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Corona-Krise: "Die soziale Aufmerksamkeit geht zurück"

In der Corona-Krise werden deutlich weniger Kindeswohlgefährdungen gemeldet. Das bedeutet aber keine Entwarnung.

Nach Angaben des Kinderschutzbundes sterben im Schnitt in Deutschland drei Kinder pro Woche an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung.
Nach Angaben des Kinderschutzbundes sterben im Schnitt in Deutschland drei Kinder pro Woche an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung. © Maurizio Gambarini/dpa

Verschärft Corona Probleme für Kinder? Der Kinderschutzbund nennt Zahlen, die überraschen, aber auch alarmieren können. Demnach ist die Zahl der Meldungen zu Kindeswohlgefährdungen in den vergangenen Wochen drastisch gesunken, um mehr als die Hälfte. "Vor dem Shutdown kamen etwa 60 Prozent dieser Meldungen von Schulen, Kitas und aus Kinderarztpraxen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, der Rheinischen Post. Im Gespräch mit der Zeitung fügte er hinzu: "Die soziale Aufmerksamkeit ist zurückgegangen."

In Schulen wurde in den vergangenen Wochen nicht unterrichtet, der Betrieb für Abschlussklassen läuft in den meisten Ländern gerade erst an. Also können von den Lehrern keine Meldungen über Kinder kommen, die auffällig wirken oder ungewöhnliche Verletzungen aufweisen. Ähnliches gilt für Kitas, in denen allenfalls Betreuung im Notbetrieb angeboten wird. 

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Ob die Zahl der Fälle nun gesunken ist oder die Inobhutnahmen mit Beginn der Lockerungen stark zunehmen, kann der Vorsitzende des Kinderschutzbundes derzeit nicht sagen.  "Wir werden die polizeiliche Kriminalstatistik dazu erst im kommenden Jahr sehen", betonte Hilgers in der Rheinischen Post.  Er ergänzte: „Der Anschein ist: Es ist ruhiger geworden. Das dicke Ende könnte aber noch kommen.“

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Nach Angaben von Hilgers sterben im Schnitt in Deutschland drei Kinder pro Woche an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung. Der Chef des Kinderschutzbundes zeichnete aber ein differenziertes Bild zur Gesamtsituation Heranwachsender. Durch den Shutdown hätten viele Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Das könne auch zu einer Entspannung in Familien führen.

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