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Sommerfest spaltet die Stadt

In Rothenburg wird öffentlich über den Ablauf des Volksfestes gestritten. Fällt künftig ein Tag weg?

Von Alexander Kempf

Der Sommer ist eigentlich Geschichte. Die Tage sind längst wieder kühl. In Rothenburg aber bewegt der Sommer noch immer die Gemüter. Zumindest das zurückliegende Sommerfest sorgt für hitzige Diskussionen. Denn nach dem Fest ist vor dem Fest. Stadträtin Roswitha Bättermann facht die Debatte über den Ablauf und die Inhalte der viertägigen Veranstaltung neu an. Von Mitte August bis Mitte Oktober hat sie eine Unterschriftenliste in drei Geschäften in Rothenburg ausgelegt. Die Unterzeichner haben gleich mehrere Forderungen. Statt vier soll das Sommerfest künftig nur noch an drei Tagen stattfinden. Außerdem sollen die Künstler auf der Freilichtbühne und nicht auf dem Markt auftreten.

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In der jüngsten Stadtratssitzung haben die Unterschriftenlisten für Wirbel gesorgt. Siegfried Schulz, der die Organisation des Sommerfestes über drei Jahrzehnte geleitet hat, beschuldigt Roswitha Bättermann, Unruhe zu stiften. „Was ist schlimm daran?“, entgegnet sie. Auch im Nachhinein will die Stadträtin die Unterschriftenliste nicht als Angriff verstehen. Das Meinungsbild solle vielmehr eine Diskussionshilfe sein. Denn laut Roswitha Bättermann gibt es mehrere Bürger, die sich an den teuren Eintrittspreisen und den lauten und langen Veranstaltungen stören. „Da wird gesagt, dass die Leute doch während des Sommerfestes in den Urlaub fahren sollen, wenn sie der Lärm stört. Das kann es doch nicht sein“, sagt die Stadträtin. Etwa 140 Rothenburger haben die ausgelegten Unterschriftenlisten bereits unterzeichnet. Mag sein, dass die Auswärtigen mit dem Sommerfest zufrieden sind, sagt Roswitha Bättermann. Die Rothenburger seien es nicht.

Die Kritik liegt dem Sommerfestbeirat nun schon einige Tage vor. Das Gremium habe bereits über die Anregungen beraten, sagt Siegfried Schulz. Einige Anregungen sollen auch aufgenommen werden. Die Art und Weise der Kritik ärgert den Leiter des Sommerfestbeirates aber noch immer. Denn Stadträtin Roswitha Bättermann fordere Dinge, die „nicht durchführbar“ sind. Ein Umzug der Stars auf die Freilichtbühne würde beispielsweise doppelte Kosten verursachen. Außerdem würden dort nicht nur die Mücken, sondern auch der Lärm vom Festplatz das Programm stören. Ros-witha Bättermann ist der Meinung, die Organisatoren sind eingefahren. Siegfried Schulz sagt, die Stadträtin hätte sich besser vorher informiert, was machbar ist und was nicht. Die Stadt scheint gespalten.

Die Kritik an den hohen Eintrittspreisen verfolgt Siegfried Schulz schon länger. Doch er hält drei bis fünf Euro pro Tag für gerechtfertigt. „Wenn es irgendwo Kultur gibt, dann ist sie zu bezahlen“, sagt Siegfried Schulz. Andernorts würden das große Sponsoren übernehmen. Doch damit könne Rothenburg nicht dienen. Auch die Diskussion über die Lärmbelästigung für Anwohner ist dem Organisator nicht neu. „Natürlich können einige nicht schlafen“, sagt Siegfried Schulz. Doch auf alles könne der Sommerfestbeirat nicht Rücksicht nehmen. Für das Team gelte die Devise: „Wenn wir es machen, dann auch richtig.“ Daher sei die Verkürzung des Sommerfestes von vier auf drei Tage im kommenden Jahr auch vom Tisch. Mit Kultur sei es wie mit der Farbe, sagt Siegfried Schulz: „Es wird darüber nie Einigkeit geben.“

Zumindest die Rothenburger Vereine sind sich am Dienstagabend einig gewesen, dass das Sommerfest auch 2014 an vier Tagen stattfinden wird. Das berichtet Bürgermeisterin Heike Böhm. Am 13. November soll der Stadtrat den Vorschlag des Sommerfestbeirats bestätigen. Denn Planungssicherheit ist wichtig, damit bereits jetzt Verträge mit Künstlern für das nächste Jahr abgeschlossen werden können. Für Musik, Moderation und Bühne sollen dann erneut 30 000 Euro zur Verfügung stehen. „Je früher man bucht, desto besser sind die Preise“, erklärt die Bürgermeisterin.

Beraten wird der Stadtrat kommende Woche auch, ob das Sommerfest ab 2015 nicht doch auf drei Tage verkürzt wird. Dafür soll ein Votum der Bürger eingeholt werden. „Das Sommerfest hat eine 300-jährige Tradition. Da müssen alle mitgenommen werden“, sagt Bürgermeisterin Heike Böhm. So eine Entscheidung könne nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werden.