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Wo jeder Keramik-Künstler werden kann

Frösche, Hühner, Fische: In Seitschen entstehen unter freiem Himmel aus Ton Figuren und mehr. Ein Tipp aus der Sommerserie "Abenteuer vor der Haustür".

In der Keramikwerkstatt von Sandy Löschau in Seitschen können Erwachsene und Kinder kreativ werden.
In der Keramikwerkstatt von Sandy Löschau in Seitschen können Erwachsene und Kinder kreativ werden. © SZ/Uwe Soeder

Seitschen. Das Stück Ton ist so groß wie eine Toastbrotscheibe XXL und auch ein bisschen dicker. Sandy Löschau greift nach einer Teigrolle und beginnt mit Druck, den grau-braunen Batzen zu bearbeiten. „Auf keinen Fall darf man den Ton kneten, dann würden wir wieder Luft hineinarbeiten“, sagt die Keramikerin. Ihren Arbeitstisch hat sie im Freien aufgebaut, eine leichte Sommerbrise weht über den Töpferhof in Seitschen bei Göda.

Riesige Blüten der zum Trocknen ausgelegten Rosen verströmen ein süßes Aroma. An den Wänden der Kreativwerkstatt hängen die Türen von alten Bienenbeuten – ein Anblick wie ein Adventskalender. Sandy Löschau taucht in ihre eigene Kindheit ein, während sie mit Hilfe einer Schablone aus der dünn gerollten Tonplatte ein Stück herausschneidet, das an einen Rock auf einer Kinderzeichnung erinnert. Ein weiteres Teil wird kreisrund – für ein Froschmaul. „Meine Oma Elfriede und ihre Schwester arbeiteten früher in einer Töpferei in Gaußig. Sie haben die Keramik bemalt – und ich durfte dort ein- und ausgehen“, sagt die 44-Jährige.

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Ihr Berufswunsch ist danach klar. Porzellanmalerin in der berühmten Meißner Manufaktur möchte sie werden. Doch ihren Schulabschluss macht die gebürtige Oberlausitzerin mitten in der Wende. Statt für den kreativen Beruf entscheidet sich die zweifache Mutter für eine handfeste Perspektive. Sie lernt im Einzelhandel.

© SZ Grafik

Der Ton verströmt ein erdiges Aroma. Sindy Löschau holt einen Frosch aus der Werkstatt im Haus. Wenn der Grünling fertig ist, bekommt er seinen Platz auf einem Zaunpfosten. Der ausgeschnittene Ton-Rock wird sein Oberkörper. „Bei meinen Schnupperkursen biete ich den Interessierten unterschiedlichste Figuren an: den Frosch, einen Fisch oder auch Berta, das Huhn“, sagt die Handwerkerin und lacht. An ihren handgefertigten Unikaten mag sie besonders die individuellen Ecken und Kanten.

Die Arbeit mit dem Ton hat sie einst noch im Kinder- und Jugendhaus „Wally“ in Bautzen begonnen. Den Traum von einer eigenen Werkstatt für Garten- und Küchenkeramik sowie Porzellan erfüllt sie sich vor über 20 Jahren mit dem Umzug nach Seitschen. Seit 13 Jahren lebt sie hauptberuflich von ihrer Landhauskeramik und dem „faszinierenden Werkstoff“.

Gerade hat sie ein neues Stück Ton abgeschnitten, groß wie eine Daumenkuppe, sorgsam lässt sie es in den Handflächen kreisen. Das werden die Augen des Froschs. Mit einem Holzstab pikt sie in die Kugeln, so wirken die Pupillen später lebendiger. Den Rock raut Sandy Löschau noch auf einer Seite auf, sodass die Kanten dann besser aufeinander kleben. Das Froschmaul wird einmal zusammengedrückt, dann kommen die Augen darauf. Nun ist der kleine Pfostenhocker schon gut zu erkennen.

