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Sonderauftrag für angehende Uhrmacher

Riesenfreude bei Nomos Glashütte und bei den Wempe Chronometerwerken. Beide Uhrenfirmen haben die „Goldene Unruh“ gewonnen. Mit diesem in der Branche sehr angesehenen Preis kürten die Leser des Uhren-Magazins,...

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Von Maik Brückner

Riesenfreude bei Nomos Glashütte und bei den Wempe Chronometerwerken. Beide Uhrenfirmen haben die „Goldene Unruh“ gewonnen. Mit diesem in der Branche sehr angesehenen Preis kürten die Leser des Uhren-Magazins, des Nachrichtenmagazins Focus und des Internetportals Focus „die besten Uhren der Welt“. Gestern Abend wurden die Preise im Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen feierlich verliehen.

Über diese Preisverleihung werden sich auch die Lehrlinge der Außenstelle „Uhrentechnik“ des Dippser Berufsschulzentrums in Glashütte freuen. Denn in ihrem Haus wurden die begehrten Trophäen hergestellt. Die Idee dazu entstand bei der Verleihung der „Goldenen Unruh“ vor zwei Jahren, erzählt die Leiterin der Einrichtung, Marion Vogler. Sie war davon begeistert und bereitete dafür ein Projekt vor.

Den Gestaltungsentwurf für die „Goldene Unruh 2009“ erarbeitete der Gastdozent der Schule, der Designer und Restaurator Thomas Heinicke. „Zunächst haben wir den Entwurf präzisiert, Details herausgearbeitet und einen Satz technischer Zeichnungen erstellt“, berichtet Frau Vogler. Danach wurden Technologien erarbeitet, Werkzeuge und Vorrichtungen hergestellt. Im September war dann alles perfekt. Die Arbeit konnte losgehen und 40 Uhrmacherlehrlinge, die vorwiegend im zweiten Ausbildungsjahr lernen, und einige Lehrmeister machten sich daran, die acht Unruhen herzustellen.

Teure Fremdleistungen

„Das war eine absolut anspruchsvolle Aufgabe“, erzählt Lehrausbilder Jürgen Mischok und verweist auf die Vorgeschichte. Denn in den vergangenen Jahren wurden die Preise bereits bei Lange Uhren und beim Glashütter Uhrenbetrieb gefertigt. „Diese Firmen haben sehr gute technische Voraussetzungen“, so Mischok. Und damit schufen sie kleine Meisterwerke, räumt er ein. Als Glashütter Ausbildungsstätte wollte man da nicht zurückstehen, schließlich geht es um die viel gerühmte „Glashütter Tradition“. Von daher war der Ansporn groß. Außerdem hielten sich die angehenden Uhrmacher immer auch vor Augen, wer die Preise bekommen soll. Denn darunter sind auch Uhrenhersteller, die bis zu 300000 Euro teure Zeitmesser produzieren.

„Es war eine große Herausforderung“, sagt auch Frau Vogler. Genau habe die Zeit niemand gemessen, die die Uhrmacherlehrlinge und ihre Ausbilder in einer speziell dafür gegründeten Arbeitsgemeinschaft zugebracht haben, um die Schräubchen, die Federn und die Rädchen herzustellen und zusammenzusetzen. Sie schätzt jedoch, dass dafür um die eintausend Arbeitsstunden notwendig waren. Und das war nicht in der regulären Ausbildungszeit zu schaffen, deshalb arbeiteten die Lehrlinge auch in ihrer Freizeit.

Um die Goldene Unruh in der geforderten Qualität abzuliefern, mussten die Teilchen noch vergoldet, rhodiert und in Schatullen verpackt werden, die von der Firma Köchert in Ilmenau hergestellt wurden. Bei diesen sehr kostenintensiven Fremdleistungen griff die Firma Nomos der Berufsschule materiell unter die Arme.

Trotz der vielen Arbeit zeigte sich Marion Vogler am Ende sehr zufrieden: „Für die angehenden Uhrmacher war das eine gute Gelegenheit, ihr hohes Ausbildungsniveau zu dokumentieren.“