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Sorbenstube in Spremberg sehr beliebt

Der neue Eigentümer der Gaststätte vereint jetzt sorbisches Brauchtum mit italienischem Flair.

Der Sorbische Spremberger Hochzeitszug am 11. August 2007 beim Spremberger Heimatfest.
Der Sorbische Spremberger Hochzeitszug am 11. August 2007 beim Spremberger Heimatfest. © Foto: Archiv

Von Jost Schmidtchen

Spremberg. Das Rathaus ist mit der Sanierung seines Turmes wieder einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Inzwischen ist der Turm bis etwa zum Viertel seiner Höhe eingerüstet. Später wird die Rüstung bis zur Turmspitze reichen. Das hat es zuletzt vor 120 Jahren gegeben, wie alte Fotos von 1898/99 zeigen. Damals erfolgte eine Komplettsanierung des Rathauses. Der Rathausturm ist bis zur Wetterfahne etwa 37 Meter hoch und steht unter Denkmalschutz.

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Schon vor zwei Jahren gab es rund um das Rathaus Erfreuliches: Nach zehnjährigem Dornröschenschlaf öffnete der Ratskeller wieder seine Pforten. Die neuen Inhaber Andrea und Joemi Osmani kommen aus Italien und fanden in der gastronomischen Einrichtung eine Besonderheit vor: Die Sorbenstube. Die Einrichtung hat die Schließung unverändert überlebt.

Ursprünge sind nicht mehr bekannt

Die Sorbenstube ist, soviel steht fest, in den ersten 20 Jahren der DDR im Ratskeller eingerichtet worden. Wer dazu die Idee hatte und wer sie wann genau umsetzte, ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Das Stadtarchiv hat dazu keine Unterlagen, der Ratskeller wurde von der Handelsorganisation betrieben. Deren Chefs und alle weiteren Personen, die das Vorhaben auf jeden Fall gefördert haben müssen, sind schon lange nicht mehr unter uns. Recherchen in der Lausitzer Rundschau, die im Stadtarchiv ab der Nummer 1 von 1946 vorliegt, erwiesen sich vom Aufwand her als unverhältnismäßig, weil eben das Jahr der Einrichtung der Sorbenstube unbekannt ist. Bleibt nur die Erkenntnis, dass die Sorbenstube bei den Sprembergern und ihren Gästen sehr beliebt war. Bis heute ist das so.

Familie Osmani hatte vor, die Gasträume mit Bildern aus Spremberg und der Region zu gestalten. Beauftragt wurde dazu der belgische Grafiker Bart Lefebure. Im Niederlausitzer Heidemuseum Schloss Spremberg bat man um Unterstützung. Mit Museumsleiter Eckbert Kwast fanden die neuen Eigentümer einen guten Partner. Er schlug vor, eine Teilung vorzunehmen: Restaurant und Gaststätte sollten ihre Bilder bekommen, die Sorbenstube neu gestaltet werden. Letzteres hatte für Eckbert Kwast gute Gründe. Die Sorbenstube ist den Sprembergern und ihren Gästen ein Begriff für Tradition und sorbisches Brauchtum. Das Museum übernahm dann auch die Textvorlagen, stellte Fotos zur Verfügung und letztendlich auch die bekannten Briefmarken der DDR-Post mit sorbischen Trachten. Dem belgischen Grafiker gelang mit dieser Zuarbeit eine Neugestaltung der Sorbenstube in ganz besonderer Weise. Zwei gemauerte historische Rundbögen wurden verglast und durch Hintergrundbeleuchtung werden jetzt die Text- und Bildvorlagen auf der Verglasung angestrahlt. Umrahmt von italienischen Weinreben und gefüllten Weinflaschen. Ein einmaliges Ensemble.

Zwischen Essen und Trinken werden natürlich die Informationen zur wendischen/sorbischen Geschichte Sprembergs und der Lausitz, einfach und verständlich dargestellt – von den Gästen bewundert. So erfahren sie, dass mit der Reformation die wendische Sprache zunehmend im kirchlichen Bereich angewandt wurde. In Spremberg wurde eine Wendische Kirche errichtet, in der wendische Gottesdienste abgehalten wurden. Ab dem 17. Jahrhundert kam es zunehmend zur Unterdrückung des wendischen Lebens und der Sprache. So forderten 1725 die Stände im Spremberger Kreis stärker die Erlernung der deutschen Sprache. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts sprach die gesamte ländliche Bevölkerung wendisch. Verstärkt ging man seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts dazu über, deutsche Pfarrer und Lehrer in die wendischen Dörfer zu berufen. Heute sind die Trachten und die wendische Sprache im Spremberger Leben aus dem Alltag verschwunden. Die Senftenberg-Spremberger Tracht war die Bekleidung der wendischen bäuerlichen Bevölkerung in der Niederlausitz. An sie erinnerte bis zu seiner Auflösung vor rund zehn Jahren der Sorbische Spremberger Hochzeitszug. Die Sprache, Bräuche und Trachten sind bis heute für die verbliebenen Wenden besonders in den 14 Spremberger Ortsteilen die wichtigste Verbindung zu ihrem Volkstum. Heute weniger bekannt ist die Tatsache, dass eines der ältesten Handwerke, der Blaudruck, auch in Spremberg existierte und dort Teile für die wendische Tracht hergestellt wurden. Reste der lange vergessenen Blaudruckwerkstatt samt Gerätschaften fand man Anfang der 1990er Jahre in der Nähe des Marktplatzes. Auch daran wird in der Sorbenstube im Ratskeller erinnert.

Sorbenstube ist Botschafter

Die Sorbenstube wird bis heute besonders gerne für Familienfeierlichkeiten gebucht. Seit ihrem Bestehen ist das so, und vermutlich möchte sie kein Spremberger vermissen. Gerade zu Familienfeierlichkeiten treffen sich hier Angehörige und Freunde aus ganz Deutschland und inzwischen auch aus anderen Staaten. Und so wird die Kunde von den Wenden/Sorben, die auch der Lausitz ihren Namen gaben, von Spremberg hinaus in die Welt getragen.

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