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Sorge um Rabenaus Glocken

Das Geläut der Kirche muss dringend saniert werden. Die Frage ist nur, wer das bezahlt.

Von Marleen Hollenbach

Auf die Glocken der Rabenauer Kirche ist Verlass. Seit über 300 Jahren erklingen sie täglich. Doch schon seit zwei Jahren werden die großen Glocken geschont. „Auf das Nachtgeläut haben wir schon ganz verzichtet und auch an Silvester und zu Ostern erklingen sie nur noch kurz“, sagt Erik Derr. Der Vorsitzende der Kirchgemeinde Rabenau befürchtet, dass die Glocken irgendwann ganz verstummen könnten. Das zumindest sagt er, sei nur noch eine Frage der Zeit. „Das Hauptproblem sind die Risse im Bronzegeläut. Wird das nicht behoben, dann gehen die Glocken früher oder später ganz kaputt“, erklärt Erik Derr. Weil die Mitglieder der Kirchgemeinde das unter allen Umständen verhindern möchten, planen sie schon seit einem Jahr die Sanierung ihrer Glocken. Doch das ist gar nicht so einfach. „Man muss ja erst einmal an die Glocken herankommen“, erklärt Erik Derr. Das bedeutet, der Kirchenturm muss eingerüstet und anschließend geöffnet werden. Eine Hebebühne könnte dann die Glocken vorsichtig nach unten transportieren. Von dort aus würden sie sich auf die Reise nach Baden-Württemberg machen, wo ein Glockenschweißer die Risse beheben soll.

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Doch das ist nur ein Teil der Sanierung. Damit die Glocken nicht gleich wieder zerstört werden, müssen die Kirchgemeindemitglieder auch die Ursache beseitigen lassen. „In den 60er Jahren hat man die Aufhängung der Glocken ausgetauscht. Statt eines Holzglockenstuhls gab es einen aus Stahl, der länger halten sollte“, sagt Erik Derr und erklärt, dass das ein schlimmer Fehler war. Denn Stahl ist im Vergleich zu Holz ein starrer unflexibler Baustoff, der den Glocken nicht genügend Spielraum bietet. „Wir müssen deshalb dringend wieder den Urzustand herstellen und einen Eichenholzdachstuhl errichten“, sagt Erik Derr. Jetzt endlich hat er auch die Pläne für dieses komplizierte Bauvorhaben in der Hand, konnte den Fördermittelantrag stellen. Denn so eine Sanierung der Glocken ist nicht ganz billig. Die Kirchgemeinde geht von rund 56 500 Euro aus.

Allein können sie das natürlich nicht bezahlen. „Wir hoffen aber, dass wir zwei Drittel der Investitionssumme von der Denkmalpflege und vom Regionalkirchenamt bekommen“, erklärt der Vorsitzende der Rabenauer Kirchgemeinde. Den Rest, also rund 21 000 Euro, müssen die Mitglieder der Kirchgemeinde aber auf jeden Fall selbst aufbringen. Weil aber das Budget klein ist, hofft man auf Spendengelder. „Ich bin mir sicher, dass viele Rabenauer weiterhin die Glocken hören wollen, egal welcher Konfession sie angehören“, sagt Erik Derr. Eine große Spende hat er schon bekommen. Zwei ehemalige Rabenauer, die jetzt in Dresden leben, haben sich bereits bei ihm gemeldet. Es handelt sich um Nachkommen des Glockengießers, welcher auch die Rabenauer Glocken erschaffen hat. „Sie haben mir Fotos und einen Stammbaum mitgeschickt, das ist schon eine tolle Sache“, sagt Derr, der noch eine kleine Geschichte zu den Rabenauer Glocken parat hat. Beinahe wäre das Geläut nämlich dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Die Glocken sollten in Hamburg eingeschmolzen werden. Doch sie wurden gut versteckt und kamen nach dem Krieg mit dem Pferdefuhrwerk nach Rabenau zurück, erzählt Derr.

Alle potenziellen Spender lädt die Kirchgemeinde am Sonnabend nach Rabenau ein. Dann wird es ab 17 Uhr das erste Benefizkonzert für die Sanierung der Glocken geben. „Es haben sich die Windberg Gospel Voices angekündig. Der Eintritt ist frei. Das Portemonnaie aber sollten die Besucher auf jeden Fall in der Tasche haben.