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Sind Zittaus grüne Oasen in Gefahr?

Die alten und herrlichen Bäume in der Weinau, im Westpark und am Stadtring leiden unter der Trockenheit. Die ersten sind schon tot.

Andreas Günther von der SDG beim Befüllen von Wassersäcken an den Bäumen auf dem Zittauer Klosterplatz.
Andreas Günther von der SDG beim Befüllen von Wassersäcken an den Bäumen auf dem Zittauer Klosterplatz. © Matthias Weber/photoweber.de

Was wäre die Stadt Zittau ohne ihre grünen Oasen in Weinau, Westpark, am Stadtring und anderswo. Doch sie sind längst nicht mehr selbstverständlich. Während der Bürgerfragestunde im Stadtrat meldete sich jüngst auch Zittaus ehemaliger Stadtjustiziar und Grüner, Horst Schiermeyer, zu Wort. Und mit seiner Frage traf er voll ins Schwarze.

Er hatte in einer Studie gelesen, dass vom Klimawandel längst nicht nur die Bäume in den Wäldern betroffen sind. Auch die Laubbäume in den Parkanlagen leiden zunehmend unter der Trockenheit. Horst Schiermeyer fragte deshalb, ob sich Zittau um die schönen, großen, alten Bäume am Grünen Ring, im Westpark und in der Weinau Sorgen machen muss. 

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Schon während des heißen Sommers im Vorjahr hat die Stadt mit ihrer Städtischen Dienstleistungsgesellschaft (SDG) große Anstrengungen unternommen, um Zittaus Bäume zu erhalten. Nicht in jedem Fall gelingt das aber. Wegen Wassermangel sind in den letzten beiden Jahren in den Grünanlagen der Stadt öfters mal Bäume abgestorben. "Großflächig aber zum Glück nicht", schildert der Bereichsleiter für Grünflächen und Bauhof bei der SDG, Norbert Faßbender.  

Andreas Günther von der Städtischen Dienstleistungsgesellschaft (SDG) füllt einen Wassersack an einem Ahornbaum auf dem Klosterplatz Zittau. 
Andreas Günther von der Städtischen Dienstleistungsgesellschaft (SDG) füllt einen Wassersack an einem Ahornbaum auf dem Klosterplatz Zittau.  © Matthias Weber/photoweber.de
70 Liter Wasser speichert so ein Sack, wie hier an einem Baum am Zittauer Klosterplatz. Durch das langsame Durchsickern des Wassers hält er die Erde um den Baum bei diesen Bodenverhältnissen  länger feucht, als mit herkömmlichen gießen.  
70 Liter Wasser speichert so ein Sack, wie hier an einem Baum am Zittauer Klosterplatz. Durch das langsame Durchsickern des Wassers hält er die Erde um den Baum bei diesen Bodenverhältnissen  länger feucht, als mit herkömmlichen gießen.   © Matthias Weber/photoweber.de

So wie in Zittau, macht die Hitze aber vielen Parkanlagen in Sachsen zu schaffen. In Zittau betraf das bis jetzt immer nur einzelne Bäume. So wie in diesem Jahr bereits eine etwa 25 Meter hohe Eiche im Westpark. "Ich mag gar nicht daran denken, was passiert, wenn die Platane an der Krokus-Wiese absterben würde. So ein Baum, ist nicht mehr zu ersetzen", sagt er. 

Etwa 11.000 Bäume gibt es in Zittau

Selbst bei lang anhaltender Trockenheit wäre der Aufwand viel zu hoch, wenn man all die alten Bäume gießen möchte. Das ist nicht machbar. Noch ist das Baum-Kataster der Stadt Zittau nicht vollständig. Aber etwa 11.000 Bäume werden es allein im Stadtgebiet sein. Das ergibt sich bereits aus den bisherigen Auflistungen. "Für jeden Baum, der gefällt werden muss, pflanzen wir aber auch einen neuen", sagt Norbert Faßbender. Denn die Stadt will ihren Baumbestand erhalten. 

69 Bäume - vor allem Ahorn und Linden - sind allein im vergangenen Jahr in Zittau gepflanzt worden. "In diesem Jahr haben wir die Stämme bei den Jungbäumen auch weiß gestrichen", fügt er hinzu. Das verringert das Aufhitzen des Stammes. Denn wenn die Baumrinde erst Frost ausgesetzt ist und dann von der Sonne aufgewärmt wird, neigt sie schnell zu Rissbildungen. So entsteht ein idealer Nährboden für Pilze, Flechten und ähnliche Baumschädlinge.

Aber die Neupflanzungen sind nicht das Problem. Die anfälligen Jungbäume durch die trockenen und heißen Sommer zu bringen, ist vielmehr eine riesige Herausforderung. Vor allem im Stadtzentrum stehen viele Jungbäume. Und einige davon haben nicht gerade ideale Bodenbedingungen. 

Neue Bewässerungsart getestet

Doch für sie hat die Stadt 2019 eine Bewässerungsart getestet, die Erfolg verspricht. Die Jungbäume sind mit Wassersäcken ummantelt worden. Diese werden um den Stamm gelegt und lassen sich per Reißverschluss schließen. 70 Liter fasst so ein Sack. Er ist großporig. So kann das Wasser allmählich in fünf bis acht Stunden durchsickern und den Baum tränken.

"Im vergangenen Jahr haben wir das erst einmal mit 20 Säcken getestet", sagt er. Die jungen Ahornbäume am Klosterplatz werden nun so mit Wasser versorgt. Die konnten bisher nämlich nur ganz langsam gegossen werden, weil das Wasser hier sonst zu schnell wegläuft. Auch eine Gießhilfe mit einem in der Erde versenkten Plastikrohr bringt dort kaum Erfolg. 

70 weitere solcher Wassersäcke hat die Stadt deshalb 2020 gekauft. Unter anderem beim Studentenpark helfen sie jetzt den Jungbäumen durch den Sommer zu kommen. Aber auch an anderen Standorten in der Stadt werden noch solche Säcke eingesetzt. Doch das reicht natürlich nicht. 

Zurzeit ist ein Multicar mit einem 1.500 Liter Wassertank in Zittau unterwegs, um die Grünpflanzen in den Blumen-Ampeln, Blumen-Schalen und die Jungbäume zu bewässern. Fünf- bis sechsmal am Tag wird der Tank mit Wasser befüllt. Ab August kommt dann noch ein zweiter Wagen zum Einsatz, berichtet der Bereichsleiter.

Wären alternative Baumsorten die Lösung?

Wegen dem Klimawandel prüft die Stadt auch, ob alternative Baumsorten bei künftigen Pflanzungen geeigneter wären. "Aber so schnell kann man darauf nicht umsteigen. Die Baumschulen würden für pflanzbare Bäume etwa zehn Jahre Vorlauf brauchen", schildert Norbert Faßbender. 

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Mehrere heiße und trockene Sommer wie 2019 hintereinander würden Zittaus Bäumen nicht gut tun. Die Stadt braucht ihre grüne Lunge mit ihren Bäumen. "Manchmal hilft es schon etwas, wenn sich jemand einfach mal einen Eimer schnappt, ihn mit Wasser füllt und damit dem Baum vorm Haus etwas Gutes tut", meint er. Das ist natürlich nicht die Lösung. Dem Baum vorm Haus wird es dennoch helfen.

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