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Bautzen

Sonderschichten wegen Corona

Viele Lebensmittelhersteller arbeiten zurzeit am Limit wie sonst nur im Hochsommer oder vor Weihnachten. Einige haben aber andere Sorgen.

Wegen der gestiegenen Nachfrage arbeiten die Beschäftigten bei Oppacher derzeit in zwei Schichten – damit Mineralwasser und Erfrischungsgetränke nicht ausgehen.
Wegen der gestiegenen Nachfrage arbeiten die Beschäftigten bei Oppacher derzeit in zwei Schichten – damit Mineralwasser und Erfrischungsgetränke nicht ausgehen. © Steffen Unger

Oppach. So schnell leert sich das Lager sonst nur im Hochsommer. Ein Laster nach dem anderen fährt seit einigen Tagen mit Wasser und anderen Erfrischungsgetränken vom Hof der Oppacher Mineralquellen. Die Geschäftsführung hat blitzschnell reagiert und das Unternehmen in den Hitze-Modus versetzt, berichtet Sprecher Norbert Rogge.

Jetzt arbeitet der Getränkehersteller im Gewerbegebiet Wassergrund nicht mehr einschichtig, sondern in zwei Durchgängen. Ein Kraftakt aus zwei Gründen: Erstens ist Oppacher im Sommer auf mehr Arbeit vorbereitet und stellt die Dienstpläne langfristig auf die erhöhte Nachfrage ein. Diesmal aber musste das von heute auf morgen gehen.

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Und zweitens fehlen im Moment fast zehn Tschechen, die bei den Oppacher Mineralquellen arbeiten. „Sie müssen wir durch eigene Mitarbeiter ersetzen. Dafür war es notwendig, innerhalb des Unternehmens einige Aufgaben anders zu verteilen“, sagt Rogge. Und es funktioniert. Die Lager füllen sich wieder, „unser gesamtes Sortiment ist lieferbar“, versichert der Oppacher-Sprecher. Am meisten nachgefragt sei auch jetzt Mineralwasser medium mit wenig Kohlensäure.

Wurstpakete über Amazon

Auch andere Getränkehersteller müssen sich wegen der Corona-Krise neu organisieren. Beispielsweise das Bautzener Brauhaus. Gaststube und Biergarten sind verwaist, das Haus ist seit einigen Tagen geschlossen. Doch auch wenn der Zapfhahn Zwangspause macht, wird weiter Bier gebraut und abgefüllt. Ob die Kunden jetzt zu mehr Bautzener Flaschenbier als sonst greifen und so die Ausfälle an frisch Gezapftem zumindest etwas wettmachen, lässt sich nach Aussage einer Sprecherin aber erst nach einiger Zeit bilanzieren.

Unter Hochdruck arbeitet auch der Wurst- und Fleischwarenhersteller Meister’s in Bautzen. Viele Kunden greifen jetzt mehr zu abgepackter Ware und bevorraten sich – Hersteller wie Meister’s spüren das in den Auftragsbüchern. Geschäftsführer Karlheinz Schlenkrich berichtet von einem erhöhten Auftragsvolumen durch gestiegene Verkäufe über den Online-Versand Amazon und einer verstärkten Nachfrage beim Export.

Und auch wenn nicht absehbar ist, ab wann hierzulande wieder Volks- und Gartenfeste stattfinden dürfen, wirft doch die nahende Grillsaison ihre Schatten voraus – die Kunden kaufen schon mal Würste und Fleisch.

Im Betrieb herrschen jetzt verschärfte Personal- und Hygiene-Regeln, um die Funktionsfähigkeit aller Prozesse zu sichern. Die gestiegene Nachfrage nach Meister’s-Produkten lässt Geschäftsführer Schlenkrich und die rund 70 Mitarbeiter hoffen, dass die gegenwärtige Insolvenz des Unternehmens bald Geschichte sein wird.

Bei Sachsenmilch in Leppersdorf läuft alles wie immer, erklärt Unternehmenssprecher Alexander Truhlar. Der Fokus liege nach wie vor auf der Sicherung der Produktion und der Gesundheit der Mitarbeiter – was bei rund 2.300 Beschäftigten einiges Augenmerk erfordert.

Kein Appetit auf Lebkuchen?

Ganz andere Sorgen bewegen Ines Frenzel. Die Chefin der Pulsnitzer Lebkuchenfabrik GmbH hatte eigentlich auf mehr Absatz gehofft, da ihre Produkte ja als besonders haltbar gelten. Aber das Gegenteil sei der Fall. „Kunden kommen so gut wie keine mehr in unseren Laden.“

Im Internet bietet das Unternehmen seine Lebkuchen weiter an, auch viele Produkte für Ostern – zum Beispiel Spitzen mit Eierlikör oder Lebkuchen-Hasen. „Aber auch da wird im Moment weniger bestellt als andere Jahre um diese Zeit“, sorgt sich Ines Frenzel. „Das liegt vielleicht an der ganzen Stimmung im Moment. Keiner kann sich richtig auf Ostern freuen.“

Im Frühjahr steuern sonst oft auch Reisebusse oder Oldtimer-Ausfahrten die Pulsnitzer Fabrik an, diesmal bleiben sie fern. Auch hätten Kunden in anderen Jahren Lebkuchen für Frühjahrsfeste, Messen oder Hochzeiten bestellt. Jetzt sei vieles auf den Herbst verschoben. Ines Frenzel hofft, dass dann die jetzt ausbleibenden Bestellungen eingehen.

Bäckermeister André Fehrmann aus Göda ärgert, dass alle immer nur über die Supermärkte und deren Versorgungssicherheit reden. „Kaum einer spricht von den regionalen Erzeugern. Sei es der Bäcker, der Fleischer, der Bauer mit seinem Hofladen, und, und, und! Wir haben es momentan alle schwer und mit Umsatzrückgängen zu kämpfen.“ Deshalb gebe es in der jetzigen Situation kaum einen Handwerksbetrieb, der Sonderschichten zu leisten hat.

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