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Sebnitz

Heute bleibt die Küche kalt

Noch sind die Gaststätten geschlossen. Die Vorfreude auf die Neustarts ist aber groß. Heute mit: Hotel und Gaststätte Sonnenhof Hinterhermsdorf.

Steffen Gebhardt vor seinem Sonnenhof in Hinterhermsdorf.
Steffen Gebhardt vor seinem Sonnenhof in Hinterhermsdorf. © Daniel Schäfer

Steffen Gebhardt, der Chef vom Sonnenhof in Hinterhermsdorf, würde viel lieber in seinen Töpfen rühren. Derzeit repariert er aber eher Bänke und streicht sie. Deshalb bleibt bei seinem Rezept die Küche kalt. Rezepte hat er trotzdem viele im Kopf. Und seine Idee umzusetzen, das dürften auch Ungeübte schaffen. Der Sonnenhofwirt liebt es, mit frischen Zutaten aus der Region zu experimentieren und zu kochen und hat sich auch von Anfang an für regionale Händler entschieden.

Sein Rezept: Geräucherte Forelle mit einem frühlingshaften Salat.

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Dazu nimmt  er eine geräucherte Forelle vom Lachsbach aus Rathmannsdorf. Ohne viel zu erzählen putzt er ein paar Möhren, hobelt diese, wie auch etwas Weißkraut. Gurken in dünnen Scheiben, geviertelte Tomaten und Blattsalat kommen noch dazu. Dann rührt er ein Dressing an, das aus Naturjoghurt, Zitrone, frischem Dill und frischem Bärlauch besteht. Zum Schluss richtet er den Salat einzeln auf jeder Platte an, gibt die Forelle dazu und eine Scheibe kräftiges dunkles Brot. Und fertig ist das leckere Gericht. 

Jede Hausfrau weiß: Bleibt die Küche kalt, bleiben mehr Zeit für Unterhaltung und Gespräche. Steffen Gebhardt nimmt auf seiner großen Außenterrasse Platz. Über ihm fangen die Äste der fast 270 Jahre alten Kastanie an zu grünen. Eigentlich könnte er am 1. Mai ein Jubiläum feiern: 25 Jahre Sonnenhof. Denn genau an diesem Tag im Jahr 1994 hat Steffen Gebhardt Hotel und Gaststätte übernommen.

Doch statt für seine Gäste zu kochen, kümmert er sich jetzt ums Grundstück. "Bei uns kommen kaum Wanderer oder Zufallsgäste vorbei. Dadurch entfällt eine Imbissversorgung oder auch ein Lieferdienst", sagt er. Mit seiner Familie und seinem Team hat er am Haus fünf Hektar Land zu pflegen, kümmert sich um angrenzende Wanderwege und die Beschilderungen. Da gibt es immer etwas zu tun, auch wenn das jetzt zwangsweise geschehen muss. 

Und da sein Sonnenhof eben auch idyllisch gelegen ist, gibt es in der Umgebung auch einige Bänke, auf denen die Gäste verweilen können. Insgesamt sind das 15 Bänke. In diesem Jahr war coronabedingt mehr Zeit, sie aufzustellen. Einige mussten repariert werden, andere bekamen einen neuen Anstrich. Auch im Gästegarten hat sich schon einiges getan. Der Zaun ist neu und neue Pflanzkübel wurden auch angeschafft. Die konnten mittlerweile auch bestückt werden.  Alles wichtige Arbeiten, die ansonsten nebenbei erledigt wurden. 

Dabei ist es für Steffen Gebhardt nicht die erste Krise, die er auf seinem Sonnenhof erlebt. Nach den schweren Unwettern im August 2010 hatte es nach einem Hangrutsch einen Teil seiner Zufahrt weggespült. Die musste neu gebaut werden. Bis es soweit war, verging ein reichliches Jahr. Seine Gäste gelangten nur über eine marode Ausweichstrecke zu ihrem Quartier. Auch da gab es einige Absagen von langjährigen Gästen. Das hat er weggesteckt.

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Wie es jetzt in der Corona-Krise weiter geht, ist auch bei ihm ungewiss. "Lange halten wir und unsere sieben Mitarbeiter diesen Zustand nicht mehr durch, denn der wirtschaftliche Schaden ist in diesem und auch im nächsten Jahr nicht mehr auszugleichen", sagt der Hotelier. Neue Kredite wird er keine aufnehmen können, da er noch die alten bedienen muss. Immerhin hatte er in den letzten Jahren ziemlich viel Geld in seinen Sonnenhof investieren müssen. "Wir freuen uns über den vielen Zuspruch der Gäste, die bisher stornieren mussten. Sie haben uns aber versichert, den Urlaub in diesem oder im nächsten Jahr nachzuholen. Auch er hoffe, dass die Beschränkungen für Gaststätten bald aufgehoben werden, ansonsten würden Wanderer und Gäste in der gesamten Sächsischen Schweiz bald vor für immer geschlossenen Türen stehen. Die Hoffnung vieler Gastronomen auf eine schnelle Wiedereröffnung vielleicht schon ab 4. Mai hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bereits gedämpft.

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