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Sorge um seltenen Falter

Anwohner haben einen alten Weg erneuert. Hat das negative Folgen für eine gefährdete Art?

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Von Verena Weiß

Endlich geht es trockenen Fußes über die Wiese. Der Trampelpfad, der sich über die alten Hohlblocksteine legte, ist komfortablen Rasengittersteinen gewichen. Da läuft es sich schon bequemer hinauf zu den Gärtchen, zur Bushaltestelle oder einfach nur mit Bello durchs Dorf. Der neu errichtete Weg oberhalb der Lindenstraße erfreut die Anwohner des Bannewitzer Ortsteiles Börnchen. Schließlich haben sie dafür geschwitzt. In mühevoller Arbeit legten die Mitglieder des örtlichen Heimatvereins selbst Hand an den Weg an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – findet aber nicht nur Freunde.

Denn der kleine, frisch gepflasterte Weg quer über die Börnchener Wiese war so nicht geplant. Statt des alten Verlaufes sollte die neue Pflasterung weiter drüben, am Rand der Wiese erfolgen. Der Grund heißt Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der eher unscheinbar daher kommende Falter ist ein seltenes Exemplar und auf besagter Wiese heimisch. Wohl fühlt er sich hier vor allem deshalb, weil seine Existenz an eine ganz bestimmte Pflanze, den Großen Wiesenknopf, gebunden ist. Doch genau dieser könnte nun wegen der Baggerarbeiten querfeldein zerstört sein. Das befürchten Naturfreunde in Bannewitz. Hans-Jürgen Hardtke ist einer von ihnen. Der Possendorfer ist Botaniker und Vorsitzender im Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Er verhalf dem Ameisenbläuling in Börnchen auch zu seiner Popularität, entdeckte bei seinen Erkundungen in den 90er-Jahren das seltene Vorkommen des Falters auf der Börnchener Wiese. Den Plänen des örtlichen Heimatvereins, den Weg über das wertvolle Grün auszubauen, stand Hardtke deshalb kritisch gegenüber. Doch in Absprache mit den Börnchenern schien schließlich im Spätsommer vorigen Jahres eine Lösung gefunden (SZ berichtete): Der Weg kommt an den Rand der Wiese. Das versicherte damals auch Thomas Moch, der Vorsitzende des Börnchener Heimatvereins, gegenüber SZ. Damit werde schließlich das Vorkommen geschützt und die Börnchener bekämen ihren Weg. Doch warum kam nun alles anders? Angeblich, so sagt Moch, hätte es „nie konkrete Absprachen gegeben“. Die Verlegung des Wegebaus an den Rand der Wiese sei vielleicht Ziel der Naturschützer gewesen, aber nicht im Sinn des Heimatvereins. Außerdem hätte dies aufgrund der Hanglage einen „erheblichen Mehraufwand“ bedeutet und wohl auch höhere Kosten, erklärt Thomas Moch. Schließlich habe der Verein die Baumaßnahme selbst finanziert, mit Unterstützung der Bauhoftechnik und dank preisgünstiger Materialangebote der örtlichen Firmen. Nur eine Sache stünde noch aus: die Beleuchtung des Weges. Ginge es nach Naturschützern wie Hans-Jürgen Hardtke, sollte sich die Beleuchtung nicht unmittelbar in Höhe der Wiese installiert werden – und möglichst als Bewegungsmelder. Denn Falter flögen bekanntlich zum Licht, wo sie schnell als Beute von Fledermäusen enden könnten. Eine abschließende Lösung steht hierzu noch aus. Diese, so Moch, wäre Sache der Gemeinde. In der örtlichen Rathausspitze hatte man den Wegebau abgesegnet – ob so oder so, spielt kaum eine Rolle. Denn das prominente Wiesenstück obliegt ohnehin nicht der Gemeinde, sondern ist Kirchenland.

Auch wenn’s nun nicht mehr zu ändern ist: Geärgert hat Hans-Jürgen Hardtke die unfreiwillige Bauplanänderung trotzdem. Es habe einen „heftigen Briefwechsel“ gegeben, sagt er, darauf eine Aussprache. „Wer weiß, ob die Leute überhaupt den Umweg am Rand der Wiese gegangen wären“, sagt Hardtke. Die Bequemlichkeit hätte sie womöglich ohnehin quer über die Wiese getrieben. Nun bliebe nur noch zu hoffen, dass die Bauarbeiten den Ameisenbläuling nicht vertrieben haben. Zeigen dürfte sich das spätestens im Frühjahr.