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Sozialkaufhaus findet immer mehr Zuspruch

Bischofswerda. Steigende Armut lässt Menschen die Möglichkeit des Einkaufs für Bedürftige nutzen.

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Von Gabriele Naß

Waschmaschine? Sofa? Kaffeemaschine? Spielzeug? Immer mehr Menschen aus Bischofswerda, Großharthau, Neukirch und anderen Orten kaufen solche Sachen im Sozialkaufhaus in Bischofswerda.

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Einrichtung durch das Frauenzentrum Bischofswerda sind dort bereits 453 Personen als Einkäufer zugelassen. „Und dabei bin ich mir sicher, dass lange nicht alle kommen, die anspruchsberechtigt sind“, sagt Annegret Schieritz, Leiterin des Frauenzentrums. Bislang müssen sich Interessenten als Empfänger von Arbeitslosengeld 2 ausweisen können, um eine Einkaufserlaubnis zu erhalten. Annegret Schieritz will nun zudem prüfen, ob und ab wann das Kaufhaus auch denjenigen offen stehen kann, die zwar regelmäßig arbeiten, aber durch geringen Lohn kaum mehr oder gar weniger Geld zum Leben für sich und ihre Familie haben als Langzeitarbeitslose.

Im Sozialkaufhaus kaufen Bedürftige zum symbolischen Preis ein, der nur den Aufwand decken soll, den der Verein Frauenzentrum mit der Beschaffung hat. Die Ware selbst stammt von Leuten, die sie unentgeltlich abgeben. „Ich ärgere mich, wenn Sachen am Straßenrand als Sperrmüll stehen, nur weil die Leute nicht wissen, dass es uns gibt“, sagt René Gürth. Der 42-Jährige aus Uhyst hat beim Frauenzentrum einen 1-Euro-Job und das Sozialkaufhaus mit aufgebaut. René Gürth, der Zimmerer ist, aber keinen Job in seinem Beruf findet: „Ich bin froh, hier zu arbeiten. Es tut gut, zu helfen. Wie es ist, Engpässe zu haben, weiß ich nur zu gut.“

Mit einer festen Stelle für die Chefin und derzeit 24 Frauen und Männern im 1-Euro-Job sorgt sich das Frauenzentrum um Bedürftige. „Die meisten sind zuverlässig und engagiert“, sagt Leiterin Annegret Schieritz. Zum Glück. Anders sei der wachsende Arbeitsaufwand gar nicht zu bewältigen. Auch an der Schiebocker Tafel nicht. 868 Familien kaufen hier jetzt Lebensmittel für wenig Geld ein. 540 waren es zu Jahresbeginn. Um den Bedarf zu decken, wird viel Kraft darauf verwandt, um Spenden zu werben. „Ohne sie könnten wir nicht helfen, wie wir helfen“, sagt Annegret Schieritz. Auch Bargeld nutzt dem Verein bei seiner Arbeit . Es unterstützt die Finanzierung der beiden Autos, mit denen Ware für die Tafel und das Kaufhaus herangeschafft wird und trägt dazu bei, die gemieteten Räume für Büro, Tafel und Kaufhaus zu unterhalten.

Sozialkaufhaus Bischofswerda: Ecke Bischof-/Karl-Liebknecht-Straße; Montag bis Freitag 9-17 Uhr; (0160) 8 49 30 42.