Kleinere Kinder können bei den Keramikkursen in Seitschen Ton in Silikonformen drücken und so verschiedene Motive fertigen.
Kleinere Kinder können bei den Keramikkursen in Seitschen Ton in Silikonformen drücken und so verschiedene Motive fertigen. © SZ/Uwe Soeder

Sandy Löschau beschaut sich das Werk. Es fehlt aber noch das gewissen Etwas, sagt sie und lässt den Ton schon wieder zwischen ihren Händen kreisen. Für kleinere Kinder hat sie auch Silikonformen für Blumen, Tiere und tausend andere Kleinigkeiten, in die sich der Ton drücken lässt. Mit Hilfe so einer Form entsteht jetzt eine kleine Schnecke – und eine weitere handgemacht aus Tonrollen. „Das Schöne an diesem Angebot ist, dass schnell ein Ergebnis zu sehen ist“, sagt die Keramikerin. Immer donnerstags lädt sie zum Schnuppern auf den Landkeramikhof im alten Seitschener Postamt ein. Es können aber auch individuell Termine vereinbart werden.

Der Frosch wartet in Einzelteilen auf den großen Augenblick des Zusammensetzens. „Wir müssen den Kopf ordentlich anschlickern und aufpassen, dass die Figur ihr Gleichgewicht behält“, sagt Sandy Löschau, zu deren Töpferhof ein Landhausgarten mit verschlungenen Wegen und üppigen Rosen gehört. Ein bisschen wie in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung.

Viele Beispiele dafür, was aus Ton gestaltet werden kann, gibt es im Garten von Sandy Löschau zu sehen, unter anderem diesen Frosch.
Viele Beispiele dafür, was aus Ton gestaltet werden kann, gibt es im Garten von Sandy Löschau zu sehen, unter anderem diesen Frosch. © SZ/Uwe Soeder

Wegen Corona finden all ihre Kurse im Freien statt, mit Blick auf das grüne Refugium. Sandy Löschau taucht den Pinsel in eine dickflüssige Ton-Wasser-Pampe. Der Schlicker ist der Klebstoff für den Ton. Mit jedem Handgriff erwacht der Frosch jetzt mehr und mehr zum Leben. Auch eine Krone bekommt er noch auf den Kopf gesetzt. „Vier, fünf Tage muss die Figur zuerst an der Luft trocknen, danach geht sie in den ersten Brand bei 900 Grad“, sagt die Fachfrau.

Allerdings ist die Prozedur damit noch nicht abgeschlossen. Der Froschkönig wird geschliffen, glasiert und kommt erneut in den Ofen – bei wohligen 1.230 Grad. „Viele meiner Gäste kommen zwei Mal, um ihre Basteleien zu beenden“, sagt die Seitschenerin und bringt den zerbrechlichen Frosch in Sicherheit. Dann dreht sie noch eine Runde durch den Garten, wo auf Schritt und Tritt Löschaus Gartenfiguren zwischen den Pflanzen hervorschauen. Auch ein fertiger Frosch hockt auf seinem Pfosten. Ganz in Grün mit großen Augen döst er in der Feriensonne.

Schnupperkurse für jedermann

Schnupperkurse: Für kleine und große Tonkünstler gibt es regelmäßig Schnupperkurse in der Keramikwerkstatt in Seitschen. Das Sommer-Atelier lädt in diesem Jahr unterm freien Himmel ein. Auch individuelle Termine können vereinbart werden. Die Keramikerin begleitet ihre Gäste vom Anfang der Idee bis zur Oberflächengestaltung und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Technik: Sandy Löschau fertigt ihre Keramik größtenteils mit der Aufbautechnik ohne Verwendung der Töpferscheibe. Jedes Keramikstück ist so ein Unikat. Verwendet wird ausschließlich natürlicher Ton, der so verarbeitet wird, wie er in der Lagerstätte abgebaut wurde. Ihre Keramik, wie auch Porzellane sind im Laden und über den Internetshop erhältlich.

Termine: Einmal pro Woche gibt es einen Schnupperkurs, donnerstags von 15 bis 17 Uhr, wer teilnehmen möchte, sollte sich unbedingt zuvor anmelden. Außerdem bietet Sandy Löschau zahlreiche Workshops mit mehreren Terminen an.

Anmeldungen: im Laden, unter Telefon 035930 52073, per E-Mail an [email protected]

 Adresse: Landhauskeramik, Bahnhofstraße 6, 02633 Göda/OT Seitschen

Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 16 bis 18 Uhr

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