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Sorgen hinterm Gartenzaun

Bautzens Gartensparten sind bedroht, sagen die Mitglieder des Territorialverbandes – und machen der Stadt ein Angebot.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Sie hat sich akribisch auf diesen Termin vorbereitet. Andrea Lange ist das Thema so wichtig, dass sie keinen Satz dem Zufall überlässt. Mehrere Zettel hat sie ausgedruckt, um ja nichts zu vergessen. Seit 2013 arbeitet Lange für den Territorialverband der Gartenfreunde. Im kommenden Jahr wird sie sich für den Vorstand zur Wahl stellen. Doch momentan beschäftigt sie etwas anderes. Lange will den Verband bekannter machen. Sie will auf die Probleme der vielen Kleingärtner hinweisen – und die Stadt Bautzen um Hilfe bitten.

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„Wir wollen agieren und nicht warten, bis wir reagieren müssen“, sagt die Kleingärtnerin, die sich um die Zukunft der Gartensparten sorgt. Und das aus gleich mehreren Gründen. Das Interesse an den Kleingärten sinkt. Zwar stehen erst fünf Prozent der Parzellen leer, doch manch großen Gartensparten in der Stadt fällt es immer schwerer, Nachfolger zu finden. Ein weiteres Problem: Viele Gartensparten sind schon alt. Es gibt Investitionen, die dringend erfolgen müssten. Nur können sich die Mitglieder der Gartensparte das gar nicht leisten. Zwar musste bislang noch keine Anlage aus finanziellen Gründen schließen. „Aber so weit wollen wir es auch nicht kommen lassen“, sagt Andrea Lange. Um die Zukunft der Gartensparten zu sichern, haben die Mitglieder schon einiges getan. Lange zeigt auf eine Karte, die sie erstellt hat. Jeder kann nun im Internet sehen, welche Anlagen es gibt und wo sie sich befinden. Die Gartensparten können ihre Parzellen bequem im Netz anbieten. Auch beim Tag der Vereine hat Lange für die Gartensparten geworben. Ihre frischen Ideen sind wichtig, aber sie kosten auch. Erstmals seit Jahren hat der Verband deshalb seine Mitgliedsbeiträge erhöht. Nun möchte man noch einen Schritt weiter gehen und mehr mit den Kommunen – vor allem mit Bautzen – zusammenarbeiten.

2 600 Parzellen gibt es in der Stadt

Von den 79 Kleingartenanlagen, die zum Territorialverband gehören, befinden sich 41 in Bautzen. Mehr als 2 600 Parzellen gibt es in der Stadt. Einige Flächen haben die Kleingärtner von privaten Eigentümern angemietet. Doch die meisten Gärten stehen auf städtischem Grund. Pro Jahr überweisen die Gartenfreunde deshalb mehr als 30 000 Euro Pacht an die Kommune. In den vergangenen 25 Jahren bekam die Stadt auf diese Weise 750 000 Euro von den Kleingärtnern. Andrea Lange könnte sich nun vorstellen, dass die Stadt ein Fünftel dieser Pachteinnahmen an den Verband zurückgibt. Mit dem Geld könnte der Vorstand Projekte finanzieren, die dem Erhalt der Anlagen dienen. „Wir wollen außerdem weiterhin der Bautzener Tafel Gärten zur Verfügung stellen“, sagt Lange. Es geht aber auch darum, dass sich zukünftig noch jeder Bautzener dieses Hobby leisten kann.

Aber ist eine Rückzahlung der Pacht der richtige Weg? Die Bautzener Stadträte sind da unterschiedlicher Meinung. „Der Vorschlag der Gartenfreunde ist auf jeden Fall sinnvoll“, meint Angela Palm von den Linken. Sie hat bereits mit den Mitgliedern des Territorialverbandes gesprochen, kennt deren finanzielle Situation. Dass die Stadt Bautzen Geld an die Gartensparten zurückzahlt, sei notwendig, meint sie. „Die Kleingärten sind ja nicht nur ein Ort der Freizeit und Erholung für die Kleingärtner selbst. Sie sind auch grüne Oasen im Stadtgebiet“, erklärt Angela Palm.

Kleingärten sorgen für Lebensqualität

CDU-Stadtrat Patrick Höhne sieht das ähnlich. „Die Rückführung eines Teilbetrages wäre eine charmante Art, sich bei den zahlreichen Hobbybotanikern für deren Leistungen zu bedanken“, sagt er und verweist vor allem auf den Umweltschutz. So würden Kleingärten den Verkehrslärm ausgleichen und generell für eine höhere Lebensqualität in der Stadt sorgen.

Skeptischer blickt Roland Fleischer auf das Anliegen der Gartenfreunde. „Nach bisher vorliegenden Informationen über die Lage des Verbandes in Bautzen lehnen wir als SPD-Fraktion eine Pachtrückzahlung ab“, sagt er. Eine solche Regelung sei ungerecht gegenüber anderen Interessensgruppen. Das heißt aber nicht, dass Roland Fleischer den Kleingärtnern nicht helfen will. Gern würde er mit den Gartenfreunden darüber sprechen, ob es noch andere Möglichkeiten der Unterstützung gibt. „Letztendlich muss es im Interesse der Stadt sein, Kleingärten zu bewirtschaften“, sagt er.

Tatsächlich sieht es so aus, als käme der Verband mit seinem Wunsch nicht weit. „Dem Vorschlag der Gartenfreunde kann aus Sicht der Kämmerei nach derzeitiger Vertrags- und Rechtslage nicht entsprochen werden“, erklärt Stadtsprecher André Wucht. Die Pacht für die Kleingartenflächen sei ohnehin nicht hoch, erklärt er. Zehn Cent pro Quadratmeter im Jahr berechnet die Stadt dem Verband. Im Vergleich dazu beträgt die Pacht für sonstiges bebautes Gartenland im Jahr 60 Cent pro Quadratmeter. Ob man den Gärtnern anderweitig helfen will, sei eine politische Entscheidung. „Eine kurzfristige Lösung erscheint nach dem heutigen Kenntnisstand aber wenig realistisch“, erklärt Wucht, meint aber auch: „Stadt und Verband sollten das direkte Gespräch suchen.“