merken
PLUS Görlitz

Gefahr Hautkrebs - die Hitze auf dem Bau

Bauarbeiter sind in diesen Tagen besonders gefährdet. Doch Zahlen zeigen: Sie sind nicht die einzigen im Landkreis Görlitz.

Unter Sonnenschirmen: Arbeiter der Firma Strabag haben voriges Jahr auf dem Görlitzer Postplatz die Pflastersteine verlegt.
Unter Sonnenschirmen: Arbeiter der Firma Strabag haben voriges Jahr auf dem Görlitzer Postplatz die Pflastersteine verlegt. © Nikolai Schmidt

Reichlich 30 Grad im Schatten, aber die Baustelle liegt in der prallen Sonne: Bauarbeiter sind in diesen Tagen nicht zu beneiden. Glück haben da zumindest all jene, die unter einem Sonnenschirm arbeiten können, etwa beim Pflastern. Beim Asphaltieren hingegen kommen zu den 30 Grad von oben locker noch 70 Grad von unten hinzu. Und das ohne Schutzschirm.

Fast ein Prozent war 2018 betroffen

Eine Folge: Arbeiter im Straßenbau haben ein besonders hohes Hautkrebsrisiko. Jetzt hat die Krankenkasse IKK classic ihre Daten für den Landkreis Görlitz ausgewertet. Ergebnis: Es gibt eine leichte Zunahme von Hautkrebserkrankungen – und zwar nicht nur bei Bauarbeitern, sondern unter allen Versicherten. 2018 wurden 0,99 Prozent der IKK-Versicherten im Landkreis wegen Hautkrebs ärztlich behandelt. Im Jahr 2013 waren es 0,93 Prozent. Sachsenweit wurden 2018 sogar 1,4 Prozent der IKK-Versicherten mit Hautkrebs medizinisch betreut. Die Kasse rät zu einem bewussten Umgang mit der Sonne, zu Sonnenschutz und regelmäßigem Hautkrebsscreening.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Auch bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) ist das Thema längst angekommen, sagt Sprecherin Christiane Witek: „Wir informieren regelmäßig dazu, wie man sich schützen kann.“ 

Die wichtigsten Tipps:

- Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Sonnenschirmen und -segeln, Überdachungen und Abdeckungen

- Schatten suchen, starke Sonne meiden, vor allem zur Mittagszeit

- Schutz durch lange Kleidung

- Geeignete Kopfbedeckung tragen und Ohren sowie Nacken schützen

- Sonnenbrille mit Seitenschutz nutzen

- Eincremen der unbedeckten Körperstellen, am Besten mit Lichtschutzfaktor 50

- Wahrnehmung arbeitsmedizinischer Vorsorge und Krebsfrüherkennung

Berufsgenossenschaft schafft Anreize

Die BG Bau versucht auch, selbst Anreize zu schaffen. „Wir fördern zum Beispiel die Anschaffung von Wetterschutzzelten“, sagt Christiane Witek. Nach Angaben der BG Bau machte sonnenbedingter Hautkrebs voriges Jahr mit 3.131 gemeldeten Verdachtsfällen fast ein Viertel aller gemeldeten Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft aus – mehr als jede andere Diagnose. Für die Berufskrankheit Hautkrebs wurden 2019 für Heilbehandlung, Reha und Renten 14,29 Millionen Euro aufgewendet.

Die Gewerkschaft IG Bau hat das Thema auch schon seit etwa zehn Jahren auf dem Schirm und sogar eine Arbeitsschutzabteilung eingerichtet, sagt Klaus Hartung, stellvertretender Regionalleiter. Die IG Bau rät zu ähnlichen Maßnahmen wie die BG. „Wichtig ist, dass die Leute nicht mit freiem Oberkörper arbeiten“, sagt Hartung. Zudem gebe es sogar Kühlwesten: „Die kühlen wirklich runter.“ Leider würden viele Firmen diese nicht nutzen. Die IG Bau verschickt auch regelmäßig Infos an Unternehmen, rät ihnen auch zur Verlängerung der Pausen, erklärt Hartung.

Firma stellt Paket zur Verfügung

Und was machen die Firmen selbst? „Wir haben unseren Mitarbeitern vor ein paar Wochen Hautschutz-Pakete zur Verfügung gestellt“, sagt Michael Freiwerth von der Görlitzer Gleis- und Tiefbau GmbH. Im Paket enthalten sind Sonnenbrillen, Kopfbedeckung mit Nackenschutz, besondere T-Shirts mit UV-Schutz und natürlich Sonnencreme. Nächstes Jahr soll es solche Pakete erneut geben, kündigt Freiwerth an. Positiv bei ihm: „Wir hatten noch keinen Hautkrebs-Fall in unserer Firma.“

Letzteres trifft auch auf die DGG Dach- & Gebäudesanierung Görlitz GmbH zu, sagt Geschäftsführer Rainer Neumann. Die meisten seiner Mitarbeiter sind Altgesellen, die seit 30 Jahren auf dem Dach stehen. Doch auch sie erhalten jährlich eine Arbeitsschutzbelehrung, die auch das Thema Sonnenschutz umfasst. Die DGG stellt Sonnencreme und Getränke und rät ihren Mitarbeitern, sich entsprechend zu kleiden. „Auch ein Strohhut hilft“, sagt Neumann.

Nieskyer Unternehmen gibt Arbeitern Tipps

Die Straßen- und Tiefbau GmbH See im Nieskyer Ortsteil See stellt ebenfalls Sonnencreme und Getränke kostenlos zur Verfügung, sagt Geschäftsführer Wolfgang Riedel. Auch er rät zu T-Shirt und Kopfbedeckung. Den Erfolg von Kühlwesten hält er hingegen für fraglich. „Die meisten Baumaschinen haben ein Dach, das bietet einen gewissen Schutz“, sagt Riedel. Bei Lkw-Fahrern stellt er aber oft fest, dass ein Arm braun gebrannt ist und der andere weiß: „Das lässt sich nicht abstellen.“

Weiterführende Artikel

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

SZ-Redakteur Ingo Kramer kommentiert, warum Hautkrebs nicht nur auf dem Bau eine echte Gefahr ist.

Bei der Strabag AG, die in Görlitz den Postplatz gebaut hat, erhalten die Mitarbeiter neben Sonnenbrillen und -creme auch spezielle Arbeitsschutzkleidung, etwa Kühlwesten, Hosen und T-Shirts. Das sagt Sprecherin Verena Claasen. Auch die Vorverlegung der Arbeitszeit in frühere Morgenstunden und häufigere, kurze Arbeitsunterbrechungen im Schatten seien sinnvoll.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz