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Pirna

Landkreis vermittelt freie Sozialarbeiter

Treffs und Familienzentren sind wegen der Corona-Epidemie geschlossen. Personal für die Jugendhilfe ist nun an anderer Stelle nötig.

Auch der Treff des Kinderschutzbundes in Dippoldiswalde
ist derzeit geschlossen.
Auch der Treff des Kinderschutzbundes in Dippoldiswalde ist derzeit geschlossen. © Egbert Kamprath

Wegen der Corona-Epidemie steht das öffentliche Leben in vielen Bereichen still. Auch Jugendtreffs oder Familienzentren müssen zwangsweise schließen. Gebraucht wird Sozialarbeit dennoch - nur an anderer Stelle. Deshalb hat das Jugend- und Bildungsamt des Landkreises zusammen mit den Freien Trägern eine Fachkräfte-Allianz geschmiedet, damit Sozialarbeiter, die jetzt weniger zu tun haben, dort eingesetzt werden können, wo Not am Mann ist. Das Ganze erfolgt freiwillig.

"Derzeit haben sich 24 Fachkräfte zur Arbeit im Rahmen der Allianz bereit erklärt", sagt die Leiterin des Jugend- und Bildungsamtes, Irina Heise. Diese werden beispielsweise in Kinderheime vermittelt. So soll in den Einrichtungen die Betreuung der Kinder abgesichert werden, wo Personal ausgefallen ist. "Außerdem werden aktuell Fachkräfte in Pflegefamilien vermittelt, um diese durch stundenweise Betreuung der Pflegekinder zu entlasten", erklärt Heise. Pflegefamilien kommen derzeit besonders an Leistungsgrenzen. Die Hilfe zur Erziehung soll aber unbedingt gesichert werden. 

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Zu den Sozialarbeitern, die vorübergehende Engpässe bei anderen Trägern ausgleichen, gehören auch Beschäftigte des Vereins Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ein Mitarbeiter ist seit zwei Wochen zur Unterstützung des Jugend- und Bildungsamtes tätig. "Eigenen Bedarf haben wir bei unserem Aufgabengebiet nicht, können daher eher in anderen Bereichen wie der Hilfe zur Erziehung aushelfen", sagt Peggy Pöhland, die Geschäftsführende pädagogische Leiterin des Vereins. Dort hätten sich weitestgehend alle Kolleginnen und Kollegen dazu bereit erklärt. Ausnahmen sind Personen, die im eigenen Haushalt aktuell Kinder zu versorgen hätten oder zu Risikogruppen gehörten.

Kinder- und Jugendheime, die Unterstützungsbedarf haben, können diesen beim Jugend- und Bildungsamt anmelden. Pflegeeltern sollten ihr Hilfeersuchen ebenfalls an die bekannten Ansprechpartner des Pflegekinderdienstes im Jugend- und Bildungsamt richten. Ein alternativer Einsatz der Fachkräfte in ambulanten, stationären und teilstationären Hilfen zur Erziehung ist ebenfalls möglich, heißt es.

Die Diakonie Dippoldiswalde hat zwar im Moment keinen Bedarf. "Wir nutzen unsere Kapazitäten derzeit intern", erklärt Geschäftsführer Jörg Ihbe. In Krisenzeiten hält er die Fachkräfteallianz für eine wichtige Option. Anfragen habe es aber auch früher schon von anderen Trägern gegeben, ob mit Personal ausgeholfen werden könne, wenn etwa wegen Krankheit, Schwangerschaft oder aus anderen Gründen eine Notlage eingetreten ist. "Das wird es auch in Zukunft geben", erklärt Ihbe. Oft sind Betriebserlaubnisse an einen Personalbestand gebunden. Zusätzliche Mitarbeiter für den Notfall können aber auch nicht vorgehalten werden.

Den Kontakt zu ihren Schützlingen haben die Sozialarbeiter des Jugendrings und anderer Träger aber nicht gänzlich eingestellt. Die telefonische Erreichbarkeit bleibt gewährleistet, ebenso über Social-Media-Kanäle. Wer einen Gesprächspartner braucht, werde jemanden finden. Auch virtuelle Bildungs- und Beratungsangebote wurden eingerichtet, die über Mitarbeiter im Homeoffice in Anspruch genommen werden können.

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