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Sonniges Mittelalter mit Besucherrekord

Über siebentausend Gäste erlebten das Osterspectaculum auf Schloss Burgk. Eine gelungene Zeitreise.

Von Thomas Morgenroth

„Früher hat das Publikum mitgeklatscht, wenn die Spielleute Musik gemacht haben. Und heute ist früher“, sagt Max von Gluchowe. „Den Männern rate ich allerdings, vorher die Hände aus den Taschen zu nehmen. Es könnte etwas dazwischen sein“, mahnt der spitzbärtige Musiker und verdreht die Augen, als wüsste er, wie sich das anfühlt. Dann streicht er über die acht Saiten der Cister und beginnt zu singen: „Vive la compagnie“. Neben ihm stimmt Holger „Hopfenstreich“ Hoffmann in den Gesang ein und dreht an der Leier. Zusammen sind sie Pampatut, ein Garant für beste Unterhaltung auf Mittelaltermärkten. Nicht anders in Freital.

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Auf dem Hof des Schlosses Burgk bildete sich rasch eine Menschentraube vor der kleinen Bühne, auf der das sächsisch-thüringische Duo mit frivolen und schwarzhumorigen Liedern, aber auch launigen und derben Sprüchen am Karsonnabend das 13. Osterspectaculum einläutete. Das Volk feixte und applaudierte, und wer vom Max mit seinem losen Mundwerk und dem Kurbelpaganini nicht genug bekommen konnte, hatte bis Ostermontag noch mehrfach Gelegenheit, deren Moritaten und Balladen zu beklatschen. Während Pampatut zu den Künstlern der ersten Stunde auf dem Spectaculum in Freital zählen, hatte Marktvogt Karl von Dräsn die Leipziger Fechtgruppe Armourer & Armory (Waffenschmiede und Zeughaus) zum ersten Mal eingeladen. Eine ausgezeichnete Wahl, auch wenn manches Kind zunächst enttäuscht war, weil die Ritter nicht sofort mit ihren Schwertern aufeinander einschlugen und tot auf der Wiese liegenblieben. Denn das, erklärte Andreas Patek, ist anders gewesen als heute oft vorgeführt. Dem 27-Jährigen aber ist eine korrekte historische Darstellung wichtig.

Patek erklärte die Rüstung, die bis zu fünfzig Kilogramm wiegen konnte, und beantwortete die Frage, wie denn so ein rundum geschützter Mann mit den damaligen Waffen überhaupt zu besiegen ist. Mit Haudrauf jedenfalls nicht. „Der Schwertkampf ist wie ein Schachspiel, ich muss dem Gegner immer zwei Züge voraus sein“, sagte der professionelle Ritter, der Denkmalschutz und Architektur studiert hat und vor drei Jahren sein Hobby zum Beruf machte. Das Schwert wird weniger zum Schlagen denn als Hebel benutzt, um den feindlichen Ritter auf den Boden zu zwingen. Dort regiert dann der Dolch.

Die Frage nach Leben oder Tod war damals oft nach zwanzig Sekunden entschieden. Schaukämpfe dauern natürlich deutlich länger, sonst hat der Zuschauer ja nichts davon, und am Ende stehen die Besiegten wieder auf. Die Waffen sind dennoch echt, was Andreas Patek vor seinem Duell mit Hobby-Ritter Christian Weigelt zu dem Hinweis veranlasste: „Passt auf eure Kinder auf. Nachgemacht sind sie schnell, aber die Aufzucht dauert...“

Karl von Dräsn behält beim Treiben auf Schloss Burgk den Durchblick. „Er ist ein Profi, der das Mittelalter lebt“, sagt sein Chef Thomas Szymkowiak vom Projektzentrum Dresden. Als Marktvogt muss Karl koordinieren und organisieren, eingreifen, wenn es irgendwo hakt, auch mal mahnen. Gar nicht so leicht bei 200 Mitwirkenden, 60 Ständen und deutlich mehr als 7 000 Gästen, die an drei Tagen bei meist sonnigem Wetter das Gelände bevölkerten. „Das ist ein neuer Besucherrekord“, freut sich Szymkowiak.