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Sozialkaufhaus in Not

Die Einrichtung unterstützt Bedürftige in Bischofswerda. Nun steckt sie aber selbst in finanziellen Schwierigkeiten.

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© Rocci Klein

Von Nicole Preuß

Bischofswerda. Das Sozialkaufhaus in Bischofswerda rutscht mit jedem neuen Monat ein Stück mehr ins Minus. Die Einrichtung des Demokratischen Frauenbundes kann die Miete für ihre Räume in der Schiebock-Passage, die Kosten für die Transporter und die Aufwendungen für den einen angestellten Mitarbeiter nicht mehr aufbringen. Der Leiter des Sozialkaufhauses René Gürth hat deshalb bereits vor einigen Wochen Alarm im Stadtrat geschlagen. Er sieht schwarz für das Kaufhaus, wenn sich nicht bald grundlegend etwas ändert.

Der Uhyster ist keiner, der schnell nach Hilfe ruft. Er hat in den vergangenen Monaten kontinuierlich nach Sponsoren gesucht und auch einige Geldgeber gewonnen, wie die Wohnungswirtschaft, das Autohaus Pischke und die Apotheke Kliemann. Das Geld reicht aber noch nicht. „Wir können das alleine nicht mehr stemmen“, sagt er.

Das Sozialkaufhaus richtet sich an Menschen, die Hartz IV beziehen, alleinerziehend sind, noch studieren oder sonst wenig für den Lebensunterhalt haben. Sie können Möbel und Kleidung im Kaufhaus zum kleinen Preis kaufen, wenn sie ihre Bedürftigkeit nachweisen. Das Schlafsofa kostet je nach Zustand im Schnitt 30 bis 40 Euro, die Schrankwand ist für 80 bis 100 Euro zu haben. Die meisten Möbel sind noch deutlich mehr wert. „Mehr kann ich aber nicht nehmen, sonst kann das niemand von unseren Kunden mehr kaufen.“

Die Kleidung, die Möbel, das Geschirr und die sonstigen Alltagsgegenstände bekommt das Sozialkaufhaus gespendet, aus Haushaltsauflösungen oder auch von Menschen, die sich etwas Neues kaufen wollen. Die 25 Mitarbeiter, die meisten haben einen Ein-Euro-Job beim Kaufhaus oder bekommen eine Ehrenamtsentschädigung, schrauben die Möbel auseinander und bugsieren sie manchmal aus dem fünften Stock in den Transporter. In Bischofswerda-Süd werden sie repariert und dann wieder verkauft. Die Summe, die damit eingenommen wird, muss für alle Aufwendungen vom Transport über die Personalkosten bis hin zur Miete reichen. Doch das ist illusorisch, obwohl im Monat zwischen 600 und 700 Kunden in das Kaufhaus kommen.

Stadt würde proftieren

Die Stadt ist auch deshalb daran interessiert, dass es das Angebot für die Bedürftigen weiter gibt. Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) hat sich die Lage nach dem Appell im Stadtrat angesehen. „Nach dem Gespräch liefen Unterstützungsaktionen auf mehreren Ebenen an“, sagt Stadtsprecher Sascha Hache. So unterstützt der OB mit einem Schreiben, dass ein weiterer Mitarbeiter für eine Mehraufwandsentschädigung eingestellt werden kann. Die Stadtverwaltung will dem Träger auch helfen, eine neue, besser bezahlbare Bleibe zu finden. Sie möchte mögliche Geldgeber ansprechen und eventuell auch selbst zu einem solchen werden, indem sie 2 000 Euro von den Einnahmen des Info-Kanals gibt. Das hatte die Linken-Stadträtin Dr. Helgard Schmidt vorschlagen, der gesamte Stadtrat müsste dafür allerdings noch zustimmen.

Die Stadt Bischofswerda würde davon profitieren. Das hat sie schon in den vergangenen Jahren getan. René Gürth baute das Sozialkaufhaus vor zehn Jahren noch im ehemaligen Kindereck auf der Bischofsstraße auf. Den einstigen Konsum und noch zwei Wohnungen darüber nutzten er und seine Mitarbeiter als Möbellager. Doch das Gebäude sollte saniert werden und so musste das Sozialkaufhaus raus. 600 Quadratmeter standen damals insgesamt zur Verfügung. „Das war noch deutlich mehr als hier in der Schiebock-Passage“, sagt der Leiter des Sozialkaufhauses. Dort stehen nur 470 Quadratmeter zur Verfügung.

Schaden beheben

Eine Einrichtung wie das Sozialkaufhaus lebt allerdings davon, dass sie auch einmal etwas zurücklegen kann. Schließlich werden zum Beispiel nicht jeden Tag Betten oder Schlafzimmereinrichtungen angeboten. Das Kaufhaus bekam deshalb noch zwei Wohnungen von der Wohnungswirtschaft in einem Abrissblock zur Verfügung gestellt. Doch dort wurde vor zwei Wochen gleich zwei Mal innerhalb weniger Tage eingebrochen. Die Täter nahmen augenscheinlich nichts mit, demolierten aber einiges. So auch eine Schrankwand, die ein Kunde schon reserviert und auch bezahlt hatte. „So was kommt dann noch dazu“, sagt René Gürth. Er und seine Mitarbeiter wollen den Schaden beheben, sie heben für Reparaturen immer mal Glastüren auf. In diesem Fall soll eine Plexiglasscheibe aus dem Baumarkt helfen, die im Backofen erwärmt wird und so eingepasst werden könnte. Es wäre schön, wenn sich eine ähnlich findige Lösung auch für das Sozialkaufhaus finden würde. René Gürth, die Mitarbeiter und die Kunden haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Das Sozialkaufhaus kann durch Spenden unterstützt werden. Bankverbindung: Sozialkaufhaus Bischofswerda, Kreissparkasse Bautzen, IBAN: DE81 8555 0000 1099 9800 26, BIC: SOLADES1BAT.