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Riesa

Sorge um frühere DDR-Einkaufsmeile

Die Beschwerden über den Verfall des Lukullus mehren sich. Jetzt gibt es einen Investor.

Der „Luki“ an der Kurt-Schlosser-Straße verdankt seinem Namen dem Lebensmittelgeschäft „Lukullus“, das es dort schon lange nicht mehr gibt. Aktuell befinden sich in dem Flachbau noch ein Bestattungshaus und ein Spielcasino.
Der „Luki“ an der Kurt-Schlosser-Straße verdankt seinem Namen dem Lebensmittelgeschäft „Lukullus“, das es dort schon lange nicht mehr gibt. Aktuell befinden sich in dem Flachbau noch ein Bestattungshaus und ein Spielcasino. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Die Gehwegplatten heben sich an vielen Stellen. Das Grün wuchert unkontrolliert. In den leeren Schaufenstern werden die freien Flächen zur Vermietung angeboten: Das ehemalige Einkaufszentrum an der Kurt-Schlosser-Straße – von den Anwohnern „Lukullus“ oder kurz „Luki“ in Anlehnung an den einstigen Lebensmittelladen in dem Gebäude genannt – macht an diesem Mittwochmorgen bei einem Vor-Ort-Besuch der SZ keinen besonders einladenden Eindruck.

Der Mittelteil des Flachbaus, wo zuletzt noch ein Asia-Shop und kurzzeitig auch ein Café der Heilsarmee untergebracht waren, steht mittlerweile leer. Auch der Fahrradladen ist längst dicht – von einem Einkaufszentrum, in dem es einst von Lebensmitteln über Kleidung und Schuhe bis hin zum Drogeriebedarf alles zu kaufen gab, kann keine Rede mehr sein. Letzte verbliebene Mieter sind die Spielhalle Casino Riesa und das Bestattungshaus Fritsche an den Seiten des Gebäudes, dessen Anblick schon seit Jahren für viel Kritik von den Anwohnern sorgt.

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Zwischen dem „Luki“ – die Fotos entstanden um 1980 – und den Neubaublöcken wurde später eine HO-Kaufhalle gebaut. Darin befindet sich heute ein Asia-Markt.
Zwischen dem „Luki“ – die Fotos entstanden um 1980 – und den Neubaublöcken wurde später eine HO-Kaufhalle gebaut. Darin befindet sich heute ein Asia-Markt. © Stadtmuseum Riesa

„Wenn man wenigstens die Mauer reparieren würde oder die Beete bepflanzen, dann sähe es hier schon ganz anders aus“, sagt ein Senior, der gerade von seinem Einkauf aus dem benachbarten Rewe kommt. Der Mann muss auf seinem Heimweg am „Luki“ vorbei und ärgert sich immer wieder aufs Neue, sagt er.

Eine Frau erzählt im Prinzip dasselbe. Sie schimpft über die kaputten Wege und über den Müll auf dem Areal. Kleine Gruppen – nicht immer Schüler, betont sie – treffen sich wohl des Öfteren hinter den ehemaligen Einkaufsläden, um gemeinsam abzuhängen und Bier zu trinken. Sie machen Lärm und lassen nicht selten Scherben und leere Verpackungen zurück. Selbst die Stadt spricht von einem „städtebaulichen Missstand“. Allerdings gibt es Hoffnung.

„Zum Lukullus gibt es einen Interessenten, die Gespräche befinden sich aber noch in einer frühen Phase“, erklärte Stadtsprecher Uwe Päsler auf Nachfrage der SZ. Und die bisherigen Eigentümer, die Hanseatenmakler aus dem fernen Schleswig-Holstein, erklären am Telefon: „Wir haben die Immobilie verkauft, die gehört uns gar nicht mehr.“

Neuer Eigentümer ist Michael Tetelmann, der auch Geschäftsführer der Lenny Spielhallen GmbH ist und damit Chef des Casinos im „Lukullus“. Auf das Gerücht angesprochen, dass der Einkaufsmarkt abgerissen und durch ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden soll, sagt er nur: „Kann sein.“ Frühestens im Herbst will er sich zu seinen Plänen für den „Luki“ öffentlich äußern.

Im „Luki“ gab es ursprünglich drei Geschäfte: Bekleidung gab es links (heute Casino), im „tip-top“ gab es Haushaltswaren und im „Lukullus“ (heute Bestattungshaus) Lebensmittel.
Im „Luki“ gab es ursprünglich drei Geschäfte: Bekleidung gab es links (heute Casino), im „tip-top“ gab es Haushaltswaren und im „Lukullus“ (heute Bestattungshaus) Lebensmittel. © Stadtmuseum Riesa

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