merken
PLUS Sachsen

Herr Müller kann auf Frau Müllerowa hoffen

Eine Expertenkommission der Bundesregierung hat sich für Änderungen beim sorbischen Namensrecht ausgesprochen

Mit der Reform wäre es Sorbinnen möglich, eine weibliche Form des Familiennamens zu führen.
Mit der Reform wäre es Sorbinnen möglich, eine weibliche Form des Familiennamens zu führen. © dpa

Seit Herbst 2018 haben die in Sachsen lebenden Sorben darauf gehofft. Damals setzte die Bundesregierung eine Arbeitsgruppe ein, die sich seitdem mit den meist langwierigen und schwierigen Änderungen beim deutschen Namensrecht beschäftigt.

Vor allem ein Punkt, den die Experten prüfen wollten, hat es den Sorben angetan, weil damit erstmals die Fortführung einer für sie wichtigen Tradition möglich werden würde. Gemeint ist die auch in etlichen osteuropäischen Ländern übliche Namensvariante für verheiratete Frauen, die aus Herrn und Frau Müller künftig ganz offiziell Herrn Müller und Frau Müllerowa machen würde.

Teppich Schmidt
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
Sieben Wohnwelten – ein Geschäft

Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Für Sorben bedeutet dieser Namenszusatz sehr viel, da sich damit öffentlich jederzeit zu ihrer eigenen Identität bekennen können. Bisher ist die offizielle Bezeichnung „Frau Müllerowa“, die dann auch in allen Ausweispapieren und im Melderegister auftauchen würde, allerdings nicht erlaubt. Dem Staat sind die Prinzipien der Namensklarheit und Namenskontinuität bislang wichtiger. Doch das könnte sich womöglich bald ändern. Denn die erwähnte Expertengruppe, bei der die Bundesregierung vorab erklärte, dass man mögliche Rechtsänderungen von ihrem Urteil abhängig machen wird, hat nun ein Papier mit Änderungsvorschlägen vorgelegt.

Darin enthalten ist auch die Empfehlung, dass es bei den künftigen Regelungen zur Namenswahl „keine Vorgaben hinsichtlich einer – insbesondere bei Namen sorbischen oder slawischen Ursprungs üblichen – geschlechtsbezogenen Form des Familiennamens“ geben soll. Im Klartext: Aus Frau Müller könnte künftig Frau Müllerowa werden, wenn die Bundesregierung dieser Empfehlung zustimmt.

Noch viel politische Überzeugungsarbeit

Der Dresdner FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst, der sich mehrfach für eine solche Änderung t hat: „Ich freue mich sehr über den Vorschlag. Jetzt gilt es aber, den Sorbinnen schnellstmöglich dieses Recht per Gesetz zu geben. Es ist für mich daher nicht nachvollziehbar, dass ein entsprechender Beschluss erst für die kommende Wahlperiode des Bundestages, also nach 2021, angedacht ist.“

Weiterführende Artikel

Herr Müller wartet auf Frau Müllerowa

Herr Müller wartet auf Frau Müllerowa

Die Bundesregierung prüft eine Neuregelung für Familiennamen von sorbischen Eheleuten – dabei gibt es aber Probleme.

Auch die sorbische Interessenvertretung Domowina begrüßt die Aussicht auf eine Änderung des Namensrechtes. „Es geht uns bei diesem Thema nicht um eine weitere Verpflichtung, sondern eine neue Möglichkeit. Das Recht, seinen sorbischen Namen nach unseren Gepflogenheiten auch in amtliche Dokumente eintragen lassen zu können, gehört aus Sicht des sorbischen Dachverbandes zum verfassungsmäßig garantierten freien Bekenntnis als Sorbin und Sorbe“, erklärte Domowina-Chef Dawid Statnik. „Fakt ist, dass wir noch viel politische Überzeugungsarbeit vor uns haben, damit die Empfehlungen auch Gesetz werden.“

So heißt es nun auch für ihn, abwarten und schauen, ob und wann Frau Müllerowa tatsächlich zu ihrem erhofften Namenszusatz kommt.

Mehr zum Thema Sachsen