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Sorgen um die Gesellschaft

Döbeln. Axel Schmidt-Gödelitz ist ein Brückenbauer zwischen Ost und West und zwischen den Menschen. Er hat auch schon einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter mit einem Mann zusammengebracht, der einige Jahre im Stasi-Knast in Bautzen sitzen musste.

Döbeln. Axel Schmidt-Gödelitz ist ein Brückenbauer zwischen Ost und West und zwischen den Menschen. Er hat auch schon einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter mit einem Mann zusammengebracht, der einige Jahre im Stasi-Knast in Bautzen sitzen musste. Das Experiment ging gut aus. Am Ende haben sich die beiden umarmt, erzählte Schmidt-Gödelitz. Über 2500 Menschen haben schon an den Biografiegesprächen beim Ost-West-Forum in Gut Gödelitz teilgenommen. Die Bedingung: Jeder muss zuhören und darf keine Kritik üben. „Es gibt nicht nur eine Wahrheit, sondern auch die Wahrheit der anderen. Das hängt davon ab, was einer im Leben erlebt hat“, sagte der Gründer des Ost-West-Forums beim Promi-Treff der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt, bei der er mal nicht der Einladende, sondern der Eingeladene war.

Schmidt-Gödelitz war drei Jahre alt, als die Familie 1945 das Gut Gödelitz verlassen musste. „Wir haben als Kinder im Bett beten müssen, dass Vater aus dem Krieg kommt und wir nach Gödelitz zurück können“, erzählte er. Der Vater kam wieder und viel später, nach der Wende kaufte, die Familie auch das enteignete Gut zurück. Privat sind die Träume aufgegangen, sagte Schmidt-Gödelitz.

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Sorgen macht er sich aber um Entwicklungen in der Gesellschaft, die radikale Tendenzen am rechten wie linken Rand fördern. „In jeder Gesellschaft entstehen wieder Ungerechtigkeiten. Es gibt Warnsignale, die man ernst nehmen muss. Zehn Prozent der Bevölkerung besitzen 60 Prozent des Vermögens. Das kann nicht gutgehen. Wenn sich eine Bank verspekuliert, ist Geld da. Aber nicht für den Jugendklub“, sagte er. Die Politik sei käuflich und die Bürger resignieren. Für junge Leute würden die politischen Parteien zunehmend uninteressant, sie engagierten sich eher in kleinen zivilgesellschaftlichen Organisationen. „Die müsste man alle mal zusammenkriegen“, sagte Schmidt-Gödelitz.

Die Eliten des Landes müssten auch moralische Institutionen sein und Werte vorleben, glaubt Schmidt-Gödelitz. Das Ost-West-Forum lädt sich deshalb auch junge Leute ein, die irgendwann in führenden Positionen sitzen werden. „Mit denen arbeiten wir intensiv in unserer Werte-Akademie und vernetzen sie.“ Schmidt-Gödelitz hofft, dass diese Manager und Politiker von morgen lernen, an den richtigen Stellen „nein“ zu sagen. (DA/jh)