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Sorglosigkeit rächt sich jetzt

Wenn der Antibiotikaverbrauch nicht weiter reduziert wird, sind wir medizinisch bald wieder im Mittelalter. Ein Kommentar.

© dpa-tmn

Wenn Ärzte kein Antibiotikum mehr finden, das gegen eine schwere Infektion wirkt, klingt das nach Horrorszenario. Doch es ist Realität. Große Kliniken haben sich darauf eingestellt: Spezialabteilungen sind ausschließlich damit beschäftigt, Antibiotika-Kombinationen und Dosierungen zu entwickeln, die resistenten Keimen noch etwas entgegensetzen können. Damit die Ärzte nicht irgendwann mit leeren Händen dastehen, ist ein Umdenken notwendig. Das hat bereits eingesetzt, doch es reicht nicht.

Wie kann es sonst sein, dass in Grippezeiten wie jetzt im Jahresvergleich die meisten Antibiotika verordnet werden? Diese Erkrankungen werden durch Viren ausgelöst – Antibiotika sind hier wirkungslos. Aber nicht unschädlich. Jedes unnütz eingenommene Antibiotikum erhöht die Resistenzgefahr und beraubt uns im Ernstfall einer wirksamen Behandlungsalternative. Das kann keiner wollen.

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Den Verantwortlichen im Gesundheitssystem ist das mittlerweile bewusst, doch viel zu lange sind sie sorglos gewesen. Sachsen geht heute mit gutem Beispiel voran. Es hat mit den geringsten Antibiotikaverbrauch in Deutschland. Andere Länder müssen nachziehen.

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Doch auch Patienten können ihr Verhalten ändern. Bei Erkältungen sind zunächst Hausmittel eine gute Wahl. Sind Medikamente nötig, müssen sie genau nach Vorschrift genommen werden. Eine Weitergabe ist tabu. Die Sorglosigkeit muss ein Ende haben, sonst sind wir medizinisch bald wieder im Mittelalter.

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