicht damit zu rechnen sei, Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern vor dem 1. September durchzuführen.

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CDU will Kulturzuschuss ins nächste Jahr schieben

Dies war zweifellos auch den Stadträten klar. Allerdings verloren sie offenbar den Inhalt der Beschlussvorlage aus dem Blick. Auf Betreiben der Unionsfraktion ging es vielmehr darum, den städtischen Zuschuss für die Verpflichtung von Künstlern trotz Absage in den Haushalt für das nächste Jahr zu schieben. 12.000 Euro legt die Kommune in der Regel für die Sommerfest-Kultur auf den Tisch. 2021 würde man dann also 24.000 Euro zur Verfügung haben.

Geld würde helfen, Defizit im Haushalt zu verringern

Kämmerin Jane Stangret machte allerdings sofort ihre Bedenken klar: Schon im März habe es mit dem Inkrafttreten des Haushaltes 2020 eine teilweise Haushaltsperre gegeben. Im April sei diese dann auf eine vollumfängliche Sperre erweitert worden. "Wir hatten rund 1,8 Millionen Euro Gewerbesteuer im Plan, werden nach aktuellen Informationen aber nur etwas mehr als 1,3 Millionen Euro einnehmen. Der Fehlbetrag liegt aktuell bei 435.000 Euro." Auch wenn es erste Tendenzen für kommunale Hilfen des Staates gebe, bewege man sich finanziell "auf ganz dünnem Eis." Der nicht zu leistende Sommerfestzuschuss helfe, das Defizit zu verringern.

Absagebeschluss muss nachgeholt werden

Davon ließ sich die CDU-Fraktion jedoch nicht beirren und beauftragte die Verwaltung, im Juni-Stadtrat einen Vorschlag zu unterbeiten, was mit dem Geld passieren soll. Möglicherweise könne es für Anschaffungen verwendet werden, die man immer wieder zum Sommerfest braucht. Vielleicht erinnert man sich dann auch an den ursprünglichen Beschluss und sagt das Fest in diesem Jahr ganz korrekt ab.

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