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Sorgenkind Hoflößnitz

Die Stadt will das Weingut behalten und sanieren. Doch mancher Radebeuler fürchtet, das lässt sich nicht bezahlen.

Von Ines Scholze-Luft

So eine Diskussion hat die Hoflößnitz noch nicht erlebt. Bürgerforum/Grüne hatten eingeladen zum Gespräch über die Zukunft der historischen Anlage. Die Stühle im Festsaal reichten nicht für alle Interessenten, denen Stiftung und Geschäftsführung Rede und Antwort standen. Vor allem zum immer wiederkehrenden Thema: Kann sich die Stadt die Hoflößnitz auf Dauer leisten? Was läuft dort in den Weinbergen eigentlich ab?

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Die Stiftung ist für die Kultur zuständig, die GmbH für die Wirtschaft

Seit 1992 ist die Hoflößnitz wieder in Stadt- Besitz. Um die Anlage in ihrer Gesamtheit zu erhalten, wurde 1998 die Gründung einer Stiftung bürgerlichen Rechts beschlossen. Hauptstifter ist die Stadt Radebeul, Mitstifter der Verein Kulturlandschaft Hoflößnitz. Die Stiftung ist Eigentümer der zur Anlage gehörenden Weinberge sowie der historischen Gebäude und lenkt die kulturelle Entwicklung der Hoflößnitz. Die Weingut Hoflößnitz GmbH – hier hält die Stadt 75 Prozent und die Beteiligungsgesellschaft 25 Prozent – verantwortet die ökonomischen Aufgaben, Weinan- und -ausbau sowie Verkauf. Geschäftsführer bei Stiftung und GmbH ist Jörg Hahn.

Aus der GmbH soll ab 2016 Geld

für die Stiftung kommen

Derzeit hat die Stiftung Einnahmen aus Gästehaus, Weinstube, Museumseintritt. Dazu kommen der städtische Zuschuss von 230 000 Euro jährlich und 55 000 Euro aus der Kulturraumförderung. So werden Personal und Museumsarbeit bezahlt. Reicht das, um die Hoflößnitz dauerhaft zu erhalten? Nein, denn die Stiftung kann die Abschreibung – 50 000 bis 70 000 Euro jährlich – nicht erwirtschaften.

Ein negatives Jahresergebnis in der Bilanz läuft gegen das Stiftungskapital. Das aber muss unangetastet bleiben, sagt OB Bert Wendsche. Die Herausforderung: Kapital muss her. Die Stadt setzt auf die künftigen Erträge der GmbH. Ab 2016 sollen von ihr 50 000 bis 100 000 Euro im Jahr zur Stiftung fließen. Denn die GmbH wird erst 2015 schwarze Zahlen schreiben und braucht derzeit selbst noch die Unterstützung.

Das Weinstraßen-Zentrum zieht mit Tourist-Info ins Pressenhaus ein

Jetzt wird das historische Ensemble erst einmal weiter saniert. Im August starten die Arbeiten am Pressenhaus, für 1,5 Millionen Euro, davon 850 000 Euro gefördert. Danach zieht eine Station der Tourist-Info ein. Im Schauraum können die Besucher später einmal alle Winzer der Region kennenlernen. Und deren Weine kaufen. Noch aber wissen wohl nur wenige Winzer von diesen Plänen. Hoflößnitz-Nachbar und Weingutchef Friedrich Aust schlägt deshalb vor, alle an einen Tisch zu holen.

Die Anwohner fühlen sich von der jüngsten Entwicklung überrollt

Sie möchten auch, dass es der Hoflößnitz gut geht, sagen die Anwohner. Doch die jüngsten Entwicklungen machen ihnen zu schaffen. Massive Kritik gibt es, weil jeden zweiten Sonnabend private Feiern steigen. Auf der Terrasse sei es laut, über die erlaubte Zeit hinaus. Überall parken Autos. Und die Sorgen reichen weiter. Werden dann ganze Busladungen von Besuchern herangefahren, wenn das Weinstraßenzentrum fertig ist? Die Stiftung sagt, das Hoflößnitz-Limit liegt bei 100 Veranstaltungen jährlich – mit allen Konzerten und Gesprächsrunden. Größerer Gästeandrang sei nur beim Winzerzug zu erwarten, einmal im Jahr.

Nachgefragt wird außerdem, warum Besucher jetzt auf die Gastronomie der Weinstube verzichten und sich mit dem eingeschränkten Angebot auf der Terrasse zufrieden geben müssen. Gleichzeitig mit den Bauarbeiten sei es nicht zu schaffen, aber nach der Sanierung gibt es ein neues gastronomisches Konzept, verspricht GmbH-Geschäftsführer Jörg Hahn.